Männer sind in Chören Mangelware. Das spürt nun auch der Männergesangsverein (MGV) Mahlspüren im Hegau – und steht deshalb vor seinem Ende. Den MGV gibt es seit 1966. Die aktiven Sänger sind lange dabei: Die ältesten sind über 90 Jahre alt, vier sind Mitte 80 und die übrigen in den Siebzigern. Früher waren es mal über 25 Herren, jetzt sind sie noch zu zehnt.

Josef Steinhart, der Vorsitzende des Männergesangvereins betont: „Unser großes Glück war, dass wir Martina Bennett 2001 als Dirigentin bekommen haben. Sie hat uns neuen Schwung gegeben.“ Dennoch passiert jetzt das, was sich seit Jahren schleichend angekündigt hat: Der Männergesangverein Mahlspüren im Hegau wird aufgelöst.

Zu wenig Sänger für Auftritte

„Uns war klar, dass wir irgendwann nicht mehr auftreten können. Beim Raumschaftskonzert waren wir schon zweimal nicht mehr dabei“, bedauert Josef Steinhart und erklärt: „Wenn einer von zwei Sängern in der Stimme ausfällt, ist das Risiko zu groß, so kann man nicht mehr singen.“ Im Alter seien außerdem die Stimmen nicht mehr so tragfähig wie in jüngeren Jahren.

Sie hätten sich sehr um neue Sänger bemüht. „Wir haben immer wieder Männer angesprochen, aber es ist sehr schwierig. Jüngere sind in der Feuerwehr, dem Musikverein oder haben Familien mit kleinen Kindern. Das Interesse wäre bei manchem da, aber die Zeit fehlt“, sagt Steinhart. Die Möglichkeit, sich zu einem gemischten Chor zu verändern, sei auch nicht gegeben. „Die Frauen der Sänger singen zwar zum Teil im Kirchenchor, wollen aber auch aufhören.“

Drei Liquidatoren wurden bestimmt

Auf der Hauptversammlung wurden Josef Steinhart, Klaus Arnsberger und Karl Zwanziger als Liquidatoren bestimmt, die sich um die Veräußerung des Vereinsvermögens kümmern sollen. Steinhart sagt: „Jeder schaut und fragt. Beim Vatertagsfest gab es bei uns immer Bohnen und Spätzle. Das Kochgeschirr und den Gasherd haben wir schon an Musik und Feuerwehr verkauft. Das Zelt gehört zur Hälfte der Musik. Die wird wohl unseren Anteil übernehmen. Dann gibt es noch viel Kleinzeug.“

Die vielen Noten von altem Liedgut passten eher nicht zu anderen Gesangvereinen, zumal es kaum noch reine Männerchöre gebe. Der Vorsitzende erklärt, es gebe zwei Möglichkeiten, einen Verein aufzulösen. Man könne die Auflösung dem Notariat ankündigen – dann habe man ein Jahr Zeit.

„Oder man kann den Verein auflösen, wenn kein Vereinsvermögen mehr da ist. Die Liquidatoren müssen das bestätigen und auch bekunden, dass keine Ansprüche von außen mehr bestehen.“ Diese Möglichkeit habe der MGV gewählt, denn so seien er variabel und könne die Dirigentin so lange bezahlen, wie Geld da sei.

Weitersingen in einem losen Verbund

Danach wollen die Sänger im losen Verbund weiter zusammen singen. „Das werden wir wohl handhaben wie bisher. Ich werde die Organisation zusammen mit Martina Bennett in die Hand nehmen“, sagt der Vorsitzende. Man werde nicht mehr jede Woche singen und später die Dirigentin privat bezahlen. Aber die Kameradschaft und Gemeinschaft untereinander sollten weiter gepflegt werden.

Einige Sänger singen bereits in anderen Chören mit. Steinhart selbst ist im Gospelchor Hindelwangen aktiv und hilft beim Eintracht-Chor Stockach aus. Dort singen auch Wolfgang Kreutel und Herbert Joos.