Wenn es auf der Fahrt zu einem Einsatz einen Verkehrsunfall gibt, ist das für alle Seiten schlecht. Einerseits für diejenigen, die unmittelbar am Unfall beteiligt sind, denn sie haben mit einem Schaden und im schlimmeren Fall auch mit Verletzungen zu kämpfen. Andererseits dient eine Einsatzfahrt dazu, in Not geratenen Menschen zu helfen. Verzögerungen durch einen Unfall kann in einer solchen Situation niemand gebrauchen. Die Leitstelle alarmiere zwar andere Kräfte, sobald ein Fahrzeug auf dem Weg zum Einsatz wegen eines Unfalls ausfalle, wie Daniel Traber, stellvertretender Kommandant der Stockacher Feuerwehr, erklärt. Doch Zeit geht trotzdem verloren.

Die Feuerwehr tue einiges dafür, dass ihre Fahrer – in der Regel keine Berufskraftfahrer – auf dem Weg zum Einsatz sicher unterwegs sind, berichtet Traber im Gespräch nach einem Unfall in der vergangenen Woche (siehe Text rechts). Solche Vorfälle gebe es bei der Stockacher Feuerwehr nur sehr selten, sagt er, deswegen könne er nicht aus Erfahrung sprechen. Zu den Maßnahmen für die Sicherheit gehöre beispielsweise ein Fahrsicherheitstraining auf der Anlage in Steißlingen, wo, lange geplant, am kommenden Samstag acht Stockacher Feuerwehrleute etwa Ausweichen oder schlechte Straßenverhältnisse üben werden. Alle Abteilungen sollen dabei berücksichtigt werden.

Um ein Feuerwehrauto fahren zu dürfen, braucht man natürlich den Lastwagen-Führerschein, aber auch die Ausbildung zum Maschinisten. "Der Maschinist muss das Fahrzeug in- und auswendig kennen", so Traber, und beispielsweise mit Schwerpunkten und Beladung vertraut sein. Ehe ein Feuerwehrmann einen solchen Laster, der 14 Tonnen schwer sein kann, fahren dürfe, würde auch in der Ausbildung viel passieren. Schon dabei werde den Maschinisten eingeimpft, das Fahrzeug mit der gebotenen Vorsicht durch den Straßenverkehr zu bewegen.

Es könnte ja jemand einen Fehler machen, sich erschrecken oder das Martinshorn überhören. Traber: "Auch wenn auf der Straße vor dem Fahrzeug alles gut aussieht, kann es immer sein, dass jemand ausschert." Um auch in schmalen Straßen im Ernstfall gut zurechtzukommen, würden auch solche Fahrten geübt. Und schließlich diene das Martinshorn der Unfallverhütung – damit alle anderen Verkehrsteilnehmer hören, wenn eine Einsatzfahrt stattfindet.

Freie Bahn schaffen ist dann die gesetzliche Vorgabe für alle anderen Verkehrsteilnehmer. Doch Traber warnt vor panikartigem abrupten Bremsen: "Die Verhältnismäßigkeit muss gewahrt bleiben." Autofahrer könnten beispielsweise in einer Parkbucht oder Bushaltestelle halten oder einfach in eine Seitenstraße abbiegen, um das Einsatzfahrzeug durchzulassen. Und am Kreisverkehr gilt: Eher abwarten, bis das Einsatzfahrzeug weg ist.

Vorfälle und Rechtslage

  • Vorfälle: Bei der Fahrt zu einem Einsatz in der vergangenen Woche kam es zu einem Streifunfall zwischen einem Feuerwehrfahrzeug und einem Auto im Kreisverkehr am oberen Ende des Hägerwegs. Der Fahrer des Feuerwehrautos, das mit Martinshorn und Blaulicht unterwegs gewesen sei, habe das zunächst nicht bemerkt, weil an seinem Fahrzeug nur das hintere Ende leicht betroffen gewesen sei, berichteten mehrere Feuerwehrleute. Er sei weitergefahren, für den eigentlichen Einsatz hatte der Vorfall also keine Folgen. Personen kamen nicht zu Schaden. Im November ist ein Krankenwagen auf Einsatzfahrt verunglückt. Wie die Polizei damals mitteilte, hat eine Autofahrerin beim Abbiegen in eine Tankstelle anscheinend den von hinten kommenden Krankenwagen übersehen. Es kam zu einem Unfall mit drei Verletzten und hohem Schaden.
  • Rechtslage: Paragraf 35 der Straßenverkehrsordnung regelt, dass die Feuerwehr von den Vorschriften ausgenommen ist, "soweit das zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist". Weiter heißt es: "Die Sonderrechte dürfen nur unter gebührender Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgeübt werden." Paragraf 38 regelt Blaulicht und Martinshorn. Diese bedeuten: "Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen." (eph)