Ein kleiner Schnitt statt einer großen Operation: Das ist es, was Frank Mattes mit einem Operationsverfahren in Aussicht stellt, das er seit einigen Jahren am Stockacher Krankenhaus einsetzt. Damit gehöre er zu den Pionieren in Deutschland, erzählt er. Und inzwischen vermittle er die Operationsmethode auch bundesweit und im Ausland an andere Ärzte, die damit arbeiten wollen.

Konkret geht es dabei um Eingriffe am Fuß, beispielsweise beim weit verbreiteten Hallux valgus. Der herkömmliche Eingriff sei eine große Operation mit einer großen Narbe. Bei der minimal-invasiven Methode, von der Mattes überzeugt ist, würden kleine Instrumente in den Fuß eingeführt. Die Knochenüberstände, die die Beschwerden verursachen, kann der Arzt dann mit Fräsen entfernen. Zurück bleiben nur kleine Narben – für den Patienten ein deutlich schonenderes Verfahren, sagt Mattes. Inzwischen operiere er 90 Prozent der Fälle auf diese Art.

Dabei ist minimal-invasiv mit Endoskopen zu arbeiten bei vielen Operationen schon länger gang und gäbe – und die Vorteile sind jedes Mal dieselben. Bei Eingriffen am Fuß sei die Methode aber zunächst stark abgelehnt worden, erzählt Frank Mattes. 2012 habe er von dem Arzt Gebhard Suger von den Möglichkeiten der Technik gehört und sei sofort begeistert gewesen. Suger sei der erste in Deutschland gewesen, der minimal-invasiv am Fuß operiert habe. Gemeinsam mit Suger sei er in den einschlägigen Ärztevereinigungen aktiv geworden, um die Methode bekannt zu machen, erzählt Mattes. Und inzwischen halte die Operationstechnik auch in Deutschland Einzug.

Mattes unterrichtet auch andere Ärzte

Dazu gehört auch, dass Mattes selbst andere Ärzte im Umgang mit den Instrumenten unterrichtet und Schau-Operationen macht. Regelmäßig gebe er Operationskurse an der Universität Innsbruck, und im Februar sei eine Gruppe tunesischer Ärzte am Stockacher Krankenhaus zu Gast gewesen, um die Methode zu erlernen. Im Oktober werde er auf deren Einladung hin nach Tunesien fahren und dort voroperieren, erzählt Mattes. Er sagt klar: „Ich möchte, dass sich diese Technik verbreitet.“

Auch die Zahlen bei seinen eigenen Operationen sprechen dafür. In diesem Jahr dürfte er 250 Menschen so operieren, schätzt Mattes – und das obwohl er seinen Kassensitz vor zwei Jahren zurückgegeben habe, der Rahmenbedingungen für Kassenärzte wegen. Wer nun ambulant in seine Überlinger Praxis kommt, muss entsprechend versichert sein oder die Behandlung selbst zahlen.

Im Krankenhaus wird mit den gesetzlichen Kassen abgerechnet

Wer für eine entsprechende Operation ins Krankenhaus eingewiesen wird, bei dem sei das allerdings anders. Denn dort sei er, genau wie die anderen Gelenkchirurgen, in Teilzeit angestellt, erklärt Mattes. Deshalb könne das Krankenhaus mit den gesetzlichen Kassen abrechnen. Der Schwerpunkt seiner Arbeit habe sich ohnehin nach Stockach verlagert, sagt der Arzt, weshalb er auch den Umzug seiner Praxis plane – in das Ärztehaus, das neben dem Krankenhaus entstehen soll. Auch seine Tätigkeit für das Krankenhaus möchte er gerne ausweiten, zum Beispiel auf Chirurgie am diabetischen Fuß: „Es gibt sehr viele Diabetiker, die unterversorgt sind.“

Was die Zahlen angeht, so schätzt Mattes diese folgendermaßen ein: „Das sind Fallzahlen, mit denen man sich gut blicken lassen kann.“ Früher habe er sogar noch mehr Operationen gemacht. Das sagt er auch vor dem Hintergrund der Bertelsmann-Studie, die vor einigen Wochen für Wirbel in der deutschen Krankenhauslandschaft gesorgt hat. Grob gesagt, lautet ein Hauptergebnis, dass man 800 der 1400 Krankenhäuser in Deutschland schließen sollte.

Argumentiert wird unter anderem damit, dass bei kleinen Krankenhäusern nur relativ wenige Eingriffe einer bestimmten Art gemacht werden, was der Qualität abträglich sei. Für Frank Mattes ein unausgegorenes Argument: „In großen Krankenhäusern verteilen sich die Fallzahlen auf relativ viele Operateure.“ Sinnvoller wäre in seinen Augen, die Zahl der Eingriffe pro Arzt zu messen, statt den Wert pro Klinik.