Zustimmenden Applaus, aber auch kritische Fragen gab es bei der Diskussion mit Volker Kauder, dem Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion, im Bürgerhaus Adler Post. Die Veranstaltung stand unter dem Titel "Hallo Nachbar" und so begrüßte der Ortsvorsitzende Werner Gaiser "Nachbar Kauder" auf der Bühne. Vor dessen Vortrag, dem sich eine Fragerunde anschloss, lobten Gaiser und Bundestagsabgeordneter sowie CDU-Direktkandidat Andreas Jung den Fraktionsvorsitzenden und seine Arbeit. Kauder seinerseits sprach Andreas Jung später Dank für dessen Arbeit aus.

Kauder erklärte in seiner Rede, dass es wenige Tage vor der Bundestagswahl wichtig sei, Bilanz zu ziehen, aber auch zu sagen, wie es mit Deutschland weitergehen solle. Beim Blick auf andere Länder sagte er zum Beispiel in Hinblick auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, dass es unverschämt sei, wie sich dieser in den deutschen Wahlkampf einmische.

Der Fraktionsvorsitzende griff auch das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz auf und sprach Schulz' Aussage an, die Verhandlungen mit der Türkei im Fall seiner Wahl zum Kanzler abbrechen zu wollen. "Wenn jemand so seinen Emotionen freien Lauf lässt, ist der nicht als Bundeskanzler geeignet", sagte Kauder. Er ist davon überzeugt, dass die Türkei "Lichtjahre von den Werten der europäischen Union entfernt ist", aber eine seiner wichtigsten Botschaften an diesem Abend war gleichzeitig: "Klugheit kommt vor politischen Rabaukentum." Kauder habe Angela Merkel deshalb vorgeschlagen, ein Kapitel der Verhandlungen zu eröffnen, und falls Erdogan sich abwende, breche dieser ab und es sei nicht Deutschland.

Ein zentrales Thema für Kauder ist die Digitalisierung. "Sie wird die Wirtschaft und das ganze Leben verändern", sagte er und betonte, dass es wichtig sei, in Maschinen und Menschen zu investieren. Deutschland liege bei der Digitalisierung viel zu weit zurück. Deutschland habe keine Bodenschätze und "wer nichts im Boden hat, muss es in der Birne haben". In diesem Zusammenhang verwies er auch darauf, dass die CDU die einzige Partei sei, die den ländlichen Raum auf der Agenda habe. Dieser müsse attraktiv bleiben, sagte er, und führte die medizinische Versorgung und schnelles Internet als Beispiele an.

Auch die innere Sicherheit war Kauder unter den zahlreichen Themen des Abends ein großes Anliegen. Er griff den Anschlag Ende 2016 auf dem Berliner Weihnachtsmarkt auf und sprach sich dafür aus, dass die Bürger geschützt werden müssen. Mit dem neuen Gesetz, das Gefährder schneller in Haft bringe, sei er noch nicht zufrieden.

In der Fragerunde meldeten sich unter anderem Bürger, die in der Flüchtlingshilfe engagiert sind, und Andreas Jung nutzte die Gelegenheit, um allen anwesenden Ehrenamtlichen für ihre Arbeit zu danken. Kreishandwerksmeister Hans-Jörg Blender sprach an, dass es nicht genug Berufsschulplätze für Flüchtlinge gebe. Kauder antwortete ihm, dass Hilfe nötig und Sache des Bundes sei, sagte aber auch, dass es nicht einfach sei, neue Lehrer zu gewinnen. Andreas Jung warf hier ein, dass die gute Nachricht sei, dass alles schon besser gelinge, als bisher.

Eine Publikumsfrage aus dem sozialen Bereich zielte auf die Anteile der Arbeitnehmer bei den Krankenkassenbeiträgen. Kauder erklärte, wie letztere entstanden sind, und verwies darauf, dass zum ersten Mal seit 15 Jahren kein Gesetz zur Dämpfung der Kosten im Gesundheitswesen nötig sei. Als ein Bürger die Ursachen von Ausgaben im Gesundheitswesen ansprach, kam Unruhe im Saal auf und die Meinungen prallten aufeinander. Volker Kauder wies es ab, dass die Arbeit viele krank mache und nannte Jugenddiabetes als Verursacher von Milliardenkosten.

 

Geburtstagsgrüße

Der Stockacher Ehrenbürger Heinrich Wagner feierte am Montag seinen 86. Geburtstag. Er besuchte erst gemeinsam mit Andreas Jung und Volker Kauder die Ausstellung mit Werken aus seiner Kunstsammlung im Alten Forstamt und war anschließend in der Adler Post. CDU-Ortsvorsitzender Werner Gaiser und Jung sprachen Wagner auf der Bühne ihre Glückwünsche aus und Jung überreichte ein Geschenk. "Es ist eine Auszeichnung, dass er seinen Geburtstag mit uns verbringt", sagte Jung in seiner Rede und nannte Wagner "ein Juwel für die Stadt". (löf)