Das Stadtfest Schweizer Feiertag ist an sich ja schon voller Glücksmomente. Doch Kulturamtsleiter Stefan Keil gelang es bei einer der letzten Veranstaltungen des langen Festwochenendes doch noch, einen draufzusetzen. Er engagierte das Magierduo Junge Junge für den Kleinkunstabend am Sonntag. Und am Festmontag gehörte das Bürgerhaus Adler Post noch einmal den kleinen Stockachern, die bei zwei Aufführungen des Kindertheaters Buchfink auf ihre Kosten kamen.

Wolfram (links) und Gernot Bohnenberger begrüßten ihr Publikum in der Adler Post mit einem Luftballon, der sie an die Schweizer Feiertage ihrer Kindheit erinnerte.
Wolfram (links) und Gernot Bohnenberger begrüßten ihr Publikum in der Adler Post mit einem Luftballon, der sie an die Schweizer Feiertage ihrer Kindheit erinnerte. | Bild: Susanne Schön

Junge Junge – dahinter verbergen sich die Brüder Gernot und Wolfram Bohnenberger. Ursprünglich kommen sie aus Hohenfels, doch haben der Arzt und der Architekt ihre Lebensmittelpunkte ins Schwäbische verlegt. Aber sie ziehen dank ihrer Gabe, Menschen auf der Bühne zu verzaubern, durch die ganze Welt.

An den vielen Erfahrungen, die sie gemacht haben, ließen sie das Stockacher Publikum teilhaben. So gab es Handybilder als witzige Fundstücke ihrer Touren. Nichts in ihrem Programm blieb unkommentiert, alles hatte einen tieferen Sinn. Doch kamen die Botschaften nicht etwa mit erhobenen Zeigefinger daher, sondern mit viel Humor, Wortwitz, charmantem Lächeln und einer brillanten Bühnenshow.

Gernot (links) und Wolfram Bohnenberger bescherten mit ihrem humorvollen und rasanten Bühnenprogramm dem Stockacher Publikum viele Glücksmomente.
Gernot (links) und Wolfram Bohnenberger bescherten mit ihrem humorvollen und rasanten Bühnenprogramm dem Stockacher Publikum viele Glücksmomente. | Bild: Susanne Schön

Wann immer der kurze Moment kam: "Ah, das kenne ich jetzt!", verblüfften die Brüder mit einer lebendigen, ungewöhnlichen Umsetzung. Dabei gewährten sie dem Publikum auch Einblicke in ihr Privatleben. So erinnerten sie sich an ihre Kindheit und den Schweizer Feiertag, den sie natürlich selbst noch von damals kennen: "Da ging es immer als Erstes zum Luftballonverkäufer."

Und schwups folgte eine Vorführung mit Luftballon und Schnur. An deren Ende sich nicht nur jeder fragte, wie sie das gemacht hatten, und ein kleiner Junge den mit Helium gefüllten Ballon geschenkt bekam. Es wusste auch der ganze Saal in der Adler Post, dass man nur gemeinsam stark ist. So halfen die Zuschauer gerne mit, wenn die charmanten Zauberer sie auf die Bühne baten.

So magisch kann Mathemathik sein

Selbst trockener Statistik und Zahlenmagie gewannen die Brüder schöne Seiten ab. "Ist es nicht romantisch, dass die meisten Umzüge aus Liebe stattfinden?" Dieser Perspektivwechsel gelang ihnen immer wieder. Auch die Einbindung neuer Medien ins Programm begeisterte die Zuschauer. Kein Wunder, dass die beiden sogar in Las Vegas ausgezeichnet wurden.

Am Montagmorgen schließlich stürmten rund 150 Kinder der Kindergärten Kleeblatt, Villa Kunterbunt, Zum guten Hirten, St. Marien und St. Leonhard das Bürgerhaus Adler Post, nachmittags kamen Familien. Dank der großzügigen Spende der Bürgerstiftung gibt es seit 2015 zum Schweizer Feiertag Theateraufführungen für die jüngsten Stockacher, für die der Eintritt frei ist. Diesmal zeigte Christoph Buchfink das Figurentheater "Josephine und Parcival".

Kulturamtsleiter Stefan Keil mit Manfred Peter, Bürgerstiftung, Puppenspieler Christoph Buchfink sowie Willi Zöller, Bürgerstiftung (von links) freuen sich über die gelungene Aufführung im Bürgerhaus Adler-Post.
Kulturamtsleiter Stefan Keil mit Manfred Peter, Bürgerstiftung, Puppenspieler Christoph Buchfink sowie Willi Zöller, Bürgerstiftung (von links) freuen sich über die gelungene Aufführung im Bürgerhaus Adler-Post. | Bild: Claudia Ladwig

Der Mann aus Göttingen ist alles in einer Person: Erzähler, Puppenspieler, Kulissenschieber und Darsteller von Bauer Kruse und Jäger Spieß. Bauer Kruse hat drei Schweinekuhlen. In der Unterkuhle ist Josephine mit ihren Kollegen nur am Fressen, Matschen und Schlafen. Sie träumt von einem besseren Leben, schleicht sich davon, um ein "mittelkuhles" oder gar ein "oberkuhles" Schwein zu werden.

Weil es ihr in den anderen Kuhlen auch nicht gefällt, flieht sie aus dem Schweinehof in den Wald, wo sie Wildschwein Parcival kennenlernt. Beide verlieben sich und genießen die Zeit auf ihrem Moosplätzchen. Die Wildschweinrotte lässt das Stadtschwein jedoch spüren, dass es anders ist, und verbietet Parcival den Umgang. Doch als Bauer Kruse und Jägermeister Spieß die Wildschweine schießen wollen, ist es Josephine, die sich auf den Jäger stürzt und alle rettet. Nun wird sie in die Gruppe aufgenommen.

Schweinedame Josephine vermittelt eine wichtige Botschaft

Die hintergründige, spannende und lustige Figuren-Fabel hat Christoph Buchfink schon vor über 20 Jahren geschrieben. "Es ist das meistgespielte meiner elf Stücke und hat gerade einen sehr aktuellen Kontext", sagt er. Ihm gefällt die Botschaft, dass Josephine durch ihre positive Grundeinstellung gewinnt und sich einen eigenen Platz im Leben schafft.

Das Stück kommt bei den Kindern gut an. Konstantin aus Wahlwies gefällt, wie Josefine den Jäger anspringt, Tizian mag Parcival, weil er Josephine sein Versteck zeigt. Und Erzieherin Tanja Terwellen vom Kindergarten St. Leonhard ergänzt, die Kinder hätten gar nicht gemerkt, dass nur eine Person auf der Bühne stand. Auch ihr selbst hat es gefallen.