Was macht Jugendsprache aus? Für Jaroslaw Osinka und Elias Elmlinger ist sie ein zentraler Faktor, wenn es um das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen jungen Leuten geht. "Die Teenager haben eine eigene Sprachkultur, um sich von den Älteren abzugrenzen", sagt Jaroslaw Osinka. Gemeinsam mit seinem Klassenkameraden Elias Elmlinger ist er Teil der Jury, die am Freitag, 17. November, in München das Jugendwort des Jahres wählt. Die beiden 18-Jährigen besuchen die 13. Klasse des Wirtschaftsgymnasiums am Berufsschulzentrum Stockach (BSZ). Zwischen zehn Wörtern dürfen sie auswählen. Neben spaßigen Wortschöpfungen wie etwa "Noicemail", was so viel bedeutet wie nervige Sprachnachricht, oder "schatzlos", womit jemand charakterisiert wird, der keine feste Beziehung hat, gibt es in diesem Jahr durchaus politische Töne bei den potentiellen Jugendwörtern. "Merkules" etwa ist ein Wortspiel aus Angela Merkels Nachnamen und Herkules.

Im Vorfeld der Abstimmung haben sich die beiden viele Gedanken gemacht. "Jugendsprache ist in meinen Augen heutzutage auch ein Zeichen der Rebellion", sagt Elias Elmlinger. "Früher, etwa in den 1960er-Jahren, haben sich die Jugendlichen in großen Gruppen zusammengetan und protestiert. Heute hat man viele kleinere Gruppierungen, in denen jeweils eine eigene Sprache gesprochen wird, um sich abzugrenzen."

Darin sehen die beiden auch einen Grund, warum immer wieder Kritik an den gewählten Jugendwörtern geäußert wird. "Manche Worte kommen speziell aus dem Gaming-Bereich, andere sind zum Beispiel in Hamburg bekannt, hier dafür aber nicht", meint Jaroslaw Osinka. Dieses Jahr ist die Auswahl ihrer Meinung nach gut gelungen. "Es waren viele Wörter dabei, von denen wir schon gehört haben", erzählt Elias Elmlinger. Vom Zusammentreffen mit den anderen Jurymitgliedern versprechen sich beide viel. "Da sind Blogger, YouTuber, Germanisten und Schüler wie wir dabei. Auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen wird bestimmt interessant", sagt Elias Elmlinger.

"Ich finde die Mischung spannend und freue mich auf die Diskussionen mit den anderen Jurymitgliedern", findet auch Jaroslaw Osinka. Begleitet werden die beiden bei ihrer Reise nach München von Lehrerin Saskia Metzler. "Die Jungs haben ein gutes Durchsetzungsvermögen, die Debatten werden sicher spannend", ist sie überzeugt. Auch im Unterricht sei Jugendsprache immer wieder Thema. "Gerade bei literarischen Texten sprechen wir häufig darüber, warum der Autor diese oder jene Sprache gewählt hat", erzählt sie. Dabei entwickelten sich häufig Diskussionen auch über die Jugendsprache. "Wann spreche ich wie mit wem, das sind die Fragen, mit denen wir uns oft im Unterricht beschäftigen", so Metzler.

Es ist nicht das erste Mal, dass BSZ-Schüler in der Jury der Jugendwort-Wahl sitzen. Elias Elmlinger und Jaroslaw Osinka sind das dritte Team, das die Schule stellt. "Wir freuen uns sehr, dass wir die Möglichkeit haben, mitzuentscheiden", sagt Jaroslaw Osinka. Heimliche Favoriten haben die BSZ-Schüler übrigens bereits. Das offizielle Ergebnis der Wahl wird der Langenscheidt-Verlag am Freitagmittag bekannt geben.

 

Die Jugendwort-Wahl

Seit 2008 veranstaltet der Langenscheidt-Verlag die Wahl zum Jugendwort des Jahres. Rund 1600 Wörter werden nach Angaben des Verlags jedes Jahr von Jugendlichen, Lehrern, Sozialarbeitern und Erwachsenen eingereicht. Der Verlag erstellt dann eine Liste von 30 Worten, die zur öffentlichen Abstimmung freigegeben werden. Daraus wiederum ergibt sich eine Top-10-Liste. Die Jurymitglieder, in diesem Jahr sind es 21, küren dann aus diesen zehn Worten das Jugendwort des Jahres in zwei Wahlgängen. Im vergangenen Jahr gewann der Ausdruck "fly sein". (vni)