Die Stadt Stockach will viel Geld in Einrichtungen für Regen- und Mischwasserbehandlung stecken. Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung zwei Baumaßnahmen beschlossen, die zusammen mehr als 1,6 Millionen Euro kosten sollen. Dabei geht es um die Erweiterung des zentralen Regenüberlaufbeckens für Mischwasser in der Kniebreche und um ein Stück neuen Kanals in Wahlwies, das die Kapazität des Seedagrabens erhöhen soll.

Dass an der Stelle in Wahlwies etwas unternommen werden muss, sei im Zusammenhang mit dem Plan für das Gewerbegebiet Seeda klar geworden, erklärte Bauamtsleiter Willi Schirmeister in der Sitzung. Dieses sollte am Ortsausgang in Richtung Stockach entstehen, liegt derzeit aber auf Eis, wie in der Haushaltsberatung deutlich wurde. Der Seedagraben führt laut der Planzeichnung in der Sitzungsvorlage vom Bolzplatz bei der Roßberghalle durch das Dorf in Richtung Aachgrund. Das Landratsamt habe einen Nachweis darüber verlangt, wie viel Regenwasser der Seedagraben ableiten könne, so Schirmeister. Das Ergebnis sei gewesen, dass die Kapazität schon jetzt nicht mehr ausreiche. Daher will die Stadt einen Abzweig vom Seedagraben bauen, der Wasser in Richtung Ortsmitte und Leonhardstraße ableitet. Dieser soll von der Friedhofstraße zu einem bestehenden Kanal in der Webergasse führen.

Auch das Regenüberlaufbecken Kniebreche soll wachsen.
Auch das Regenüberlaufbecken Kniebreche soll wachsen. | Bild: Freißmann, Stephan

Die Bauarbeiten sollen ein bis eineinhalb Monate dauern, erklärte Schirmeister auf Nachfrage von Tobias Feindler (Grüne), und möglichst schon im März beginnen. Der Amtsleiter erklärte aber auch, dass entlang der Route schon viele Leitungen lägen, was die Arbeiten schwierig machen würde. Der Gemeinderat vergab den Auftrag per einstimmigem Beschluss für knapp 250 000 Euro an die Firma Strabag aus Villingen-Schwenningen.

Die Vergrößerung am Regenüberlaufbecken in der Kniebreche hängt laut der Sitzungsvorlage mit der Erweiterung des Gewerbegebiets Himmelreich im Ortsteil Hindelwangen zusammen. Denn dadurch fällt mehr Wasser an, das durch die Kanalisation abgeleitet wird. Dabei handelt es sich um Mischwasser, also Abwässer aus den Gebäuden, aber auch Regenwasser, das von Dächern und Hofflächen abfließt. Damit nun die Kläranlage nicht überlastet wird, wenn es stark regnet, muss mehr Volumen zurückgehalten werden (siehe Kasten). Dazu hätte man laut der Sitzungsvorlage nördlich von Hindelwangen, in Richtung Zizenhausen, einen Staukanal bauen können, der 200 Kubikmeter Mischwasser fasst.

Bei Berechnungen des Ingenieurbüros Güthler aus Waldshut sei indes herausgekommen, dass die Erweiterung des Regenüberlaufbeckens (RÜB) in der Kniebreche sinnvoller sei – ein erstaunliches Ergebnis, heißt es in der Vorlage. Das RÜB in der Kniebreche, am anderen Ende der Stadt zwischen Waldstraße und Papiermühle gelegen, sei das zentrale RÜB für Mischwasser aus dem Gewerbebereich, erklärte Schirmeister in der Sitzung. An dieser Stelle zu erweitern, bringe im Vergleich zum Neubau eines Staukanals die vierfache Entlastung der Stockacher Aach, heißt es in der Vorlage. Und: „Wir können damit einen wertvollen Beitrag für den Umweltschutz zur Reinhaltung der Aach leisten.“

Der Vorschlag der Verwaltung lautete daher, das RÜB um ein weiteres Becken mit 1000 Kubikmetern Volumen zu erweitern. Es wächst damit um ein Drittel, allerdings erst in den nächsten Jahren, wie in der Sitzung ebenfalls deutlich wurde. Die Kosten schätzt das Bauamt auf 1,4 Millionen Euro. Der Gemeinderat hat mit demselben einstimmigen Beschluss die Planungsleistungen für etwa 115 000 Euro an das Ingenieurbüro Güthler vergeben.