Drei Mitarbeiter des Vodafone-Geschäfts in Stockach sollen über einen Zeitraum von einem Dreivierteljahr mindestens ein Dutzend Flüchtlinge sowie andere Personen, die nur schlecht Deutsch sprechen können, betrogen haben. Beim Polizeirevier Stockach sei eine zweistellige Anzahl an Anzeigen gegen Mitarbeiter des Vodafone-Geschäfts eingegangen, teilt Markus Sauter, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Konstanz, auf Anfrage mit. Die erste Anzeige in diesem Zusammenhang sei bereits im Januar dieses Jahres erstattet worden. Die Ermittlungen dauern noch an.

Bekannt geworden war der Verdacht durch Sprachpaten des Helferkreises Stockach: Flüchtlinge hätten ihnen von Problemen mit Mobilfunkverträgen erzählt, die sie im Vodafone-Geschäft in Stockach unterschrieben hätten, berichteten sie. Auch Amjad Quadouri hat einen Vertrag mit den nun beschuldigten Mitarbeitern abgeschlossen. Der 33-Jährige sagt, sie hätten ihn bei Vertragabschluss um eine Vorauszahlung von 150 Euro in bar gebeten. Da er sich nichts Böses dabei gedacht habe, habe er eingewilligt. Nach drei Monaten habe er dann auf einmal nicht mehr telefonieren können. Sein Vertrag sei ausgelaufen gewesen, sagt er. Als er daraufhin bei der Service-Hotline von Vodafone angerufen habe, habe er erfahren, dass er zwei gleichlautende Mobilfunkverträge inklusive Smartphone abgeschlossen habe, diese nun aber storniert seien. Da er nicht mehr weiter wusste, wandte er sich an seinen Sprachpaten Elmar Schmidt vom Helferkreis Stockach. Zusammen mit ihm erstattete er Anzeige wegen Betrugs auf dem Polizeirevier Stockach. „Mir wurde aus dem Kreis der Flüchtlinge berichtet, dass es inzwischen bis zu 40 Anzeigen gegen das Vodafone-Geschäft gibt“, sagt Ulrike Stiller vom Helferkreis Stockach.

Die Mitarbeiter sollen immer gleich vorgegangen sein: Sie ließen sich demnach zwei gleichlautende Verträge für ein Smartphone samt Mobilfunk- und Datenpaket unterschreiben, sagten aber, dies sei nur ein Vertrag. Zudem sollen sie das zweite Handy jeweils für sich behalten und dann verkauft haben.

Murat Kartal ist Geschäftsführer des Stockacher Vodafone-Geschäfts. Er bietet in einem Modell nach Franchise-Art im Auftrag von Vodafone Verträge an. Kartal sagt, er habe Mitte Oktober von den Vorwürfen erfahren. Da er zu dieser Zeit krank gewesen und sein Filialleiter oft nicht zur Arbeit erschienen sei, seien ihm die Fälle nicht früher aufgefallen. Als er die Mitarbeiter mit den Vorwürfen konfrontiert habe, hätten sie diese eingestanden. Laut Kartal habe er den Mitarbeitern fristlos gekündigt, zudem habe er sie auch selbst angezeigt. Eigentlich hätte vor jedem Vertragsabschluss eine genaue Kontrolle der Kunden stattfinden sollen, sagt Volker Petendorf, Konzernsprecher von Vodafone Deutschland. Bei Flüchtlingen müsse überprüft werden, ob sie einen Aufenthaltsstatus haben, mit dem sie mindestens 24 Monate in Deutschland bleiben dürfen. Dies hätten die Mitarbeiter des Geschäfts in Stockach bewusst nicht getan. Bei einer Kontrolle Mitte August seien Mitarbeitern des Vodafone-Konzerns Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Daraufhin hätten sie alle Verträge des Stockacher Geschäfts ab Mai 2016 erneut überprüft. „Uns sind 35 Verträge bekannt, die so nie hätten zustande kommen dürfen“, sagt Petendorf. Da die drei Mitarbeiter auch rund 20 Smartphones unterschlagen hätten, gebe es momentan eine Forderung in fünfstelliger Höhe gegen den Geschäftsführer in Stockach. „Dieses Geld fordert Vodafone natürlich von mir zurück“, sagt Kartal. Dadurch stehe die Existenz seines Geschäfts auf der Kippe.

Doch nicht nur der Stockacher Geschäftsführer Kartal ist durch den mutmaßlichen Betrug in Schwierigkeiten geraten. Zahlreiche Kunden warten scheinbar noch immer auf Rückerstattungen von Vorauszahlungen oder Zahlungen für das zweite, nicht ausgelieferte Handy. Jeder, der eine Entschädigung fordere, könne zu ihm ins Geschäft kommen, sagt Kartal. Entschädigung fordert auch Quadouri. Er sei bereits mehrfach im Geschäft gewesen, Geld habe er aber noch keines erhalten.

Der Vertragsabschluss

Laut der Flüchtlingshilfe des Landes ist die Gefahr für Flüchtlinge groß, bei Mobilfunkanbietern ungeeignete Tarifmodelle oder ungünstige Vertragsbedingungen vermittelt zu bekommen. Sie rät deshalb dazu, keinesfalls Verträge zu unterschreiben, die man nicht versteht. Zudem sei es wichtig, darauf zu achten, ob man mit seinem Tarif auch kostenlos in bestimmte Länder, wie zum Beispiel die Heimat, telefonieren könne. Im Zweifel seien sogenannte Prepaid-Verträge besser als Laufzeit-Verträge, da man so besser sehe, was man jeweils ausgibt.

Ausführliche Infos der Flüchtlingshilfe finden Sie hier.

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