Einen Tag nach dem Tötungsdelikt im Stockacher Teilort Wahlwies erhärtet sich der Verdacht, dass es sich beim Ehemann des Opfers um den Täter handelt: Die Staatsanwaltschaft hat einen Haftantrag gestellt und der zuständige Richter hat dem zugestimmt.

Der Mann wird nun in eine Justizvollzugsanstalt gebracht, wie die Polizei auf Nachfrage mitteilt. Der 40-Jährige aus dem Raum Reutlingen hatte am Mittwochmorgen selbst die Polizei darüber informiert, dass er seine Ehefrau im Streit erwürgt habe. Die Hintergründe werden aber weiterhin untersucht. Die Polizei wollte auch nach der Vernehmung des mutmaßlichen Täters keine genaueren Angaben machen – das sei noch Gegenstand der Ermittlungen.

Obduktions-Ergebnis für morgen erwartet

Dabei schreitet die Ermittlungsarbeit voran: Die kriminaltechnischen Untersuchungen am Tatort und an den beiden beteiligten Personen seien abgeschlossen. Und nachdem gestern ein Großaufgebot an Schutz- und Kriminalpolizei in Wahlwies präsent war, habe sich die Zahl der Ermittler wieder auf ein Normalmaß reduziert. Der Sachverhalt sei relativ klar, daher können laut Polizeisprecher Bernd Schmidt auch wenige Beamte die jetzige Abarbeitung übernehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Zuständig ist die Kriminalpolizeidirektion in Friedrichshafen. Die gesammelten Spuren auszuwerten und mit den Aussagen des Ehemanns abzugleichen, brauche aber eine gewisse Zeit, sagt Schmidt. Erste Ergebnisse der Obduktion werden dagegen schon morgen erwartet: Am Vormittag soll die Leiche der Frau untersucht werden, der Polizeisprecher rechnet am späten Nachmittag mit einer Rückmeldung aus der Rechtsmedizin.

Anwohner sind geschockt

Die Stimmung im 2100-Einwohner-Dorf Wahlwies sei "erstaunlich ruhig", wie Ortsvorsteher Udo Pelkner dem SÜDKURIER schildert. "Die Menschen sind geschockt über die Art des Verbrechens, aber die Betroffenen selbst kennt man hier nicht", sagt er. Das Ehepaar war laut Polizeiangaben aus dem Raum Reutlingen zu Besuch in Wahlwies, als es zum Streit kam und dieser mit schrecklichem Ausgang eskalierte. Der nun beschuldigte Ehemann rief gegen 9.30 Uhr per Notruf die Polizei. Als die Beamten wenige Minuten später in Wahlwies eintrafen, fanden sie die Frau leblos am Boden liegend.

Pelkner schildert die Situation, als gestern die Polizei in Wahlwies einrückte: "Da haben einige schon gestutzt. Aber dass da ein Tötungsdelikt dahinter steckt, das konnte keiner ahnen." Nachdem sich die Polizeiautos sammelten und auch die Kriminalpolizei vor Ort war, sei aber der Ernst der Lage offenkundig gewesen. "Die Polizei hat das aber clever gemacht und gleich abgesperrt", sagt Pelkner, dadurch hätten mögliche Schaulustige keine Arbeit behindern können.

Dass etwas außergewöhnlich Schlimmes vorgefallen ist, sei den Bewohnern des Ortes rasch klar geworden, als am Vormittag viele Fahrzeuge mit Blaulicht durch den Ort gefahren seien, sagt eine Mitarbeiterin der örtlichen Bäckerei. Das Geschäft mit viel Publikumsverkehr liegt direkt an der Durchgangsstraße, von dort konnte sie die Fahrzeuge beobachten. Relativ bald habe sich herumgesprochen, dass die Kriminalpolizei an dem Einsatz beteiligt war. Von schockierter Stimmung unter den Menschen in Wahlwies spricht auch sie. Und setzt hinzu: "Wenn man sich überlegt, dass die Frau erwürgt wurde..."

Am Tatort herrscht wieder Alltag

Rund um das betroffene Haus hingen gestern Abend noch Absperrbänder der Polizei, die Zugänge waren versiegelt – beides ist inzwischen verschwunden. Die Spuren sind laut Polizeisprecher Schmidt gesichert und der Tatort ist daher freigegeben. Heute sieht es in der ruhigen Wohnstraße wieder nach Alltag aus. Äußerlich erinnert nichts an das, was gestern offenbar dort geschah.

Die wenigen Anwohner, die auf den Straßen zu treffen sind, können oder wollen wenig sagen: Die Tat geschah zu einer Zeit am Vormittag, als viele Menschen bei der Arbeit waren. Wenn so etwas in der Nachbarschaft passiert, sei wohl jeder schockiert, sagt eine Frau noch kurz über die Stimmung in der Wohngegend, ehe sie im Auto davonfährt.