100 Kilometer in 24 Stunden. Zu Fuß. Ausgestattet mit Wanderschuhen, Rucksack, Strohhut und Stöcken. Erlebnispädagoge Andreas Degen steht vor der bisher größten sportlichen Herausforderung seines Lebens. Am Wochenende wandert er beim Megamarsch in Stuttgart mit. Der Startschuss fällt am Samstag, 14. September, um 16 Uhr. „Morgens fahre ich mit dem Zug hin. Gegen 12 Uhr komme ich an“, sagt er. Der 29-Jährige arbeitet im Wahlwieser Pestalozzi-Kinderdorf und wohnt in Konstanz. Rund 1500 Teilnehmer werden vom Veranstalter erwartet.

Lust auf Abenteuer

„Ich suche immer wieder den Nervenkitzel. Mich reizen neue Herausforderungen. Mein Ziel ist es, die eigenen Grenzen kennenzulernen und neu zu definieren“, erzählt Andreas Degen. Berufsbedingt ist er viel in der Natur unterwegs. In seiner Freizeit klettert und wandert Degen gerne. Zuletzt begann er mit Freitauchen. „Ich bin aber nicht supersportlich“, lacht er.

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Für den Erlebnispädagogen war früh klar, dass er sich der Aufgabe Megamarsch stellen möchte. „Diese Veranstaltung ist komplettes Neuland für mich. Ich bin zufällig darauf aufmerksam geworden.“ Also meldete sich der Konstanzer an. Irgendwann kam ihm die Idee, das Kinderdorf mit ins Boot zu holen. Mit jedem gelaufenen Kilometer möchte er nun Spenden für die Neugestaltung des Jugendcafés sammeln. Das Ziel sind 500 Euro. „Es wäre schön, wenn das Ganze ein paar Euros bringt.“ Außerdem möchte Andreas Degen den Kindern und Jugendlichen zeigen, was alles möglich sein kann – auch, wenn man kein Extremsportler ist. Die Botschaft an sie soll lauten: Wenn man sich etwas vornimmt, kann man das auch schaffen.

Lädiertes Knie hält ihn nicht auf

Während einer Ferienfreizeit Anfang August verletzte sich Degen am Knie. Er wurde direkt operiert. Nach einem Testlauf zwei Wochen später in den Bergen entschied er, dass er trotzdem beim Megamarsch antreten wird. „Ich fühle mich fit und habe von der Physiotherapie grünes Licht bekommen. Natürlich muss ich aber auf mich achten“, sagt der 29-Jährige, der ergänzt: „Ich bin kein Mensch, der so schnell aufgibt und das Handtuch wirft.“

An je einem Knie und Fuß ist Andreas Degen getapt. Vor Kurzem wurde er am Knie operiert, doch „ich fühle mich fit“, sagt der 29-Jährige vor Beginn des Megamarsches. Degen arbeitet als Erlebnispädagoge im Pestalozzi-Kinderdorf.
An je einem Knie und Fuß ist Andreas Degen getapt. Vor Kurzem wurde er am Knie operiert, doch „ich fühle mich fit“, sagt der 29-Jährige vor Beginn des Megamarsches. Degen arbeitet als Erlebnispädagoge im Pestalozzi-Kinderdorf. | Bild: Singler, Julian

Wegen seiner Knieverletzung trainierte Andreas Degen im Vorfeld nicht primär körperlich. „Ich habe mich eher mental vorbereitet und mich gefragt, wie ich während des Laufens einen Wohlfühlfaktor erreichen kann.“ Beispielsweise hilft es ihm, Musik oder ein Hörbuch zu hören. „Natürlich musste ich aber auch Bewegungsabläufe durchgehen“, so der Erlebnispädagoge.

Wille als Schlüssel zum Erfolg

Um die 100 Kilometer im vorgegebenen Zeitraum zu wandern, kommt es nach Meinung von Andreas Degen vor allem auf Willenskraft an. „Vieles geht über den Kopf“, ist er sicher. „Für die Mehrheit ist der Megamarsch körperlich bestimmt machbar, aber viele trauen es sich nicht zu.“ Unmittelbar vor dem Start will Degen versuchen, entspannt und gelassen zu bleiben. Unterwegs ist es ihm zufolge wichtig, immer mal wieder kurze Pausen einzulegen. Dann müsse sich gedehnt und die Muskulatur gelockert werden. Auch die Schuhe möchte sich Degen zwischendurch ausziehen sowie ab und an sein Knie massieren. „Es gibt verschiedene Versorgungspunkte mit Essen und Trinken. Ich kann mich aber nicht einfach zwei Stunden lang hinsetzen, denn dann geht Zeit verloren und der Körper fährt zu sehr runter“, erklärt er.

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Die größte Herausforderung sieht Degen im eigenen Körper. „Irgendwann wird er schreien. Dann muss ich vielleicht auch abwägen, ob mein Knie weiter mitmacht oder nicht.“ Eine konkrete Taktik hat sich der Pädagoge nicht zurechtgelegt. „Es gibt ohnehin kein Erfolgsrezept. Jeder Mensch tickt anders“, sagt er.

Vorfreude auf tolle Momente

Die Strecke des Stuttgarter Megamarsches führt unter anderem durch Degerloch, Korntal und Fellbach. Auch am Neckar entlang wird gewandert. Andreas Degen freut sich in erster Linie auf die Kulisse. Wenn das Wetter passt und er gerade am richtigen Ort ist, kann es zwei besonders schöne Momente geben, so der Konstanzer: den Sonnenuntergang und den Sonnenaufgang.

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