Stockach Meisterkonzert macht starken Eindruck

Die Pianistin Norie Takahashi und die Bratschistin Tomoko Akasaka erweisen sich als Meisterinnen des Klangzaubers – und bewegen die Zuhörer.

Mit den Japanerinnen Tomoko Akasaka (Viola) und Norie Takahashi (Klavier) gastierten im Kinderdorf im Rahmen der Reihe Stockacher Meisterkonzerte zwei junge Künstlerinnen, die bei gleicher Werkauffassung wie aus einem Guss zusammenspielten. Die Bratsche, die als Solo-Instrument weniger etabliert ist als andere Orchesterinstrumente, bezauberte bereits bei den eröffnenden Bach-Chorälen als oberes Melodieinstrument mit wunderschön warmem, kantablem Ton in Alt-Stimmlage. Das ging zu Herzen und lud ein zur inneren Versenkung.

Hatte das Klavier bei Bach noch die Funktion einer Begleitung, so war der klangschöne Bösendorfer Kinderdorf-Flügel bei der Interpretation von Robert Schumanns romantischen "Märchenbildern" gleichwertiger musikalischer Part-ner. Die vier Folgesätze der 1849 begonnenen Reihe der Zyklen und Charak-terstücke hat Schumann für den Geiger Joseph von Wasielewski, der auch Bratschist war, geschrieben. Es handelt sich dabei eher um Hausmusik, wie sie bei Schumann und seiner berühmten Pianisten-Ehefrau Clara eifrig gepflegt wurde.

Eine positive Grundstimmung atmete das voller Poesie steckende Frage-und-Antwort-Spiel von Klavier und Viola in der empfindsamen, mit einem ausdrucksvollen Praller geschmückten Anfangs-Melodie. Tatkräftige Entschlossenheit strahlte das mit einem kraftvollen Doppelgriff-Marschthema anhebende, energisch rhythmisierte zweite Stück aus. Das erste Zwischenspiel trug lockeren Scherzando-Charakter, das zweite erging sich in munterem Skalenspiel. Aus dem Rahmen des Hausmusikalischen, zumindest was die technischen Ansprüche an die Viola anging, fiel das schnelle d-Moll-Stück mit seinen virtuos wirbelnden, auf und ab jagenden Eckteilen.

Das vielleicht schönste der vier Stücke war ein melancholisches Wiegenlied, das seine melodischen Triebkräfte aus dem Anfangsmotto gewann. Der warme, dunkle Ton der Viola gab dem Stück seinen spezifischen Klangzauber. Das kam gut an: "Die Viola hat wunderschön gesungen", sagte nach dem Konzert der Besucher Josef Drexler aus Hindelwangen und brachte es damit auf den Punkt.

Dass Musik und Kunst "den jungen wie den alten Seelen guttut" hatte Kinderdorf-Geschäftsführer Bernd Löhle betont, der als Hausherr zum Duo-Abend rund 150 Gäste willkommen hieß.

Volksliedhafte Passagen präsentierten die Virtuosinnen mit der viersätzigen Sonate f-Moll op.120/1 von Johannes Brahms. Vor lebendigem, fast kühnem Vivace verströmte hier die Bratsche mit ihrem zu Gemüt gehend romantischem Gesang eine Melancholie, die dem düsteren Novemberwetter entsprach. Herzlicher Beifall bescherte als Zugabe ein seelenvoll gespieltes Schubert-Lied.

Die Konzertreihe

So geht es weiter mit den Meisterkonzerten: Montag, 1. Januar 2018, 16 Uhr: Großes Neujahrskonzert in der Jahnhalle mit der Jungen Philharmonie der Ukraine; Samstag, 24. Februar, 20 Uhr: Duo-Abend im Bürgerhaus mit Maximilian Randlinger (Flöte) und Irene Fenninger (Harfe); Freitag, 23. März 2018, 20 Uhr: Duo-Abend im Bürgerhaus mit Jonas Palm (Violoncello) und Yuki Takai (Klavier). (gri)

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