Kläger

Für Thomas Warndorf war es der letzte Auftritt als Kläger vor dem Narrengericht. Geschenkt haben sich beide Seiten trotzdem nichts, zwischen ihm und dem Beklagten Thomas Strobl flogen kräftig die Fetzen. Bei seiner Anklage war Warndorf gewohnt eloquent zu Werke gegangen und hatte mit einem Zitat von Strobls Schwiegervater Wolfgang Schäuble geschlossen: "S'isch over." Strobl drehte den Spieß um: "S'isch over, Thomas Warndorf." Der musste sich danach einiges anhören. Warndorf sei ein in der Wolle gefärbter Sozi, warf ihm Strobl da beispielsweise an den Kopf, und betreibe daher nicht nur seit 18 Jahren Rechts-, sondern sogar Linksbeugung. Doch gewisse Erfolge wollte der Beklagte dem Kläger auch nicht absprechen. In seinen 14 Jahren als Kläger habe er geschätzte 2000 Liter Strafwein für das Gericht herausgeholt, sagte er – etwa 50 Tage Vollrausch für jeden Gerichtsnarr. Und Warndorf? Der gab größtenteils den gelangweilten Unerschütterlichen, den nichts mehr überrascht. Marke: "Nicht das schon wieder." Doch in Reaktion auf Strobls "Beweis", dass der Eimer österreichischen Maßes nur 41 Liter fasse, schlug er noch einmal zurück: Das sei 1812 eingeführt worden, weil die Gefahr bestanden habe, dass Württemberger den Trollinger in die Stadt bringen wollten – den hätten sie sich sparen sollen.

Frauenversteher

Und noch in einem anderen Punkt ging Strobl ans Eingemachte: mit seinem Engagement für Frauen in öffentlichen Ämtern. Damit gab er den regelrechten Frauenversteher, etwa mit der Bemerkung, das Narrengericht werde jetzt „durchgegendert“ und er freue sich schon auf eine künftige Narrenrichterin und eine Klägerin. Eine Regierung ohne Frauen sei wie eine Narrenkappe ohne Zipfel, ließ er da etwa hören. Seine Anklage könne nur auf die Verschwörung eines überkommenen Männerbundes zurückzuführen sein, der durch sein, Strobls, Engagement offenbar eine der letzten Männerbastionen gefährdet sehe. Da hatte Narrenrichter Jürgen Koterzyna seine liebe Mühe damit, das johlende Publikum zu beruhigen. Er schaffte es schließlich mit der Drohung, er würde die weibliche Hälfte des Saales räumen lassen. Dass ein Frauenversteher so etwas anrichten kann.