Mit einem Spaziergang zum Thema "Stockach als Verkehrsknotenpunkt" griff Johannes Waldschütz das Motto des diesjährigen Tages des Offenen Denkmals auf. Bereits 1505 wird Stockach erstmals als Poststation genannt. In der verkehrsgünstig gelegenen Stadt kreuzten sich die Postkutschenrouten Zürich-Stuttgart, Basel-Ulm und Paris-Wien.

Einen für Fuhrwerke tauglichen Weg neben der Stadt gab es nicht: Alle Kutschen mussten den früher noch weitaus steileren Hang der Kirchhalde bewältigen. Am unteren Tor kassierten Wächter ein Pflastergeld, um die häufigen Beschädigungen der Straße immer wieder auszubessern. Ab 1833 diente das Gebäude Hauptstraße 4 als Poststation. Wo heute ein Friseur ist, befand sich einst das große Tor, in das die Postkutschen einbogen. Die bis zu 60 in Stockach vorgehaltenen Pferde wurden in Ställen in der Pfarrstraße (heute: Musikschule) untergebracht. Die vielen Reisenden übernachteten und aßen in einem der unzähligen Wirtshäuser der Stadt.

Für die Reisenden war die Fahrt in den Postkutschen durchaus beschwerlich. Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff berichtet von ihrer nächtlichen Reise über den Schwarzwald: Zu acht war man in der Kutsche eingepfercht, und wer einschlief, stieß mit dem Kopf an sein Gegenüber. So war die Dichterin grundsätzlich froh, als sie am nächsten Tag gegen 10 Uhr Stockach erreichte, doch in diesem „elenden Nest“ wollte sie nicht lange bleiben. Mit einem Lohnkutscher verließ sie die Stadt durch das Obere Tor (zwischen Metzgerei Knoll und Papier Fritz) durchs Tal Richtung Meersburg.

Als im 19. Jahrhundert die Eisenbahn aufkam, bemühte sich die Stadt zusammen mit Radolfzell, Meßkirch und anderen Städten um den Bau einer Eisenbahnroute von Basel bis Ulm. Doch die Hoffnungen auf eine europäische Magistrale erfüllten sich nicht. An die Popularität der Postkutschenroute konnte die nach 1867 stückweise eröffnete Strecke nicht anschließen und verlor bald an Bedeutung. Zwar reiste man nun bequemer, aber auch an Stockach vorbei. Das ist auf Straße und Schiene bis heute weitgehend so geblieben.