Das BUND-Modellprojekt Biotopverbund Offenland in Stockach trifft auf großes Interesse in Fachkreisen. So kamen ehrenamtliche und hauptberufliche Kräfte in verschiedensten den Naturschutz betreffenden Organisationen aus den Landkreisen Bodensee und Konstanz zusammen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Die Projektleiterin Biotopverbund, Nadja Hori vom Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) brachte zu der Fachexkursion viele Informationen zu umgesetzten und geplanten Maßnahmen mit. Es ging aber vor allem um Austausch und Vernetzung.

Merh als zwanzig ehren- und hauptamtliche Naturschützer aus den Landkreisen Konstanz und Bodensee überzeugten sich von den Fortschritten und Erfahrungen beim Modellprojekt Biotopverbund. Bild: Susanne Schön
Merh als zwanzig ehren- und hauptamtliche Naturschützer aus den Landkreisen Konstanz und Bodensee überzeugten sich von den Fortschritten und Erfahrungen beim Modellprojekt Biotopverbund. Bild: Susanne Schön

Die Mitglieder des Landschaftserhaltungsverband Bodenseekreis und die BUND-Mitglieder in der Region machten sich vor Ort ein Bild der ersten umgesetzten Biotopverbundmaßnahmen. Nördlich von Hindelwangen wurde ein Blühstreifen am Waldrand angelegt. Momentan blühen hier insbesondere Sonnenblume und Phacelia. Einen Stopp machte man beim Muckenbühl nördlich von Hoppetenzell. Hier wurde ein Kiefernwäldchen aufgelichtet und man konnte den Ziegen und Schafen beim Beweiden zusehen. Auch bei der Eichhalde östlich von Hoppetenzell wurde von Gehölz befreit und die Fläche wird jetzt mit Schafen beweidet.

Vor ort überzeugten sich die Exkursionsteilnehmer von den Fortschritten und erfragten Informationen zu Ablauf und Schwierigkeiten. .Bild. Susanne Schön
Vor ort überzeugten sich die Exkursionsteilnehmer von den Fortschritten und erfragten Informationen zu Ablauf und Schwierigkeiten. .Bild. Susanne Schön

Zudem machte man einen Abstecher zum grenzüberschreitenden Interreg-Projekt "Kleingewässer für die Bodenseeregion". Der neu angelegte Weiher in Hoppetenzell wurde tags zuvor eingeweiht und gehört eigentlich nicht zum Modellprojekt. Aber es war schön sichtbar, wie hier neue Lebensräume für Vögel, Amphibien und Libellen geschaffen wurden und auch die Fauna sich entwickelte. Am Nachmittag ging es dann ins Große Ried bei Espasingen, wo im September eine neue Maßnahme umgesetzt werden soll (siehe Infokasten).

Bei der aktuellen Hitze machen die tierischen Landschaftspfleger auch mal Pause. Aber sie haben alles was sie brauchen: Essen, Wasser und Schatten..Bild: Susanne Schön
Bei der aktuellen Hitze machen die tierischen Landschaftspfleger auch mal Pause. Aber sie haben alles was sie brauchen: Essen, Wasser und Schatten..Bild: Susanne Schön

Bei den Gesprächen spielte zum einen der Flächengewinn eine Rolle. So sind die meisten Flächen in Stockach bereits in kommunaler Hand. Die ehrenamtlichen Mitglieder des BUND beklagten, dass es schwierig sei, die passende Fördermöglichkeit zu finden, wenn Grundstücke in privater Hand seien. Es gab praktische Tipps, mit welchem Zaun, die Grundstücke zur Beweidung eingefasst werden. Gute Erfahrungen hat man in Stockach mit sehr nahegelegenen Bewirtschaftern gemacht. Etwas Öffentlichkeitsarbeit bedarf es in diesem Bereich wohl noch. Denn immer wieder würden Bürger beklagen oder gar anzeigen, dass es den Tieren nicht gut ginge, weil kein Futter zu sehen sei. Doch diese sollen ja in kurzer Zeit alles Krautige und nachwachsende Schößlinge abfressen. Sie werden dann auf andere Gelände umgesetzt, bevor es zu zu starkem Nährstoffeintrag durch Dung kommt.

Projektleiterin Nicole Horic und Jochen Kübler vom Planungsbüro 365 freiraum + umwelt stellten das Modellprojekt Biotopverbund Offenland mit den einzelnen Maßnahmen den Exkursionsteilnehmern vor. .Bild: Susanne Schön
Projektleiterin Nicole Horic und Jochen Kübler vom Planungsbüro 365 freiraum + umwelt stellten das Modellprojekt Biotopverbund Offenland mit den einzelnen Maßnahmen den Exkursionsteilnehmern vor. .Bild: Susanne Schön

Alle Exkursionsteilnehmer betonten, wie wichtig die gute Zusammenarbeit von Flächeneignern, Nachbarn, Landwirtschaft und Naturschutz für ein Gelingen von Biotopvernetzung sei. Und diese wiederum ist unerlässlich für die Artenvielfalt von Fauna und Flora. Das Projekt wird vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft gefördert mit einem Anteil von neunzig Prozent. Es läuft seit dem 1. Juli 2015 bis mindestens 31. Dezember 2019.

Biotop Großes Ried Espasingen

Die Maßnahme soll vor allem dem Wiesenknopf-Ameisenbläuling nützen. Die Falter kommen derzeit nur im Naturschutzgebiet "Schanderied" bei Wahlwies vor. Vorkommen im Naturschutzgebiet "Stockacher Aachmündung" fallen regelmäßig Bodensee-Hochwasserereignissen zum Opfer. Die Maßnahme dient dazu die Populationen zu vernetzen. Der gefährtdete Falter schlüpft Mitte Juni bis Mitte August und legt dann die Eier wieder an die Knospen des Großen Wiesenknopfs ab. Die Nasswiesen werden meist Ende Juni oder im Juli gemäht. In dieser Zeit ist die Larve in der Blüte, so dass die Mahd zur Vernichtung der Brut führt. Wenn an den Grabenrändern Randstreifen stehen bleiben, können sich dort die Brut und die Wirtsameisen ungestört entwickeln.