Fast in jeder Gemeinde im Landkreis Konstanz finden sich Denkmale, die an Kriege, Soldaten und Gefallene erinnern. In einem von der Volkshochschule, dem Stadtmuseum Stockach und dem Arbeitskreises Landeskunde im Hegau-Geschichtsverein organisierten Vortrag stellte Martina Blaschka vom Landesdenkmalamt Stuttgart viele der oft sehr beeindruckenden Monumente vor und ordnete sie ins Zeitgeschehen ein.

Sie spannte dabei den Bogen von den Denkmalen im Zusammenhang mit den Kriegen des 19. Jahrhunderts bis zu den beiden Weltkriegen im 20. Jahrhundert. Die Referentin ist die Koordinatorin des landesweiten Projekts zur Erfassung der Kleindenkmale, zu denen auch die Gefallenen-Denkmale zählen.

Wichtige Zeugen der Geschichte

„Die Gestaltung eines Denkmals ist Zeugnis des bei der Entstehung herrschenden Zeitgeistes. Das lässt sie heute oft unbequem und sperrig in einer demokratischen Gesellschaft erscheinen. Sie wirken zuweilen wie aus der Zeit gefallen“, sagte Martina Blaschka. Doch sie seien wichtige Zeugen der Welt-, Orts- oder Familiengeschichte.

Das Kriegerdenkmal in Espasingen hat die Form eines Obelisken. Oben sitzt ein Adler aus Bronze mit ausgebreiteten Schwingen auf einer Kugel. Diese symbolisiert die Ewigkeit oder auch die Weltkugel, die der Adler im Griff zu haben scheint.
Das Kriegerdenkmal in Espasingen hat die Form eines Obelisken. Oben sitzt ein Adler aus Bronze mit ausgebreiteten Schwingen auf einer Kugel. Diese symbolisiert die Ewigkeit oder auch die Weltkugel, die der Adler im Griff zu haben scheint. | Bild: Claudia Ladwig

Den Toten der Kriege werde in Deutschland erst seit rund 150 Jahren gedacht, so Blaschka. Die Befreiungskriege gegen die napoleonische Herrschaft im frühen 19. Jahrhundert hätten den Wandel gebracht, denn ab da habe der Soldat nicht mehr für den Sold allein gekämpft, sondern für eine „gerechte Sache“, für die Befreiung des Vaterlandes. 

Früher ging es um Helden

Anhand vieler Beispiele aus dem Landkreis Konstanz zeigte die Referentin den rund 20 Anwesenden, wie sich die Denkmale im Laufe der Zeit verändert haben. Die Kriegerdenkmale nach dem siegreich beendeten deutsch-französischen Krieg 1870/71 waren keine Orte der Trauer. Sie erinnerten vielmehr an die Taten siegreicher Kämpfer, auch wenn die Toten auf den Denkmalen aufgeführt sind.

Im Hegau gibt es noch zwei Dutzend solcher Denkmale. Häufig wurde für sie die Form eines Obelisken gewählt. Oft fanden sich das Eiserne Kreuz oder ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen darauf, ebenso Siegeskränze aus Eichenlaub oder Lorbeer. Zwischen Stadtwall und Goethestraße hatte auch Stockach in einer kleinen umzäunten Anlage ein Kriegerdenkmal.

Findling löst Obelisken ab

Martina Blaschka beschrieb es wie folgt: „Obeliskenform, geschwungenes Kapitell, Adler mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Zweig stehend. Das Eiserne Kreuz und die Tafel mit 51 Namen wurden prominent zur Kreuzung hin platziert.“ Sie vermutete, dass das Denkmal auf Betreiben der französischen Besatzungsmacht bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs abgebrochen und entfernt wurde.

Seit den 1880er Jahren löste die Gestaltung mit einem Findling den Obelisken ab. Die Denkmale nach dem Ersten Weltkrieg hielten das Andenken an die toten Soldaten dieses Krieges wach. Oft wurden Motive aus der christlichen Welt für die Darstellung von Trauer und Leid über die Gefallenen gewählt. Der christliche Glaube sollte nach Darstellung von Referentin Martina Blaschke den Hinterbliebenen Trost und dem Soldatentod im Nachhinein einen „höheren Sinn“ geben.

Andere Denkmale nach Machtergreifung

Vielerorts sind sterbende Soldaten dargestellt, über ihnen oft ein Engel, der ihnen einen Palmwedel reicht. Auf einigen Denkmalen erkennt man einen oder mehrere Stahlhelme, das Eiserne Kreuz und die Siegespalme. Tafeln nennen die Namen der vielen zu Tode gekommenen Soldaten.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten konnten die Gemeinden nicht mehr allein bestimmen, wie ihre Denkmale aussehen sollten. Blaschka erklärte: „Von der Reichskammer für bildende Künste bis zum Landesamt für Denkmalpflege und natürlich auch den Parteidienststellen redeten nun viele mit.“

Monströse, martialische Denkmale

In den 1930er Jahren entstanden monströse, martialische und chauvinistische Denkmale mit Soldaten unterm Stahlhelm, in langen Mänteln und mit stierem Blick. Die Aufstellungsorte dieser Denkmale wurden oft bewusst als Aufmarschplätze gestaltet. Dadurch wurden Orte des Gedenkens und der Trauer zu Stätten nationalsozialistischen Großmachtstrebens, kriegerischer Gesinnung und von Revanche-Gelüsten, so Blaschka.

Sie ging auf das 1934 errichtete Gefallenendenkmal in Stockach ein. Der mächtige, würfelförmige Sockel mit dem 15 Meter hohen Obelisken sowie den überlebensgroßen Relieftafeln auf jeder Seite, die St. Georg als Bezwinger des Bösen, einen Soldaten auf dem Weg aus der Stadt, einen sterbenden und einen verwundeten Soldaten zeigen, steht direkt vor der Kirche St. Oswald.

Keine Rede mehr von Helden

Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderten sich die Denkmale. Martina Blaschka führte dazu aus: „Die vernichtende Niederlage, die vielen Toten, die große Schuld und die Scham über das Begangene haben die Deutschen ernüchtert. Das ist an jedem Gefallenen-Denkmal für diesen noch schrecklicheren zweiten Krieg abzulesen und fühlbar.“

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Auf schlichten Namenstafeln, die häufig auf Friedhöfen zu finden sind, wurde in langen Reihen an die Opfer erinnert. Von Helden war nicht mehr die Rede. An vielen Orten wurden Denkmale des Ersten Weltkriegs einfach durch Anbauten und Gedenktafeln erweitert.

„Denkmale sind Gedächtnisorte“

Abschließend sagte Martina Blaschka: „Denkmale sind Gedächtnisorte. Sie gehören wie Grabsteine nicht den Toten.“ Sie richteten sich an die Lebenden und erzählten mehr über sie und ihre Zeit als über diejenigen, denen sie galten. Die Beseitigung dieser Zeitzeugen sei nicht der richtige Weg. Man müsse im Gespräch bleiben, das sei auch für junge Menschen wichtig.