Dass am Ende dieses dreistündigen Programms die Leute den Saal des Bürgerhaues Adler-Post in Stockach singend verlassen haben, ist keine Überraschung, denn bei diesem gelungenen, unterhaltsamen Abend jagte ein Höhepunkt den anderen. Zum ersten Mal in der langjährigen Geschichte der Laienspielgruppe Stockach, unter der Leitung von Hubert Walk, wagte diese Truppe ein Experiment, nämlich einen Mundartabend in Verbindung mit musikalischen Einlagen.

Für diese sorgten die Wahlwieser Kistenhocker und erwiesen sich bei ihrem ersten Auftritt in der Kernstadt als wahre Meister ihres Musikkabarett-Faches. Mit Gitarre, Bassgitarre, Cajon, Ukulele, Euphonium, Querflöte und Sopranino sorgten die drei Vollblutmusiker – Oliver Kuppel, Gerald Benz und Marcus Müller, alle aus Wahlwies – für wahre Applausstürme im ausverkauften Bürgerhaus. Bekannte Melodien in den hiesigen Dialekt zu übertragen ist das Geheimnis ihres Erfolgs. Sie haben bewiesen, dass Eric Claptons "You look wonderful tonight" erst im hiesigen Dialekt mit dem Titel "Woran des wohl etz leit" von den Zuhörern richtig verstanden wird. Diese exzellenten Musiker scheuen auch nicht vor Schuberts "Forelle" zurück und begründeten in ihrer Moderation ziemlich schlüssig, allerdings mit Augenzwinkern, dass Franz Schubert dieses berühmte Lied im Jahr 1816 in Wahlwies geschrieben habe, als er dort "am Wahlwieser Bache einen Wahlwieser Fischer beobachtet" habe. Der gesangliche Höhepunkt ihres Auftritts war dann eine A-Cappella Version vom berühmten Volkslied "Ännchen von Tharau" – in 17 Strophen. Allerdings haben die Kistenhocker eine verkürzte Version geboten.

Im nicht-musikalischen Teil des Abends sorgte die Laienspielgruppe mit einem Programm aus gespielten Witzen, Sketchen und humorvollen Textvorträgen für einen Lacher nach dem anderen. Als roter Faden der gesamten Stücke, die Regina Gromball und Hubert Walk mit viel Lokalkolorit geschrieben haben, dienen ein gewisser Maier Fritz und seine Frau Erika, beide aus Wahlwies, von deren Leben und Episoden die gespielten Stücke handeln. Dass dabei die "Liebesbeziehung zwischen der Kernstadt und ihrem letzten Ortsteil" nicht zu kurz kommt, kann man sich vorstellen.

Bei den Sketchen und Wortbeiträgen nehmen die Akteure wahrlich kein Blatt vor den Mund. So berichtet Frau Schneider alias Gerlinde Michel in ihrem Sketch mit dem Titel "Der Jubilar", dass zu ihrem Geburtstag der Wahlwieser Ortsvorsteher, Udo Pelkner, gekommen sei und ihr einen künstlichen Blumenstrauß gebracht habe, eine Stunde bei ihr geblieben sei und eine gesamte Schachtel Pralinen weggefuttert habe. Ferner beklagte sie sich darüber, dass der SÜDKURIER ihren 70. Geburtstag als den 80. angekündigt habe, was beim Besuch der Geburtstagsgäste zu allerhand Verwirrungen geführt haben soll. Als ihr allerdings dann im Radio auf SWR 4 ebenfalls zum 80. gratuliert wurde, war sie sich letztendlich selbst nicht mehr sicher, wie alt sie geworden war.

Natürlich waren auch die Kernstadt, das Rathaus und der Notarzt hervorgehobene Themen. So wird berichtet, dass ein Wahlwieser – ohne Navi – mit seinem Auto Richtung Stockach fuhr und sich dann "in der Pampa" verfranzte und glaubte, irgendwo zwischen Tuttlingen und Stockach im Niemandsland gelandet zu sein. In seiner Hilflosigkeit rief er bei der Polizei an, die nach kurzer Recherche feststellte, dass er sich in der Oberstadt in der Hauptstraße befand. Die Bemerkung, dass im Stockacher Rathaus "noch nach Instinkt und nicht nach Intellekt" gearbeitet werde, sorgte ebenso für einiges Schmunzeln im Publikum wie der Hinweis, dass man im Falle einer Pilzvergiftung nicht den Notarzt Dr. Peter Mayr rufen solle, denn: "Bis der einem nach Singen gebracht hat, ist es zu spät."

Fast drei Stunden beste Unterhaltung sorgte bei den Gästen für langanhaltenden Applaus. Christoph Lutz, ein langjähriger Fan der Laienspielgruppe, war begeistert von der Mischung aus Theater und Musik. Auch Agi Beirer aus Sipplingen äußerte sich zu dem Abend: "Früher sind wir auf den Gehrenberg nach Markdorf gegangen, aber seit es in Stockach die Kleinkunst gibt, sind ich und mein Mann regelmäßige Besucher der Veranstaltungen."

Noch zwei Auftritte

Weitere Termine der Kistenhocker und der Laienspielgruppe finden am Samstag, 19. November um 20 Uhr und am Sonntag, 27. November, um 19 Uhr im Bürgerhaus Adler-Post statt.

Wie Hubert Walk mitteilt, gibt es noch Restkarten für diese beiden Vorstellungen im Alten Forstamt: unter der Telefonnummer 80 23 00 oder unter der Emailadresse post@stockach.de

Walk weist ferner darauf hin, dass es keine weiteren Auftritte geben wird, auch nicht in Nachbargemeinden.