Es gibt weiter Aufregung um das Gewerbegebiet Seeda, das im Stockacher Ortsteil Wahlwies geplant ist. Auf diesem Gelände, am Ortseingang aus Richtung Stockach gelegen, möchte die Stadt Flächen für Betriebe erschließen, ein entsprechender Bebauungsplan ist auf dem Weg. Allein, nicht alle Grundstücke im Gebiet Seeda sind im Besitz der Stadt.

Es gebe fünf Privatleute, die in diesem Bereich Grund besäßen, sagte Ortsvorsteher Udo Pelkner bei früherer Gelegenheit. „Er bedauere sehr, dass nach bisherigen Informationen die fünf Eigentümer der Grundstücke nicht bereit seien, diese an die Stadt zu veräußern“, so Pelkner in einem kürzlich erschienenen SÜDKURIER-Bericht. Der Knackpunkt: Ohne die Flächen dieser fünf Privateigentümer würden die Kosten für die Stadt am Ende zu hoch. So erläuterte Bürgermeister Rainer Stolz damals die Kalkulation – abgesehen von hohen Grundstückspreisen beim Verkauf.

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Einer der Privateigentümer ist Holger Kehrer. Im Jahr 2012 habe er ein Grundstück im Mischgebiet von Seeda erworben, sagt er. Seitdem sei niemand von der Stadtverwaltung auf ihn zugekommen, um über einen Verkauf zu sprechen, erklärte er in der jüngsten Sitzung des Wahlwieser Ortschaftsrats. Er sehe sich dem Vorwurf ausgesetzt, dass die fünf Privateigentümer das Gewerbegebiet verhindern würden, sagt Kehrer nun am Telefon. Dabei sei er sogar sehr für das Gewerbegebiet, denn sein Ziel sei, auf dem eigenen Grundstück eine entsprechende Immobilie zu errichten. Und Kehrer wirft die Frage auf, wie man davon ausgehen könne, dass die Eigentümer nicht verkaufen wollen, wenn sie gar nicht gefragt worden seien.

Im Ortschaftsrat habe Kehrers Wortmeldung für „Irritationen“ gesorgt, wie es Karl-Hermann Rist (Grüne) im Rückblick auf die Sitzung nennt. In der Sitzung sagte Rist, der auch Mitglied des Gemeinderats ist, in Gemeinde- und Ortschaftsrat sei der Eindruck vermittelt worden, dass das mit den Eigentümern kommuniziert worden sei. „Man konnte nicht auf die Idee kommen, dass man die Leute nicht gefragt hat“, so Rist im Nachgang. Vor der Planung müsse Kommunikation stattfinden, bekräftigte in der Ortschaftsratssitzung auch dessen Mitglied Andreas Stiefel (CDU): „Niemand ist abgeholt worden, die Leute wurden offenbar vor vollendete Tatsachen gestellt.“

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Markus Pressel vom Liegenschaftsamt der Stadt Stockach erklärt in Beantwortung einer Presseanfrage, die an Bürgermeister Stolz gerichtet war, dass die Stadt bereits vor Jahren Kaufangebote gemacht habe. Teilweise habe die Stadt daraufhin Grundstücke kaufen können, in manchen Fällen habe es aber auch keine Einigung gegeben. Seine Vermutung: Wenn es seit dieser letzten Angebotsrunde einen Eigentümerwechsel gegeben haben sollte, könnte das erklären, warum jemandem nun kein Angebot vorlag.

Wann man in solchen Angelegenheiten auf Grundstücksbesitzer zugehe, sei indes Sache der Stadtverwaltung, sagt Ortsvorsteher Pelkner. Die Eigentümer der Grundstücke hätten sich auch von sich aus bei der Stadt melden können, nachdem die aktuellen Planungen bekannt geworden seien, sagt er – ein Argument, das der Ortschaftsrat nicht habe nachvollziehen können, wie Rist berichtet. Doch Pelkner gibt auch zu: „Es ist versäumt worden, die Eigentümer ins Boot zu holen.“ Man hätte Kauf­angebote früher machen können. Dass die Privateigentümer nun als Verhinderer dastehen würden, sehe er allerdings nicht. Nach wie vor würde man das Gewerbegebiet gerne realisieren.

Aktuelle Kaufangebote an die Privateigentümer gebe es inzwischen, schreibt Markus Pressel in seiner Antwort weiter. Und Holger Kehrer bestätigt: Am Mittwoch sei ein entsprechender Brief der Stadt bei ihm eingegangen.