Für hunderte Schüler in Stockach und Umgebung heißt es am Montag, 10. September: zurück zur Schule. Und allenthalben wird über Lehrermangel berichtet. Wenn man mit den Leitern der großen staatlichen Schulen im Raum Stockach spricht, ergibt sich ein uneinheitliches Bild. Ein Überblick:

  • Grundschule Stockach: Auf die Lehrerversorgung angesprochen, wird bei Schulleiter Frank Sauer Unmut deutlich: "Ich kämpfe um jede Stunde", sagt Sauer. Gerade so könne seine große Grundschule die Minimalversorgung aufweisen. Deswegen dürfe er keine weiteren Lehrkräfte einsetzen, die warten und die er brauchen könnte – etwa für den Bewegungsschwerpunkt, den die Schule hat. So dürfe eine Sportkraft nicht arbeiten, die zwar keine ausgebildete Lehrerin sei, aber im außerschulischen Bereich beim Sport mit Kindern sehr erfahren sei und zuletzt an der Schule "fantastische Arbeit" geleistet habe. Folge: Die eigentlich vorgesehene vierte Sportstunde falle weg. "Das bekommen die betroffenen Mitarbeiter erst kurz vor Schuljahresbeginn mitgeteilt", sagt Sauer. Und an der Zweigstelle in Zizenhausen sei eine Gymnasiallehrerin, die sich in die Grundschulpädagogik eingearbeitet habe, nach drei Jahren nicht weiterbeschäftigt worden – ein für ihn unverständlicher Vorgang. "Sie konnte sich nicht einmal von der Klasse verabschieden. Erklären sie das mal den Eltern", so Sauer. Er sagt: "Wir haben kein Netz und doppelten Boden." Personalplanung und -entwicklung, wozu er eigentlich verpflichtet sei, sei unter diesen Vorzeichen nicht möglich.
  • Schulverbund Nellenburg: Netz und doppelten Boden, das habe auch sie bei der Lehrerversorgung nicht, sagt Beate Clot, Leiterin des Schulverbunds Nellenburg. So gebe es keine Vertretungsreserve, etwa wenn männliche Lehrkräfte für einige Monate in Elternzeit gehen. Den Kernunterricht könne sie zwar gut abdecken, aber Besonderheiten würden mitunter wegfallen – etwa Ethik in Klasse 5. Dennoch betrachtet sie ihre Schule als relativ gut versorgt, auf jeden Fall besser als im vergangenen Schuljahr. Dass es den Lehrermangel gibt, spüre man aber dennoch, zum Beispiel bei der Art von Besetzungsverfahren, bei dem sich Lehrer auf bestimmte Stellen bewerben können – den "schulscharfen Bewerbungen", wie Clot sagt: Die Zahl dieser Bewerber habe massiv abgenommen.
  • Gemeinschaftsschule Eigeltingen: Michael Wernersbach, Leiter der Eigeltinger Gemeinschaftsschule, berichtet: "Die Lehrerversorgung ist entgegen vieler anderer Medienberichte für uns im neuen Schuljahr tendenziell besser und wir blicken optimistisch in die Zukunft", schreibt er auf Anfrage. Es gebe gute Lernbedingungen für die Schüler.
  • Nellenburg-Gymnasium: Holger Seitz, der erst vor wenigen Wochen die Schulleitung am Nellenburg-Gymnasium übernommen hat, beschreibt die Lehrerversorgung an seiner Schule als vollständig. Es gebe keine Auffälligkeiten, alle Fächer seien abgedeckt.
  • Berufsschulzentrum Stockach: Auch am BSZ spüre man den Lehrermangel, schreibt Schulleiterin Claudia Heitzer auf Anfrage. Vor allem bei den naturwissenschaftlichen Fächern sei der Bedarf hoch, aber auch die Bereiche Hauswirtschaft und Ernährung sowie Pflege nennt sie als Mangelfächer. Und: "Aufgrund dieses hohen Mangels in den essenziellen Fächern für uns als Berufsschulzentrum können wir leider immer noch keine Musik- oder Kunstlehrkräfte einstellen" – obwohl diese Fächer an der Schule als elementar für die Persönlichkeitsförderung gesehen würden. Daher plädiert Heitzer dafür, Quereinstiege leichter zu machen – dabei wäre ein "langfristiges Angestelltenverhältnis" gegenüber den Menschen fair und gäbe Schulen Planungssicherheit.
  • Was übergeordnete Behörden sagen: Das staatliche Schulamt Konstanz kennt die Probleme, vor allem die Lücken, die längerfristige Krankmeldungen oder Elternzeiten reißen. Dies wurde bei der Vereidigung der Junglehrer deutlich. Das Regierungspräsidium Freiburg, in dessen Bezirk der Kreis Konstanz liegt, verbreitete in einer Pressemitteilung, dass es auf dem Land offene Stellen an Grundschulen gebe. Für den Kreis wird eine Zahl von 36 genannt. Kultusministerin Susanne Eisenmann begründet einen Teil der Probleme per Pressemeldung damit, dass Studiengänge verlängert wurden und viele Junglehrer nicht auf dem Land arbeiten wollen. Das reguläre Besetzungsverfahren läuft bis 30. September – möglicherweise gibt es Nachrücker.