Stockach/Bodman-Ludwigshafen Obstbauern wünschen sich eher eine Versicherung als Nothilfe

Die Folgen des Frosts im Frühjahr werden nun in Euro und Cent messbar. Landwirte wünschen bessere Rahmenbedingungen für ihre Arbeit.

Was sich seit dem Frühjahr abgezeichnet hat, lässt sich allmählich in Euro und Cent messen: Der starke Frost mit Minusgraden Ende April hat die Ernten der Obstbauern teilweise stark verringert. Von einem Minus von bis zu 95 Prozent der Ernte ist die Rede, wenn man mit Landwirten spricht, die ihren Lebensunterhalt mit Obst verdienen. Das führt nun zu großen Verlusten in den Kassen der Produzenten. Die Landesregierung hatte schon kurz nach den Frostnächten im Frühjahr Hilfen zugesagt. Und die frostgeschädigten Landwirte können jetzt Anträge stellen.

Doch der Teufel steckt, wie so oft, im Detail. So ist die Frosthilfe grundsätzlich auf 50 000 Euro pro Betrieb begrenzt. Um als Härtefall einen höheren Betrag zu bekommen, muss ein Betrieb laut den Angaben auf den Antragsformularen in der Existenz gefährdet sein und einen Eingriff ins eigene Vermögen oder die Aufnahme von Krediten hinnehmen. Überhaupt die Verschuldung: Franz Buhl, Seniorchef des Seeblickhofs beim Stockacher Ortsteil Wahlwies und Vorsitzender des Obstbauvereins Bodensee, sieht voraus, dass die Missernte dieses Jahres zahlreiche Betriebe in die Verschuldung treiben wird. Die Frosthilfe gleicht nämlich nur einen Teil der Verluste aus, die ein Produzent durch die Frostschäden hat – und das nach mehreren Jahren mit niedrigen Obstpreisen, wie Buhls Sohn Alexander erklärt. Da sind mögliche Rücklagen aufgebraucht. Franz Buhl sagt daher: "Auch die Frosthilfe rettet keine Existenzen, dafür ist es zu wenig." Und sein Sohn fügt hinzu, dass diese Verschuldung keine Investitionen für den Hof nach sich zieht, sondern tatsächlich ein Klotz am Bein ist.

Uwe Specht, Obstbauer in Ludwigshafen, kritisiert den Zeitplan. Denn die Antragsfrist endet am 30. Oktober, "in einer Zeit, in der Obstbauern voll mit der Ernte beschäftigt sind" – auch wenn man Dokumente nachreichen könne. Und: Über die tatsächliche Höhe der Entschädigung sei noch nicht entschieden, sagen die Buhls und Specht. Denn erst wenn die Höhe der Verluste durch die Meldungen der Landwirte absehbar sei, würde der Landtag die Hilfen in den Landeshaushalt des nächsten Jahres einstellen.

Bei beiden Betrieben hält sich die Begeisterung für eine steuerfinanzierte Krisenhilfe grundsätzlich in Grenzen. Stattdessen fänden die drei Landwirte es sinnvoller, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Höfe solche Krisen selber besser meistern können. Eine sogenannte Mehrgefahrenversicherung, mit der sich Landwirte gegen Missernten durch Frost absichern können, fänden Specht und die Buhls sinnvoll – jedenfalls wenn Agrarsubventionen wie in anderen europäischen Ländern in die Versicherungsprämien flössen, sodass sie für einen Landwirt leistbar werden. Und auch steuerfreie Rückstellungen wurden immer wieder ins Spiel gebracht. Wobei Alexander Buhl darauf Wert legt, dass dieses Geld nur bei der Erstellung der Rücklage steuerfrei bleibt. Wird die Rücklage aufgezehrt, um ein mageres Jahr zu überbrücken, würde das Geld versteuert. Auch Uwe Specht fände dieses Instrument sinnvoll für das Risikomanagement – auch wenn es bei dem akuten Problem keinem Obstbauern über die Runden helfen würde, das ist sowohl Specht wie auch den Buhls klar.

Frostnächte und Folgen

Der späte Frost im April hat die Blüten an den Obstbäumen geschädigt. Diese waren nach dem warmen März schon deutlich weiter entwickelt als im langjährigen Schnitt, sodass sie schlechter gegen Frost geschützt waren. Der schlechten Ernte standen weiter laufende Kosten gegenüber, etwa für Pflanzenschutz. Als einziges Mittel gegen Frostschäden nennen Franz und Alexander Buhl sowie Uwe Specht die Beregnung. Doch diese brauche sehr viel Wasser. Der Errichtung von Becken oder der Entnahme aus dem Bodensee stehen hohe Hürden entgegen. 

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