Fünf Millionen Euro können sehr viel Geld sein. Es kann aber auch ein vergleichsweise kleiner Betrag sein. In der Gesamtbilanz des Rüstungskonzerns Rheinmetall, der seinen Sitz in Düsseldorf hat, dürfte ein solcher Betrag eher weniger auffällig sein. Für die Stockacher Tochter Rheinmetall Soldier Electronics (RSE) zähle eine solche Summe aber zu den großen Aufträgen, sagt Wolfgang Kammerlander, Geschäftsführer von RSE. Sein Unternehmen liefert 1745 Sätze des Laser-Licht-Pakets für das "Sturmgewehr Spezialkräfte Bundeswehr, leicht", wie die Pressestelle von Rheinmetall in Düsseldorf mitteilt. Die Lieferung beginnt demnach im ersten Quartal 2019.

Kammerlander erklärt auch, warum ein solcher Auftrag für sein Haus wichtig ist. Es geht um Referenz und Prestige: "Die Spezialkräfte zu bedienen, ist sehr wichtig. Solche Aufträge sind deswegen hart umkämpft." Und: "Wenn man im Ausland verkaufen will, wird regelmäßig gefragt, was die Deutschen nutzen." Das Lasermodul soll dem Schützen natürlich zuerst einmal beim Treffen helfen. Doch dahinter stecken technische Herausforderungen. Das Gerät müsse alles mitmachen, was das Gewehr mitmacht, erklärt Kammerlander, etwa starke Temperaturschwankungen oder Stöße und Beschuss aushalten. Es müsse extrem robust und leicht sein und dabei praktisch wartungsfrei. Und der Laser darf auf eine Distanz von 1000 Metern höchstes zehn Zentimeter Abweichung aufweisen. Deswegen gibt es umfangreiche Tests, ehe die Ware an den Kunden geht.

Handelt es sich bei den Produkten von RSE nun um verwerfliche Rüstung? Vieles an den Produkten sei deeskalierend, erklärt Kammerlander. Dabei gehe es durchaus um Kleinigkeiten, zum Beispiel die Trennung von Laser- und Lichtmodul. War beides früher fest im selben Gehäuse zusammengebaut, so gibt es heute ein Lasermodul und zwei Taschenlampen – davon eine mit Infrarot, was man mit Nachtsichtgeräten verwenden könne, so der Firmenchef. Der Unterschied im Umgang mit dem Feind: Wollte man früher leuchten, musste man mit dem Gewehr auf den anderen deuten. Der könnte dann in einer Panikreaktion abdrücken und den Soldaten erschießen. Wenn dieser nur mit einer Taschenlampe leuchte, gebe es diese Gefahr nicht. Auch der Laserpunkt an sich könne Soldatenleben schützen, sagt Kammerlander. Denn viele Sprengfallen würden beispielsweise durch einen Draht gezündet, der zwischen einen Türrahmen gespannt sei. Bemerkt der Soldat im Dunkeln den Draht nicht, so explodiert die Sprengfalle – mit schlimmen Folgen. Durch den Laserpunkt könne man den Draht wahrnehmen und die Gefahr umgehen. Auch wenn ein Gegner den Laserpunkt auf sich selbst wahrnehme, wirke das im Einsatz deeskalierend, das habe er schon mehrfach von Einsatzkräften gehört. Zu den Nutzern der Geräte von RSE gehören nicht nur Soldaten, sondern auch Polizisten und Grenzschützer, erklärt Kammerlander – der Großteil des Umsatzes falle allerdings in den militärischen Bereich. Dass die Ausrüstung, die in Stockach hergestellt wird, auch zum Angriff verwendet werden kann, darüber macht sich Kammerlander keine Illusionen. Doch er kommt zu dem Schluss: "Unsere Soldaten sollen im Einsatz das beste Gerät haben. Es könnten Brüder, Schwestern oder Ehepartner sein. Und die Einsätze machen sie in unserem Auftrag."

Und wie verhindert RSE, dass die Sachen in falsche Hände geraten? Selbstverständlich gingen die Teile aus Stockach nur an legale Handelspartner, jedes einzelne Geschäft werde vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) geprüft und genehmigt. Doch: "Wenn die Sachen gestohlen oder weiterverkauft werden, können wir nichts machen." Allerdings sei jedes Teil, das den Betrieb im Gewerbegebiet Blumhof verlässt, mit einer Seriennummer versehen. Jedes Einzelteil, das verwendet werde, könne zurückverfolgt werden. "Und wenn wir bemerken, dass ein Gerät von uns im Internet angeboten wird, melden wir das natürlich sofort", sagt Kammerlander.