Die Stadtbücherei ist bekanntermaßen viel mehr als eine Leihstelle für Bücher. Immer mehr digitale Medien halten Einzug und das Angebot für Kinder – auch für ganz kleine – wird größer.

Im letzten Teil des Ferienprogramms kommen daher neben dem klassischen Bilderbuch auch blinkende Bodenroboter und Hörfiguren, sogenannte Tonies, zum Einsatz, mit deren Hilfe acht kleine Detektive auf die Suche nach „Räuber Ratte“ gehen.

Erst wird vorgelesen

Die Geschichte dazu kennen sie, und dennoch sitzen Anton, Elia, Matteo, Niklas, Nayla, Moritz, Jakob und Johannes ganz gespannt auf den Stufen des Leseraums. Sabine Luther-Kögel, Mitarbeiterin der Stadtbücherei, liest ihnen die Geschichte von „Räuber Ratte“ vor – und zwar als Kamishibai (“Erzähltheater“), bei dem während des Lesens Bilder in einem theaterartigen Holzrahmen gewechselt werden.

Das Abenteuer ist spannend, denn Räuber Ratte treibt im Wald sein Unwesen. Er ist ein Schurke und ein Dieb, der Reisenden das Essen raubt, bis kein Krümel übrigbleibt. Doch wie so oft im Leben ist sein Ruhm nicht endlos. Eines Tages kommt eine Ente des Weges – und die ist schlau. Am Ende muss die Ratte bei einem Bäcker arbeiten und bekommt statt Kuchen und Keksen nur die Krümel. „Was denkt ihr? Ist das Strafe genug?“, will Sabine Luther-Kögel von den Kindern wissen. Er müsse eingesperrt werden, finden sie und wollen sich auf die Suche machen.

Kleine käferartige Roboter

Weil sie moderne Detektive seien, arbeiteten sie mit Robotern, erklärt Sabine Luther-Kögel. Mit deren Hilfe würden sie die Spur des Räubers aufnehmen. Sie zeigt ihnen, wie die kleinen käferartigen Geräte funktionieren. Erst spielen sie selbst Roboter, die auf Druck in eine Richtung laufen, dann üben sie mit einem Gerät auf einer mit Kästchen gestalteten Matte. Dadurch erkennen sie schnell, wie weit sie in welche Richtung fahren müssen.

„Der Roboter macht nur das, was man ihm sagt“, erklärt Sabine Luther-Kögel. Nach einfachen Befehlen müsse die Eingabe stets gelöscht werden, der Roboter merke sich nämlich alles. Die Programmierung mehrerer Befehle ist möglich, doch das schaffen die Kinder noch nicht. Dafür sind sie ganz aufmerksam und rufen ständig „erst löschen“, wenn ein anderes Kind dran ist.

Tonies helfen bei der Suche

Auf der letzten Spielfläche werden die Wege komplizierter. Die Kinder müssen den Roboter zu den Figuren der Geschichte steuern, um zu erfahren, wo die Ratte steckt. Die Ansage jeder Figur hat die Bücherei-Mitarbeiterin selbst auf ein Kreativ-Tonie geladen.

Wenn die Figur auf der dazugehörigen Toniebox steht, hören alle, was sie sagt. Sie finden den Räuber in der Bäckerei. Im Lego-Polizeiauto wird die Ratte mitten auf dem Tisch platziert, an dem die Kinder Kekse und Bonbons essen. „Das ist seine Strafe. Er muss euch beim Essen zuschauen“, lacht Sabine Luther-König und überreicht jedem Kind eine Detektiv-Urkunde.

Verband fördert „Total digital“

Die Kinder finden die Veranstaltung toll und die Bedienung der Roboter nicht schwierig. Auch Sabine Luther-Kögel ist zufrieden. „Das hat alles gepasst.“ Sie erzählt, dass die Stadtbücherei sechs dieser Blue-Bot Bodenroboter im Rahmen des Förderprogrammes „Total digital!“ des Deutschen Bibliotheksverbands für die Grundschulbetreuung angeschafft habe.

„Nach den Ferien werden sie noch ein halbes Jahr für die ersten und zweiten Klassen genutzt.“ Dieses pädagogische Spielzeug für Kindergärten und Schulen könne man sehr vielfältig nutzen, beispielsweise in der Leseförderung oder zum Rechnen. Dabei würden der Reihe nach Buchstaben angefahren oder das richtige Ergebnis angesteuert.

Für Kinder ab vier Jahren

Sie hätten in der Bücherei überlegt, wie sie die Bodenroboter außerhalb der Schulzeit einsetzen könnten und seien so auf die Verbindung mit einer Geschichte gekommen. „Man könnte aber auch einen Parcours ohne Geschichte vorbereiten und diesen dem Alter der Kinder entsprechend auch schwieriger gestalten.“ Nach ihrer Einschätzung sollten die Kinder mindestens vier Jahre alt sein und die Gruppengröße bei maximal zwölf Kindern liegen, die bei der Nutzung betreut werden müssten.

Sowohl die Bodenroboter als auch die Tonies, die die absoluten Renner bei Kindern seien, zeigten, dass die neuen Medien durchaus auch sinnvoll einsetzbar seien, sagt Sabine Luther-Kögel. Mit der Räubersuche endet das Ferienprogramm in der Stadtbücherei.