Wenn jemand 13 Mal umgezogen ist, ist Interesse an Migration vielleicht schon im Lebenslauf angelegt – bei Laura Schümann liegt zumindest der Verdacht nahe. Jetzt ist sie Integrationsbeauftragte der Stadt Stockach. Ihr Interesse an Migration ist vom Gegenstand des Studiums zum Inhalt des Berufs geworden.

Schon am 1. August hat Schümann die Stelle angetreten, als Nachfolgerin von Janell Lia-Breitmayer, die im Frühjahr zur Jugendstiftung des Landes Baden-Württemberg gewechselt ist. Doch anders als ihre Vorgängerin, die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt war, ist Schümann Integrationsbeauftragte. Der Unterschied: Es geht um alle Migranten in Stockach, nicht nur um Geflüchtete, wie Schümann bei der Vorstellung ihrer Arbeit im Gemeinderat erklärte.

Persönliche Kontakte sind wichtig

Das mache die Aufgabe nicht leichter, denn es gehe um eine sehr gemischte Gruppe. Und viele der Menschen, die sie mit ihrer Arbeit ansprechen will, seien nur schwer zu erreichen. Ein Grund dafür sei, dass Kontaktdaten nicht erfasst seien, etwa bei Bürgern der EU. „Das geht eigentlich nur über persönliche Kontakte“, sagte Schümann in der Sitzung.

Ein anderer Grund sei der Datenschutz, der den Austausch zwischen verschiedenen Ämtern verhindere, worauf vor allem Wolf-Dieter Karle (Freie Wähler) hinwies, ehemals ehrenamtlicher Integrationsbeauftragter der Stadt.

Wichtige Punkte ihrer Arbeit

In ihrer Arbeit wolle sie an drei Punkten ansetzen. Erstens bei den Migranten selbst, beispielsweise durch Seminare und Vorträge – etwa durch Migranten, die ihre eigenen Erfahrungen mit anderen in ähnlicher Situation teilen. Zweitens möchte sie dafür sorgen, dass sich alle, die in und um Stockach an Integration arbeiten, dauerhaft vernetzen. Deswegen soll in der dritten Januar-Woche ein Integrationsstammtisch beginnen.

Es sei ihr auch wichtig, die Ehrenamtlichen zu unterstützen, sagt Schümann. Vor allem die Flüchtlingsarbeit hat in Stockach einen breiten Rückhalt bei den Bürgern, was laut Bürgermeister Stolz auch die Unterstützung der Bürgerstiftung zeige. Drittens wolle sie Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Denn wenn die empfangende Gesellschaft ihre Türen nicht öffne, würde alle Motivation der Migranten nichts bringen. Ihre eigene Rolle skizziert Schümann so: „Ich zeige, welche Wege es hier gibt.“ Sie sei eher Ansprechpartnerin bei Fragen, als selbst operativ Integrationsarbeit zu leisten.

Probleme auf dem Wohnungsmarkt

Eine Nachfrage zum Thema Wohnen kam von Thomas Warndorf (SPD), was er auch mit dem sozialen Wohnungsbau verband. Da derzeit Wohnungsmangel herrsche, könnten sich Vermieter ihre Mieter heraussuchen, antwortete Schümann: „Menschen mit Akzent sind benachteiligt.“

Von ähnlichen Erfahrungen berichtete Ratsmitglied Rainer Stockburger (Freie Wähler), von Beruf evangelischer Pfarrer. Rainer Stolz verwies dabei auf die Initiative von Stadt und Kirchen, die alle Menschen beraten, die ihre Wohnung für die Aufnahme eines Migranten umbauen wollen.

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Auch der Fall von Lukmann Lawall, der kürzlich aus einem Arbeitsverhältnis im Konstanzer Konzil heraus in sein Herkunftsland Nigeria abgeschoben wurde, kam im Gemeinderat zur Sprache. Wie viele solcher Fälle es hier gebe, wollte Wolfgang Reuther (CDU) wissen. Die Gefahr bestehe überall dort, wo der Aufenthaltsstatus eines Mitarbeiters mit Migrationshintergrund nicht geklärt sei, sagte Schümann. Einen Überblick über die Zahl der Fälle könne sie allerdings mangels Daten nicht geben.

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Bürgermeister Stolz appelliert an Arbeitgeber, sich bei der Stadt zu melden, wenn sie ähnlich gelagerte Fälle in ihrer Belegschaft haben: „Dann können wir Hilfestellung geben.“ Im Pressegespräch nannte Schümann diese Situation eine Katastrophe. Und sie stellte die Frage, wie man angesichts solcher Fälle Firmen motivieren solle, Geflüchtete einzustellen.

Viel Lob von der Verwaltung

Von Stolz und dem Gemeinderat kam schon einmal viel Lob. Stellvertretend der Verwaltungschef: „Wir sind froh, sie zu haben.“ Der Gemeinderat beschloss einstimmig, den Posten der Integrationsbeauftragten von einer halben auf eine dreiviertel Stelle aufzustocken.