Kurz vor Schuljahresende war es wieder soweit: Acht Jungen und zwei Mädchen aus Lwiw waren mit ihren Lehrerinnen Nadia Holobovych und Maria Romanovska sowie dem Leiter der Schule 28, Ivan Lozenko, in Stockach. Sie mussten eine 25-stündige Reise hinter sich bringen, um zu ihren deutschen Gastfamilien zu gelangen. Durch die sozialen Medien hatten die 15 und 16 Jahre alten Austauschpartner bereits Kontakt zueinander aufgenommen, sodass sie sich beim Kennenlernen nicht mehr ganz fremd waren. Mit einer Projektpräsentation ging der Aufenthalt kürzlich zu Ende.

Dem Ukraine-Austausch des Nellenburg-Gymnasiums, so erklärte die Stockacher Lehrerin und langjährige Organisatorin, Claudia Weber-Bastong, müsse immer ein wissenschaftliches Projekt zugrunde liegen. Das Auswärtige Amt müsse den Austausch genehmigen. Es sei ein großer Organisationsaufwand, der für dieses Mal schon im Oktober 2017 begonnen habe. "Alle Exkursionen müssen zu dem gewählten Projekt passen", sagte sie. Für das Projekt "Wasser in Kunst, Kultur und Natur" hatte sie die tatkräftige Unterstützung ihrer Kollegin Martina Hartmann. Diese arbeitete mit den Ukrainern sehr intensiv in einer Lyrik-Werkstatt. Die Gäste schrieben, angeregt von Klassikern wie Heinrich Heine und Johann Wolfgang von Goethe, eigene Gedichte, die sie zum Abschluss ihres Besuchs ihren Austauschpartnern und interessierten Achtklässlern vortrugen.

In den Gruppenprojekten ging es beispielsweise um einen Vergleich von Rhein und Dnepr, um die Pfahlbauten in Unteruhldingen und um Kläranlagen. Wobei die vier jungen Männer, die sich mit der Abwasserreinigung beschäftigten, die Deutschen als vorbildlich empfanden. Ihren Aufenthalt in Stockach, zu dem Ausflüge ins Sealife Konstanz, zu den Pfahlbauten Unteruhldingen, ins Kunstmuseum Basel, zur Kläranlage Bodman-Ludwigshafen, zum Paddeln ins Donautal und schließlich in den Europapark gehörten, bezeichneten die ukrainischen Jugendlichen als sehr schön.

Stellvertretend für die Gruppe erzählten Daniel Smolskyi und Pasha Hrynyavskyy von ihren Eindrücken. Sie fanden ihre Gastfamilien sehr nett und das gemeinsame Grillen und Essen toll: "Es war nicht schwer, mit ihnen klar zu kommen. Unsere Austauschpartner und ihre Freunde haben viel mit uns gemacht. Wir waren Fußball spielen und hatten viel Spaß." Insgesamt hätten die Menschen hier mehr Möglichkeiten, doch einen Vorteil verbuchten sie: "Wir haben drei Monate lang Sommerferien, ihr nur sechs Wochen." Sie wollen mit ihren deutschen Partnern in Kontakt bleiben. Diese besuchen Lwiw im Oktober. Hierzu betonte Claudia Weber-Bastong, dass solche Fahrten ohne die Unterstützung des Lions Club nicht machbar wären.

Der ukrainische Schulleiter Ivan Lozenko nannte das diesjährige Thema hochaktuell: "Wasser ist alles und bedeutet Leben." Der Austausch sei immer eine große Herausforderung, weil sie etwas Besonderes schaffen wollten. "Jeder Punkt des Programms war sehr gut durchdacht und mit diversen Aktivitäten bestätigt", lobte er. Man habe das Wasser in der Kunst in Form der Gedichte und Gemälde in Basel betrachtet und auf der Donau gelernt, dass man bei jeder Arbeit gegenseitige Hilfe und Unterstützung brauche.

Die Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger, die sich und ihre Arbeit an diesem Morgen vorgestellt hatte, war beeindruckt: "Das ist Friedensarbeit par excellence, besser geht es gar nicht." Miteinander, nicht übereinander zu reden mache diesen Austausch so wertvoll. Sie bekräftigte: "Es ist fantastisch, dass es solche Lehrer gibt, die sich über das normale Maß hinaus einsetzen und solche Austausche möglich machen."