Einen langen Weg haben die Realschule und Werkrealschule hinter sich. Um sich die Re-Zertifizierung und erstmalige Zertifizierung BoriS Berufswahl-Siegels Baden-Württemberg zu verdienen, war viel Arbeit notwendig. Seit Juni darf der Schulverbund Nellenburg nun diese Auszeichnung führen, zwei Tafeln im Foyer der Schule, die während einer Feierstunde enthüllt wurden, weisen auf den fast ein Jahr lang andauernden Prozess hin. In einem kurzweiligen Vortrag berichtete Christian Dummel, Lehrer an der Werkrealschule, über das Verfahren. Im August letzten Jahres hatten er und Johannes Keller, Lehrer an der Realschule, überlegt, wie sie den Schulverbund Nellenburg mit Leben erfüllen könnten.

Der Verbund aus Werkreal- und Realschule startete im Schuljahr 2015/2016. Katharina Kamenzin, die in der Realschule für die Berufsvorbereitung zuständig ist, klinkte sich ein. Das Dreierteam hatte das ehrgeizige Ziel, das BoriS-Siegel im ersten gemeinsamen Schuljahr zu bekommen. Nach dem Ausfüllen zweier umfangreicher Fragenkataloge fand am 18. März ein Auditorium statt. Die Juroren Alexander Urban (IHK Hochrhein-Bodensee), Susanne Urban (für die Wirtschaft) und Patricia Heller-Tassoni (für den Schulbereich) überprüften die gemachten Angaben. "Die Experten beurteilten vier Stunden lang praktisch die komplette Schule, gingen in mehrere Unterrichtsstunden und begutachteten das Gebäude und die technische Ausstattung", erklärte Christian Dummel.

Es würden nur Schulen ausgezeichnet, die ihre Schüler besonders auf die Berufswahl und die Arbeitswelt vorbereiten. Außerdem müssten die Schulen mit ihren Angeboten weit über die in Bildungsplänen und Verwaltungsvorschriften geforderten Standards hinausgehen. Landesweit hätten nur 500 der 40 000 Schulen dieses Siegel. Die Experten untersuchten verschiedene Themenbereiche. Der Schulverbund punktete durch seine Besonderheiten wie die Kooperation zwischen beiden Schularten und die Neuausrichtung der Berufsorientierung mit dem Ziel, die Kompetenzentwicklung bei Schülerinnen und Schülern zu stärken.

Die Lehrkräfte bieten ihren Schülern neben einem anerkannten Verfahren zur Ermittlung der individuellen überfachlichen und berufsbezogenen Kompetenzen sowie der Berufsinteressen (Profil AC7) und dem Karrieretag am Berufsschulzentrum die Teilnahme an "Boys Days" und "Girls Days" an. Auch das Bewerbungstraining mit einem Vertreter aus der Wirtschaft und Betriebsbesichtigungen sind fest im Jahresplan der siebten bis zehnten Klassen verankert. Diverse Praktika und eine Berufseinstiegsbegleitung bis in die Ausbildung hinein ergänzen das Programm. Die Juroren attestierten der Schule, sie sei sehr schnell in der Lage, auf neue Anforderungen zu reagieren und überzeuge durch eine herausragende Qualität der Berufsorientierung. Die Qualität der Maßnahmen sei in hohem Maße überdurchschnittlich.

Die Experten hätten sich für das Geflecht aus Schülern, Lehrern, Eltern und Bildungspartnern interessiert, berichtete Christian Dummel. Ein starker Bildungspartner sei die Firma ETO Magnetic in Stockach, deren zwei Vertreter Andreas Schulz und Michael von Briel sich sehr positiv zur Zusammenarbeit mit dem Schulverbund Nellenburg äußerten. Das Netzwerk knüpfe die Schule auch mit den Eltern, die sie am Runden Tisch, bei Elternsprechtagen und Elterninformationsabenden zur Berufsberatung und -orientierung einbeziehe.

"Künftig wird der Schulverbund als eine Schule behandelt und im Falle einer Re-Zertifizierung in fünf Jahren nur noch ein Siegel und ein Schild erhalten" schloss Dummel. "Wir bleiben dran", versprach Rektorin Beate Clot. Ihr Dank galt den drei Lehrern für ihre intensive Arbeit zum Erreichen der BoriS-Zertifizierung sowie allen anderen Kollegen, die die geforderten Punkte umsetzen. Der Stockacher Hauptamtsleiter Hubert Walk nahm als Vertreter der Stadt ihren Dank für die gute technische Ausstattung des Schulverbundes Nellenburg entgegen.

Das BoriS-Siegel

  • Das BoriS-Berufswahl-Siegel Baden-Württemberg ist ein Zertifizierungsverfahren für Schulen, die im Themenbereich Berufs- und Studienorientierung über die geforderten Standards in den Bildungsplänen und Verwaltungsvorschriften hinausgehen. Alle weiterführenden Schulen können sich um eine Teilnahme am Zertifizierungsprozess bewerben.
  • Das grundlegende Instrument für das Zertifizierungsverfahren ist ein Kriterienkatalog. Mit diesem werden Qualitätskriterien in standardisierter Form abgefragt. Er gliedert sich in die Themenbereiche Jugendliche im Fokus, System Schule und Schule im Netzwerk. (wig)