Was bei Qiagen Lake Constance (QLC) gemacht wird, klingt für den Laien ein wenig nach Science Fiction: Die Flüssigkeit, die in einer Probe – beispielsweise von der Nasenschleimhaut – enthalten ist, wird auf einer Scheibe durch viele feine Kanäle geleitet. In speziellen Kammern auf der Scheibe reagiert sie mit Chemikalien.

Dabei läuft unter anderem das ab, was der Fachmann polymerase Kettenreaktion nennt: Die Erbsubstanz wird vervielfältigt. Ein Detektor, der letztendlich mit Licht arbeitet, kann dann bestimmen, welche Erbsubstanz (DNA) sich in der Flüssigkeit befindet. Je nach gefundener DNA kann man dann darauf schließen, ob ein bestimmter Krankheitserreger in der ursprünglichen Probe vorhanden ist und ob dieser resistent gegen Medikamente ist.

So lässt sich zusammenfassen, was Josef Drexler, System-Ingenieur bei QLC, über eine Neuentwicklung des Unternehmens erzählt. Die Idee dahinter: Es soll rasch und kostengünstig feststellbar sein, ob ein Mensch einen bestimmten multiresistenten Krankheitserreger in sich trägt – ein Thema in Krankenhäusern. Letzte Tests für das Gerät stehen noch aus, relativ bald soll es auf den Markt kommen, so Drexler.

Solche Dinge passieren ab sofort in einem Neubau im Gewerbegebiet Blumhof zwischen Stockach und Ludwigshafen, der gestern mit einem Fest für Mitarbeiter, Nachbarn und alle Projektbeteiligten eröffnet wurde. Seit beinahe zwei Wochen seien die Mitarbeiter am neuen Standort tätig, sagte Michael Doumanas von der Unternehmensleitung bei der Feier. Der Umzug sei damit komplett, die bisherigen Räume auf dem Schiesser-Areal seien nun leer, ergänzt er auf Nachfrage. Der inzwischen fünfte Standort in 22 Jahren Unternehmensgeschichte sei dabei der erste passgenau eingerichtete Neubau, so Doumanas.

Die alten Räume im Schiesser-Areal seien aus allen Nähten geplatzt, sagte Geschäftsführer Jörg Schickedanz, der sich aus gesundheitlichen Gründen per Videobotschaft meldete. Darin zeichnete er launig den Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Neubau nach. Herauszuhören war: Es hat zwischendurch auch mal geknirscht, aber am Ende haben alle – die Belegschaft, das Mutter-Unternehmen in Hilden, das Bauunternehmen Gulden und Bauherr Heinz Roth – an das Projekt geglaubt und es zu Ende gebracht. Und das auch noch fristgerecht, mit Umzug Ende September, zu einem Datum, das man bereits 2017 festgelegt habe, so Schickedanz.

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Auf diese fristgerechte Umsetzung des Baus zeigte sich auch Andrea Handl stolz, die bei QLC das Projekt Neubau geleitet hat. Bei einem Rundgang durch das Gebäude, bei dem die Besucher hinter die Kulissen des Unternehmens schauen konnten, wies sie auch auf das offene Raumkonzept hin, das für eine Atmosphäre des Austauschs sorgen solle. Auch technisch sei der Neubau auf modernstem Stand, wie Bauherr Heinz Roth erklärte. Er tritt als Investor auf und vermietet das Gebäude an QLC. Den Innenausbau habe QLC in eigener Regie übernommen. Auch für letzteres habe die Firma Gulden den Zuschlag bekommen, sagte Andrea Handl – der Synergien wegen.

Und die Verwaltung? Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz zeigte sich in seinem Grußwort zufrieden, dass QLC in der Stadt geblieben ist – nachdem auch andere Standorte im Gespräch gewesen waren, wie in Schickedanz‚ Videobotschaft deutlich geworden war. Für den Zweckverband von Stockach und Bodman-Ludwigshafen, der den Blumhof betreibt, sagte er: „Das ist genau das, was wir uns gewünscht haben: innovative Technik und Arbeitsplätze für Leute, die gerne hierher kommen.“