Stockach – Schule vermittelt völlig unterschiedliche Kenntnisse. Manchmal muss sie an den Sprachkenntnissen der Schüler ansetzen – dann ist die Aufgabe besonders groß. Am Stockacher Berufsschulzentrum (BSZ) gibt es eine Vielzahl von Bildungsgängen – und entsprechend viele Abschlussfeiern. Kürzlich ging die Reihe mit den Abschlüssen des Berufseinstiegsjahres (BEJ), des Vorqualifizierungsjahres Arbeit/Beruf (VAB), des Vorqualifizierungsjahres mit Schwerpunkt Deutsch (VABO) sowie des Vorqualifizierungsjahres mit Schwerpunkt Metall (VABM) in der Aula des BSZ zu Ende. 57 Schüler wurden dabei verabschiedet, so Schulleiterin Claudia Heitzer. "Ursprünglich wollten wir in unserem Atrium draußen feiern, aber die Mittagshitze war doch zu groß, so dass wir uns entschieden haben, die Abschlussfeier drinnen zu veranstalten", erklärte Lehrer und Organisator Siegfried Hander.

Alle Schüler haben gute Perspektiven

Für sämtliche Abschlussschüler gilt der Grundsatz: kein Abschluss ohne Anschluss. Tatsächlich werden die jungen Leute zukünftig entweder weitere schulische Bildungsmaßnahmen durchlaufen oder in eine Berufsausbildung einsteigen. Nach ihrer beruflichen Zukunft gefragt, nannten die Schüler unterschiedliche Berufe wie Schreiner, Maler, Gärtner, Verkäufer, Straßenwärter, Fachpraktikerin Hauswirtschaft, Friseur, Zahntechniker, medizinische Fachangestellte. Für den Schüler Baravan Rasho aus der BEJ-Klasse, der aus dem Irak stammt und das BSZ seit zwei Jahren besucht, steht jetzt schon fest: "Ich will Pilot werden".

Die Schüler des Vorqualifizierungsjahres Metall (VABM) sowie des Berufseinstiegsjahres (BEJ) freuen sich mit ihren Klassenlehrerinnen Daniela Wenger (links) und Gerlinde Joos (rechts) über den Abschluss.
Die Schüler des Vorqualifizierungsjahres Metall (VABM) sowie des Berufseinstiegsjahres (BEJ) freuen sich mit ihren Klassenlehrerinnen Daniela Wenger (links) und Gerlinde Joos (rechts) über den Abschluss.

Ein herzliches Lob an die Lehrerin

Mohammed Artan Elmi aus Somalia aus der VABO-Klasse möchte Altenpfleger werden. Die Klasse VABO (Vorabqualifizierungsjahr mit Schwerpunkt Deutsch) war sowohl für die Schüler, als auch für die dort unterrichtenden Lehrer eine große Herausforderung. "Wir haben im vergangenen September mit 19 Schülern aus neun verschiedenen Ländern begonnen, die noch kein Wort Deutsch sprachen", unterstrich die Klassenlehrerin Christine Angele die Situation. Auch Narosali Ali Zada aus der Klasse VABM berichtete in seiner kleinen Ansprache, dass sich die Schüler in den ersten Wochen nur mit Handzeichen unterhalten konnten. Umso erfreulicher war es nun, dass er in einwandfreiem Deutsch seine Mathelehrerin Petra Kiehn mit folgendem Satz lobte: "Frau Kiehn war eine gute Lehrerin, denn sie hat uns immer Frühstück mit in den Unterricht gebracht".

Auch die Schüler des Vorqualifizierungsjahres mit Schwerpunkt Deutsch haben ihren Abschluss geschafft. Sie feiern gemeinsam mit Klassenlehrerin Christine Angele (hintere Reihe, Zweite von rechts).
Auch die Schüler des Vorqualifizierungsjahres mit Schwerpunkt Deutsch haben ihren Abschluss geschafft. Sie feiern gemeinsam mit Klassenlehrerin Christine Angele (hintere Reihe, Zweite von rechts).
Narosali Ali Zadah (links) aus Afghanistan lobte seine Mathe-Lehrerin, Petra Kiehn, mit den Worten: "Frau Kiehn ist eine gute Lehrerin, denn sie hat uns immer Frühstück mitgebracht."
Narosali Ali Zadah (links) aus Afghanistan lobte seine Mathe-Lehrerin, Petra Kiehn, mit den Worten: "Frau Kiehn ist eine gute Lehrerin, denn sie hat uns immer Frühstück mitgebracht."

Schulleiterin betont die Dimension der Herausforderung

Schulleiterin Heitzer freute sich über die große Zahl an Eltern, Freunden und Verwandten, die zur Feier gekommen waren. "Ihr habt endlich euer Ziel erreicht", wandte sie sich an die Absolventen und brachte zum Ausdruck, dass der Anfang vor einem Jahr für viele Schüler – besonders für die jungen Flüchtlinge – nicht einfach gewesen sei, da viel Neues auf sie zugekommen sei: neue Schule, neue Sprache, neue Lehrer, neue Kultur, neue Regeln und für einen Teil der Schüler sogar neue Schriftzeichen. Heitzer betonte, dass die Jugendlichen auf ihrem Weg nicht alleine gewesen seien und im Hintergrund immer jemand für sie da gewesen sei. Ein altes afrikanisches Sprichwort sage: "Zur Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf".

Bildungshelfer sind nicht nur Lehrer

Die Zusammenarbeit von Lehrern und Sozialpädagogen lobte Fachabteilungsleiterin Ursula Vent-Schmidt gegenüber dem SÜDKURIER: "Großen Anteil am Erfolg der jungen Leute hatten die Jugendberufshelferin Simone Heim und die Schulsozialarbeiterin Ida Hirt, die in Zusammenarbeit mit den Klassenlehrern die Schüler sowohl im Unterricht, als auch bei den diversen betrieblichen Praktika unterstützten".

Mohammad Hassan Karimi aus Afghanistan hat einen klaren Plan: "Ich mache eine Lehre als Verkäufer bei Edeka."
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