Kurz vor Ende des Schuljahres stand noch einmal etwas Besonderes für die Schüler des Nellenburg-Gymnasiums auf dem Programm. Von Anfang bis Mitte Juli fand der Schüleraustausch mit der ukrainischen Partnerschule statt. Elf Jugendliche aus Lwiw (deutsch: Lemberg) waren mit Deutschlehrerin Olena Deineko, Englischlehrerin Nadia Holubovych und Rektor Ivan Lozenko zu Gast in Stockach. Am frühen Mittwochmorgen ging es um 4.30 Uhr zurück in die Heimat.

Der Schüleraustausch am Nellenburg-Gymnasium findet bereits seit dem Jahr 2008 regelmäßig statt.

„Nur zweimal fiel er wegen der Konflikte im Osten aus“, erinnert sich die Lehrerin und Organisatorin Claudia Weber-Bastong. Vom 5. bis 12. Oktober reisen die Stockacher nach Lemberg. Dann gibt es ein Wiedersehen.

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Der Ukraine-Austausch beinhaltet Claudia Weber-Bastong zufolge immer ein wissenschaftliches Projekt. In diesem Jahr stand es unter dem Thema „Jüdische Spuren, vergessene Pfade“, worüber die Gastschüler aus der Ukraine, in drei Gruppen unterteilt, referierten – in beeindruckendem Deutsch.

Ukrainischer Präsident hat jüdische Wurzeln

Dabei ging es zum Beispiel um jüdische Feste, Gerichte, Kleidung und darüber, wie Juden ihren Glauben leben. Der Holocaust gehörte ebenfalls zum Inhalt der Präsentationen. „In der Ukraine leben Juden heute in Frieden. Sie haben dieselben Rechte wie alle anderen.“ So legte die ukrainische Schülerin Andriana Datsko die Situation im Vortrag ihrer Gruppe dar. Arabska Olya berichtet, dass der aktuelle Präsident der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, sogar jüdischer Herkunft ist. Ein anderer berühmter Jude sei Wissenschaftler Albert Einstein. Schauspielerin Mila Kunis dagegen ist in der heutigen Ukraine geboren, jüdischen Glaubens und möchte auch ihre Kinder so erziehen.

Auch der Spaß soll nicht zu kurz kommen

Zwar stellte das wissenschaftliche Projekt den Schwerpunkt des Schüleraustauschs dar und nahm viel Zeit in Anspruch, doch der Spaß sollte laut Claudia Weber-Bastong ebenfalls nicht zu kurz kommen. „Wir waren auch im Europa-Park“, berichtet sie. Außerdem standen Ausflüge wie beispielsweise nach Stuttgart in den Landtag oder in die Konstanzer Synagoge auf dem Programm.

Den drei Gruppenvorträgen der ukrainischen Schüler lauschten Werner Gaiser, Stellvertreter des Bürgermeisters, und Manfred Schnopp vom Lions-Club. Dieser unterstützt den Ukraine-Austausch seit vielen Jahren finanziell. „Ihr habt ein komplexes Thema super dargestellt. Ich war in diesem Jahr 14 Tage auf Reise in Israel und habe von euch noch einiges dazugelernt“, verrät Gaiser. Er ergänzt: „Begegnungen geben Menschen Wert. Ich freue mich, wenn ich euch wieder einmal bei uns begrüßen darf. Wenn es noch mehr solcher Begegnungen gibt, mache ich mir um den Frieden keine Sorgen.“ Für den ukrainischen Schulleiter Ivan Lozenko ist der Austausch ein „Raum der Zusammenführung“. Die jüngere Generation wolle keinen Krieg, sondern in einer Demokratie friedlich zusammenleben.