„Es hat so schöne Sachen“, freut sich Esther Fuchs aus Weinfelden. Mit leerem Magen sei sie aus der Schweiz zum Martinimarkt der Waldorfschule gekommen, habe nun gut gefrühstückt und genieße die Muße, gemütlich über den Markt zu schlendern. Es ist ein stetiges Kommen und Verweilen.

In manchen Armen türmen sich neben vom Nachwuchs gewerkelten Moos- und Lebkuchenhäuschen auch schon kleine Geschenke für den weihnachtlichen Gabentisch. „‘Froschkönig‘ ist dieses Mal unser Motto“, sagt die am Infostand postierte Französischlehrerin, Elena Milyucheva.

Um ein harmonisches Bild der Zusammengehörigkeit zu erzielen, wurde die Dekoration des Schulhauses und der internen Stände entsprechend unter das Märchenmotto gestellt.

Es duftet nach Tannengrün, Zimt und Bienenwachs. „Es ist für uns jedes Mal ein absoluter Wahnsinn an Arbeit, und trotzdem ist es immer wieder wunderschön“, sagt Daniel Schaarschmidt, der am Eingang den Stand mit Produkten aus dem Kinder-Sinnesgarten betreut. „Man sieht hier den Froschkönig an allen Ecken und Enden“, meint Sandra Heller-Wahl. Sie ist die Mutter einer Drittklässlerin, die mit einem der goldenen Kinderpässe „ganz selbständig unterwegs“ ist.

Unaufhörlich wälzen sich Menschen durch das weitläufige Schulareal. Sie alle werden im Sog der vielen Besucher mitgetragen zu den Werkstätten, wo eifrig gehämmert, gefeilt, geschnitten und gemalt wird.

Beim Glasperlen-Drehen am Zweigasbrenner müssen die Kinder Schutzbrillen tragen.
Beim Glasperlen-Drehen am Zweigasbrenner müssen die Kinder Schutzbrillen tragen. | Bild: Gabi Rieger

Beim Glasperlen-Drehen sind am Zweiglasbrenner hauptsächlich kleine und größere Mädchen mit Schutzbrillen in Aktion. Fast nur Jungen trifft man in der Schmiede an, wo man an Ambossen mit wuchtigen Hammerschlägen Messer schmieden kann.

Als Anziehungspunkt für Jungen erweist sich das Schmieden, wo an Ambossen Messer mit wuchtigen Hammerschlägen geschmiedet werden.
Als Anziehungspunkt für Jungen erweist sich das Schmieden, wo an Ambossen Messer mit wuchtigen Hammerschlägen geschmiedet werden. | Bild: Gabi Rieger

Lang und immer länger wird zur Mittagszeit die Warteschlange am Bio-Pommes-Stand mit Bioburgern.

„Immer am ersten Advent essen wir sie auf“, sagt die Elftklässlerin Annika Ruby, die mit zwei Freundinnen aus ihrer Klasse voll Hingabe Lebkuchenhäuschen baut. Das sei Tradition seit ihrer Kindergartenzeit, betonen die Drei.

Annika Ruby (Zweite von links), baut mit zwei Freundinnen seit ihrer Kindergartenzeit jedes Jahr beim Martinimarkt Lebkuchenhäuschen.
Annika Ruby (Zweite von links), baut mit zwei Freundinnen seit ihrer Kindergartenzeit jedes Jahr beim Martinimarkt Lebkuchenhäuschen. | Bild: Gabi Rieger

Es gibt gesponnene Wolle von den drei Schulschafen Mandy, Flocke und Linus. Eine Schülermutter klöppelt Spitze. Besonders dicht ist das Gedränge bei der Delikatessen-Oase, wo man vor dem Kauf die angebotenen Chutneys, Kompotte und Marmeladen probieren darf.

„Wer eine Briefmarke erkennt, die er schon mal verschickt hat, kriegt einen Bonuspunkt“, sagt Andreas Bronkowski, der Schmuck aus internationalen Postwertzeichen feilbietet. Drei Murmeln hat der sechsjährige Leonard für Bogen, Pfeil und Köcher im Kinderladen bezahlt.

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