Das war spannend: Acht Sechstklässler des Nellenburg-Gymnasiums – fünf Mädchen und drei Jungen – traten gegeneinander im Vorlesewettbewerb an. Ihr Publikum waren die Fünftklässler und eine Lehrerjury mit Beatrix Reyes, Robert Wollny und Michael Moser. Der Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels wird jährlich vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Zusammenarbeit mit Buchhandlungen, Bibliotheken, Schulen organisiert. Er zählt zu den größten Schülerwettbewerben.

Schüler wählen gezielt ein Buch aus

Die Leseförderungsaktion soll Kinder ermutigen, sich mit erzählender Literatur zu beschäftigen. Die Teilnehmer des Schulfinales erzählten, warum sie ihre Beiträge ausgesucht hatten. Fiona Lutz hatte ihr Lieblingsbuch gewählt. Sie fand die vorgelesene Stelle am schönsten. Patrizia Urban wollte etwas Spannendes vorlesen. „Es sollte das Gefühl vermitteln, dass man weiterlesen muss.“ Hannah Gänzle hatte alle Harry-Potter-Bücher schon mehrmals gelesen und sich erst einen Tag zuvor für diese Stelle entschieden. Julian Irler gefiel, dass sich in seinem Buch Leute gegen Mobbing stark machen. Dominik Handloser fand seine Szene sehr lustig und Kim Dreher ihre „richtig cool“. Und Elias Löhr hatte sich sein Buch extra schnell gekauft, nachdem sein Entschluss fest stand.

Stimme, Gestik und Mimik werden von Jury bewertet

Ihren vorbereiteten Text meisterten alle acht Kandidaten souverän. Dann mussten sie aus einem unbekannten Buch vorlesen. Organisatorin Sabine Schächtle hatte dafür „Drachenerwachen“ von Valija Zinck ausgesucht. Darin entdecken die Geschwister Johann und Janka in der Wohnung ihrer Nachbarin einen lebendigen Drachen. Er gehört einem Energiekonzern, der ihn um jeden Preis zurückhaben will. Das Buch habe sie zum Lachen gebracht, begründete Sabine Schächtle ihre Wahl. Ihr sei wichtig, dass Protagonisten im Alter der Leser vorkommen. „Durch die Dialoge wird es beim Vorlesen sehr lebendig“, erklärte sie. Vorlesen mache empathisch und erzeuge Mitgefühl. „Am besten interpretiert man den Text mit Stimme, Gestik und Mimik. So kann man die Zuhörer abholen.“ Ihrer Meinung nach lesen die Kinder heute genauso viel wie früher.

Alle vorlesenden Schüler lesen gern

Die Vorleser, die je nach Klasse ausgelost, ausgewählt oder sich im Wettbewerb in ihrer Klasse durchgesetzt hatten, sind alle Lese-Fans. Filme zu den Büchern sähen sie immer erst nach dem Lesen, sagten sie.

Ein Vorleser muss auch ein Schauspieler sein

Im Wettbewerb achtete die Jury auf Lesegeschwindigkeit und Lautstärke, auf die Betonung und das Vermögen, sich in die Personen und Handlung des Buches hineinzuversetzen. „Als Zeichen der Wertschätzung der Zuhörer ist gelegentlicher Augenkontakt wichtig“, betonte Sabine Schächtle. Die Entscheidung fiel schon kurz nach dem Ende: Schulsiegerin wurde Patrizia Urban, Klassensieger wurden Kim Dreher, 6a, Fiona Lutz, 6b, Patrizia Urban, 6c, sowie Lina Greiner, 6d. Die Schulsiegerin nimmt nun am Regionalentscheid teil.

Buchempfehlungen der vorlesenden Sechstklässler

  • "Warrior Cats": Fantasy-Reihe von Erin Hunter – dahinter verbergen sich die Autorinnen Victoria Holmes, Kate Cary, Cherith Baldry, Tui Sutherland, Gillian Philip und Inbali Iserles.
  • "Wunder": Autorin Raquel J. Palacio lebt in New York. Das Buch erschien 2013, wurde in 45 Sprachen übersetzt und 2014 von der Jugendjury mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.
  • "Coolman und ich": Comic-Roman-Reihe. Autor Rüdiger Bertram, lebt mit seiner Familie in Köln.
  • "Silberflosse – Der Lichterschatz der Delfine": Reihe von Karen Christine Angermayer. Ihre Bücher werden international gelesen.
  • "Die unendliche Geschichte": Der Klassiker von Michael Ende erschien Ende 1979. Das Werk ist ein märchenhafter, phantastischer und romantischer Bildungsroman.
  • "Harry Potter und der Gefangene von Askaban" sowie "Harry Potter und der Feuerkelch": Reihe von Joanne K. Rowling. Die Bücher wurden in 79 Sprachen übersetzt, über 450 Millionen Mal verkauft.
  • "Survival – Verloren am Amazonas": actionreiche Abenteuerserie von Andreas Schlüter, Jahrgang 1958.