"Zeitreisen – Zurück in die Zukunft": So lautet das Thema der Bunten Abende des Stockacher Narrengerichts. Dieses Motto zog sich auch durch den Eröffnungsabend. Thomas Warndorf wurde als Kläger verabschiedet, die drei neuen Gerichtsnarren stellten sich vor und der Nachwuchs der Marketenderinnen, Zimmerer, Laufnarren und Alt-Stockacherinnen umrahmte die Ehrungen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zeigten sich gemeinsam im vollbesetzten Bürgerhaus.

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Narrenrichter Jürgen Koterzyna dankte Warndorf für 18 Jahre feinsinnige Beiträge. Dazu zählten neben 16 Jahren Archivarbeit, 18 Jahre Hans-Kuony-Post und eindringliche Weihnachtsbotschaften. Archivar bleibt Warndorf, sein Amt als Kläger gibt er an Wolfgang Reuther ab. "Du warst für Deine 15 Beklagten wie die sieben biblischen Plagen der Apokalypse und mit Deinem Nachfolger hast Du ihnen noch eine achte Plage hinterlassen", urteilte Koterzyna. Er lobte aber auch: "Du warst kein lauter Narr, aber wenn Du etwas zu sagen hattest, haben Dir alle zugehört." Weil das Kollegium ihm knapp 2496 Liter Strafwein zu verdanken habe, was umgerechnet sieben Fässern Wein entspreche, sangen die Gerichtsnarren ihm mit "Sieben Eimer Wein" lautstark ein Ständchen.

Die jungen Alt-Stockacherinnen begeisterten mit einem Tanz im Stil der 1920er-Jahre. Bild: Claudia Ladwig
Die jungen Alt-Stockacherinnen begeisterten mit einem Tanz im Stil der 1920er-Jahre. | Bild: Claudia Ladwig

Thomas Warndorf verriet, ihm fehle jegliche frühkindliche Prägung zum Narrengericht. "Alte Männer in grünen Bademänteln, die mitten im Winter mit einer Wurst an der Angel durch die Stadt zogen" – so sah es für ihn damals aus. 1994 wurde er ins Narrenbuch eingetragen, blieb aber ungeschlagen. "Ohne Narreneid und Zweizipfel wurde ich des Saales verwiesen." Erst fünf Jahre später erfolgte der Laufnarrenschlag. Ihn habe erstaunt, dass die beklagten Politiker noch mehr Angst vor dem Auftritt hatten als er. Dann sei ihm klar geworden: "Das war das erste Mal, dass sie auf reale Wähler und nicht auf Prozentzahlen trafen." Der Archivar hob hervor, das Narrengericht sei in den 1970er-Jahren kurz davor gewesen, Orden an Damen zu verleihen. Mehr dazu gebe es in der Hans-Kuony-Post 2020 zu lesen.

Die jungen Marketenderinnen traten im vollbesetzten Bürgerhaus als Nonnen auf. Bild: Claudia Ladwig
Die jungen Marketenderinnen traten im vollbesetzten Bürgerhaus als Nonnen auf. | Bild: Claudia Ladwig

Zum letzten Mal führte Jochen Sigg durchs Programm. Er wurde von Sprachassistentin "Siri" unterstützt, die für einige Lacher sorgte. Kurzweilig stellten sich auch die drei "Neuen" vor. Markus Buhl bekräftigte, er wolle die neue Datenschutzgrundverordnung verwirklichen. Daher bekomme jedes Mitglied eine Blockflöte, mit der in Liedern und Sprüchen jeder Name "weggeflötet" werden müsse. Er wolle außerdem ein Handyverbot, damit ohne Angst vor kompromittierenden Fotos gefeiert werden könne.

Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit?

Seine dritte Idee trieb es auf die Spitze: Der Name des Beklagten solle nicht mehr veröffentlicht werden und die Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Marcel Reiser bekannte, kurz und lustig, dass er keine Kernkompetenzen als Lehrerhabe. Er wolle aber seine beiden Seiten als Studienrat und Gerichtsnarr verbinden – interaktive Fasnacht sozusagen. Und Frank Walter erzählte von seiner Frau und den drei Töchtern, nach deren Geburt man auf seinen Wunsch einen Hund anschaffte – wie sich später herausstellte ebenfalls eine Dame.

Manfred Ossola widmete seinen halben Orden den Frauen. Bild: Claudia Ladwig
Manfred Ossola widmete seinen halben Orden den Frauen. | Bild: Claudia Ladwig

Auch Manfred Ossola ging auf die Damenwelt ein und widmete seinen halben Orden den Närrinnen "als Dank für ihre Arbeit zum Wohle der Fasnacht." Allerdings, ergänzte er, habe jedes Ding zwei Seiten. Auf der einen Hälfte stehe: "Liebe Frau, du hast jetzt deinen Orden, nun kannst du Bier, Wein, Schnaps und Schinken besorgen." Zehn Männer versprachen, als Vollblutnarren zu verharren, solange ihnen genau diese Getränke und Speisen schmeckten. Nach dem Schwur wurden sie zu Laufnarren geschlagen.