Könnte das Seehäsle in Zukunft bis Hindelwangen fahren? Und wie intensiv sollte die Stadt ihre Unterstützung für eine mögliche Verlängerung signalisieren? Auf diese Fragen lief eine Debatte in der jüngsten Gemeinderatssitzung hinaus. Auslöser für die Diskussion war der Plan, die Bodenseegürtelbahn zwischen Friedrichshafen und Radolfzell zu elektrifizieren (siehe Kasten). Im Zuge dessen will der Landkreis nun offenbar auch die Seehäsle-Strecke bis Hindelwangen überplanen. Laut der Sitzungsvorlage für den Gemeinderat habe Landrat Frank Hämmerle sich kürzlich im Kreistag so geäußert. Stand der Dinge ist: Bis Stahringen fährt das Seehäsle über ein Gleis der Deutschen Bahn, das nach der Elektrifizierung unter Strom stünde. Nur wenige Kilometer Oberleitung würden bis Stockach fehlen, über einem Gleis, das dem Kreis Konstanz gehört. Die Stromleitung zu verlängern, würde sich anbieten. Und weil elektrische Züge rascher beschleunigen, könnte man die Verbindung bis Hindelwangen führen, ohne den Halbstundentakt zu gefährden.

Doch bevor das umgesetzt wird, wünschte sich Bürgermeister Rainer Stolz einen Nachweis, dass das städtische Straßennetz ausreichend leistungsfähig ist. Dies müsse man vor der Realisierung einer Verlängerung überprüfen. Für ihn sei das eine Frage der Klarheit, so Stolz: "Das darf uns nicht den Verkehr kaputtmachen." Im Hintergrund steht offenbar die Sorge, dass es zu mehr Staus auf Stockacher Straßen kommt, wenn weitere Bahnübergänge wie an der Schiesser-Kreuzung mehrmals pro Stunde geschlossen werden. Die Planung der Elektrifizierung bis Hindelwangen unterstütze er gleichwohl, sagte Stolz.

Nicht alle Räte wollten Stolz' Linie folgen, was die Verlängerung bis Hindelwangen angeht. So argumentierte Jürgen Kragler (CDU): "Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass wir den Ausbau eigentlich gar nicht wollen." Ähnlich sah es Karl-Hermann Rist (Grüne): "Das signalisiert: Wir wollen es nicht so richtig." In seinen Augen handelte es sich "ein Stück weit um eine Grundsatzentscheidung": Wolle man den öffentlichen Nahverkehr ausbauen oder nicht? Claudia Weber-Bastong (SPD) wies darauf hin, dass Verkehrsplanung weit in die Zukunft reiche und man eine mögliche Wiederbelebung der Ablachtalbahn nicht aus dem Auge verlieren sollte. Dass diese für den Personenverkehr geöffnet werde, hielt Stolz jedoch für unwahrscheinlich.

Doch es meldeten sich auch Unterstützer von Stolz' Linie zu Wort: Wolfgang Reuther (CDU) argumentierte, auch mit dem Vorbehalt würde sich die Stadt nichts vergeben. Zudem müsste man die Ablachtalbahn GmbH für die Verlängerung gewinnen, der das Gleis nördlich von Stockach gehört. Dass diese ein sperriger Partner ist, ließ Wolf-Dieter Karle (Freie Wähler) durchblicken, der nicht nur im Gemeinderat sitzt, sondern auch Ortsvorsteher von Hindelwangen ist. Zudem könne man kaum einen Parkplatz an einem Haltepunkt bauen. Am Ende stimmten 14 Räte dafür, vor der Verlängerung die Kapazität der Straßen zu prüfen, sechs dagegen, bei einer Enthaltung. Die Beteiligung am Interessenverband und die Unterstützung für den Ausbau der Strecke fanden einhellige Zustimmung.