Das nationalliberal gesinnte Stockacher Tagblatt wurde vom Stockacher Verleger Karl Willi gedruckt. Es war die Nachfolgezeitung des seit 1861 bestehenden Nellenburger Boten. Der von Julius Beschle verlegte Stockacher Anzeiger stand der katholischen Zentrumspartei nahe. Die Zeitungslandschaft spiegelt die politische Situation in der Stadt wieder: Traditionell waren die Liberalen in Stockach die stärkste Partei und stellten mit Carl Walcker von 1895-1922 den Bürgermeister. Erbitterte Debatten führten sie mit dem katholischen Zentrum, das aus den Wahlen 1919 erstmals knapp als Sieger hervorging.

Beide Zeitungen sind eine herausragende Quelle für die Revolution von 1918, denn Revolutionäre führen keine Akten. So verkündete der Stockacher Anzeiger am 13. November die Gründung des Arbeiter- und Soldatenrats Stockach. Einen oder zwei Tage zuvor waren knapp 300 Menschen von der Firma Fahr mit einer roten Fahne in die Oberstadt gezogen. Dort wurde die Republik als neue Staatsform erklärt und schließlich der Arbeiter- und Soldatenrat gegründet. Zwischendurch spielte die Stadtkapelle.

Schmökern in der Zeitung von damals

Anders als in vielen anderen Städten war der Stockacher Arbeiter- und Soldatenrat gemäßigt. Er trat für die Aufrechterhaltung der Ordnung ein und teilte entsprechende Maßnahmen über die Zeitungen mit. Er überwachte die Heimkehr der Soldaten, wirkte an der Kontrolle der Lebensmittelverteilung mit und organisierte politische Veranstaltungen. Die Sympathien für die Revolution gingen deshalb in Stockach weit über die Arbeiterschaft hinaus. Der Arbeiter- Soldaten- und Bauernrat hatte zahlreiche bürgerliche Mitglieder, und beide Zeitungen berichteten durchaus positiv über die Aktivitäten des Rats. In der Ausstellung im Stadtmuseum wird die Druckplatte des Stockacher Tagblatts gezeigt und man kann in der Zeitung von vor 100 Jahren schmökern.

Die Serie: Im Sommer stellen SÜDKURIER und Stadtmuseum ein bis zwei Mal wöchentlich Dinge aus der aktuellen Ausstellung vor: „Erster Weltkrieg, Revolution und Neubeginn. Stockach im Umbruch 1917-1923“

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