Rund 50 Interessierte verfolgten den Vortrag von Marie-Theres Scheffczyk über den Künstler Marc Chagall im Bürgerhaus Adler Post. Die Kunstkritikerin nahm die Zuhörer mit in die Zeit Chagalls und seine besondere Welt. „Mit Logik hatte es Chagall nicht“, erklärte sie gleich zu Beginn. Später ergänzte sie: „Schwerkraft spielt in seinen Bildern keine Rolle.“ Zum Beispiel stehen manche Gestalten auf dem Kopf oder Chagall hat in seinen Selbstportraits einen Tierkopf.

Museumsleiter Johannes Waldschütz (rechts) stellte Marie-Theres Scheffczyk (links) vor dem Vortrag dem Publikum vor.
Museumsleiter Johannes Waldschütz (rechts) stellte Marie-Theres Scheffczyk (links) vor dem Vortrag dem Publikum vor. | Bild: Löffler, Ramona

Die Expertin verwob ausgesuchte Bilder, deren Details sie erläuterte, mit der Biografie des Künstlers. Chagall wuchs in Russland auf und kam 1910 nach Paris. Als er seine Heimatstadt Witebsk wieder besuchte, brach der Erste Weltkrieg aus und er konnte erst 1920 zurück nach Frankreich. Viele seiner Bilder seien damals verschwunden. Er habe sie dann aus dem Gedächtnis neu gemalt, erzählte Scheffczyk: „Die Bilder sind seine Kinder.“ Im Zweiten Weltkrieg wanderte Chagall in die USA aus.

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Sie erzählte, wie Chagalls jüdischer Glaube seine Bildern beeinflusste und welche Bedeutung Tieren deshalb zukommt. „Im Hebräischen sind Tiere die Stummen. Sie transportieren in den Bildern die Gefühle.“ Zur Farbe Grün erläuterte die Expertin, dass diese für Chagall die Farbe des Paradieses gewesen sei. Blau sei die Farbe der Erkenntnis. Auch das Androngyne, also dass männlich und weiblich verschwimmen, findet sich in vielen seiner Werke – auch in Selbstbildnissen. Marie-Theres Scheffczyk gab dazu zahlreiche Bildbeispiele, die die Zuschauer auf einer Leinwand groß sehen konnten.

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Die Expertin hatte aber nicht nur Werke von Chagall, sondern auch Fotos, die den Künstler zeigten, in den Vortrag eingebunden. Sie stellte eine Bildfolge vor, die ihn in einem Café zeigte, wie er eine Idee bekam und dann zu skizzieren begann. Chagall habe von klein auf Künstler werden wollen und sei von seiner Mutter dabei unterstützt worden.

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Und der Titel des Vortrags? Der Malerpoet mit den Engelsflügeln. „Andere Maler in Paris verehrten ihn und nannten ihn Malerpoet“, erklärte Scheffczyk. Eines der letzten Bilder, das sie zeigte, war das letzte, das er geschaffen hat – er hat darauf Engelsflügel, malt und ein Engel kommt, um ihn abzuholen.