Könnten auf zwei Straßen rund um Stockach künftig mehr Lastwagen fahren und die Anwohner belasten? Die Sorge besteht zumindest und sie hat kürzlich neue Nahrung bekommen. Denn die Stockacher Stadtverwaltung hat auf dem Behördenweg über das Regierungspräsidium Freiburg eine Entscheidung aus dem Landesverkehrsministerium mitgeteilt bekommen. Inhalt des Schreibens, das Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz dem Planungsausschuss des Gemeinderats in dessen jüngster Sitzung vorgetragen hat: Das Stuttgarter Ministerium habe entschieden, dass beide Verbindungen von Stockach nach Ludwigshafen schon recht bald keine Bundesstraßen mehr sein sollen.

Demnach soll die Bundesstraße 31-alt vom Schiesser-Knoten in Stockach über die Ludwigshafener Ortsmitte weiter nach Osten zur Landesstraße werden. Und die B 34 zwischen Espasingen und Ludwigshafen soll auf einem Abschnitt zur Gemeindestraße, auf einem weiteren Abschnitt zur Kreisstraße werden. Der Grund, so zitiert Stolz das Schreiben: Der Verkehr solle auf der Bundesstraße 31-neu gebündelt werden, die bei Überlingen derzeit weitergebaut wird und noch in diesem Jahr fertig werden soll. Dadurch werde eine Neuordnung des Straßennetzes notwendig.

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Eine Folge könnte sein, dass Lasterfahrer, die die mautpflichtige B 31-neu umgehen wollen, über die mautfreien Strecken durch die Ortschaften fahren. Deren Einwohner können ohnehin schon ein Lied von schweren und lauten Lastwagen singen, die mitunter dicht an Wohnhäusern vorbeifahren. Gleichzeitig sei die Ansage aus Stuttgart auch, dass man einfach die abgestuften Straßen sperren könne, wenn dort zu viel Verkehr fließe, erklärte Peter Fritschi, Leiter des Stockacher Ordnungsamtes, in der Sitzung.

Dagegen hat man sich in Stockach immer gewehrt, denn die Folge wäre, dass der gesamte Schwerlastverkehr über die Espasinger Zielstraße zur Autobahnauffahrt Stockach-West fließen würde – zumindest bis die lange gewünschte Umfahrung des Ortes fertig ist, was noch viele Jahre dauern dürfte. Die anderen betroffenen Gemeinden, Bodman-Ludwigshafen und Sipplingen, hätten diese Haltung immer solidarisch unterstützt, so Stolz. Er nannte die Stuttgarter Argumentation in der Ausschusssitzung "gewöhnungsbedürftig".

Für ihn gehöre zur Neuordnung des Straßennetzes auch zwingend die Umfahrung von Espasingen, so Stolz in der Sitzung. Auf Nachfrage ergänzt er: "Die leistungsfähige Alternative fehlt." Daher lägen seiner Meinung nach die Voraussetzungen für die Abstufung der beiden Bundesstraßen noch nicht vor. Ein entsprechendes Schreiben habe er auf den Rückweg über die Behörden gebracht, sagte Stolz nun auf Anfrage. Und es geht auch ums Geld. Denn dem Lasterfahrer ist es im Zweifel egal, ob sein Gefährt auf einer Bundes-, Landes- oder Gemeindestraße fährt. Doch für die Instandhaltung einer Gemeindestraße muss die Gemeinde auch aufkommen – bei viel Lasterverkehr mit entsprechendem Aufwand.

Matthias Weckbach, Bürgermeister von Bodman-Ludwigshafen, signalisiert auf Anfrage klar, dass sich an der solidarischen Haltung seiner Gemeinde nichts geändert habe: "Wir haben immer gesagt, dass die Gemeinden in dieser Frage in einem Boot sitzen und sich nicht auseinanderdividieren lassen." Das Ziel sei weiterhin eine Umfahrung von Espasingen, verbunden mit Einschränkungen auf den bestehenden Strecken, um Lastwagen aus den Orten herauszuhalten.

Und: Massenhaften Lasterverkehr einfach mit einem Verbotsschild aus dem Ort zu halten und damit den Einwohnern eines anderen Ortes aufzubürden, würde ohnehin nicht gehen. Die zuständige Verkehrsbehörde, die für Stockach und seine fünf Umlandgemeinden in Stockach sitze, könne in der Abwägung nicht zu dem Schluss kommen, dass ein Lastwagenfahrverbot ohne die entsprechende Alternative möglich sei.