Miriam Stump aus Liggeringen liebt Kühe im Allgemeinen und ihre Lieblingskuh Rosine ganz besonders. Die ist schon 15 Jahre alt und wurde auf dem Erlenhof des Pestalozzi Kinder- und Jugenddorfs Wahlwies geboren. Rosine hat zehn Kälber zur Welt gebracht und der Milchwirtschaft treu gedient.

Vier ihrer Kinder – Rosi, Roswitha, Romika und Ronja leben – auf dem Hof. Miriam Stump hat sie alle ins Herz geschlossen. Als Rosine im vergangenem Herbst zum Schlachter gebracht werden sollte, war das für Miriam Stump keine Option. Die Tierschützerin wollte sie davor bewahren.

Heute genießt Rosine ihr Rentendasein glücklich und zufrieden auf der Erlenhof-Weide mit anderen Kühen. Und bekommt noch mehr Gesellschaft. Vier weitere Kühe aus dem Allgäu sollen hinzukommen, denn die Tierliebe hat weite Kreise gezogen.

Das Pensionsgeld wird von Paten bezahlet

Miriam Stump hatte vor einem Jahr Karl-Hermann Rist vom Erlenhof gefragt, ob sie ihren Liebling freikaufen könne. Der habe gleich eingewilligt, gegen ein Pensionsgeld dürfe Rosine gerne auf ihrem angestammten Hof bleiben. „Ich habe dann auf Facebook einen Aufruf gestartet und das Pensionsgeld mit sechs Paten abgedeckt“, berichtet die 40-Jährige.

Der entsprechende Betrag geht seither monatlich auf das Konto des Erlenhofs. Miriam Stump und ihr Sohn Oscar besuchen „ihre“ Kuh mehrmals pro Woche, sie hört auf ihren Namen und kommt zutraulich zu ihnen, um die mitgebrachten Äpfel und Karotten zu verspeisen.

Hilferuf aus dem Allgäu

Im Sommer las Miriam Stump dann ebenfalls auf Facebook den verzweifelten Aufruf von Hans-Peter Zeh aus dem Allgäu. Der hatte seinen landwirtschaftlichen Betrieb mit rund 14 Hektar Fläche im Jahr 2014 in einen Wohfühlhof umgewandelt, nachdem er sich entschieden hatte, aus dem Geschäft mit der Nutztierhaltung auszusteigen.

Allerdings war sein Offenstall inzwischen komplett zerstört und ihm fehlten die finanziellen Mittel und die Zeit, ihn zu reparieren. Um Geld zu verdienen, bietet er Ferien auf dem Bauernhof an. So kam Miriam Stump mit ihrer Familie mit ihm in Kontakt. „Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und Anfang Oktober war ich mit meinem Lebensgefährten dort, um das Winterquartier für die Rinder zu reparieren“, erzählt Miriam Stump.

Für neun seiner Kühe hatte er schlicht keinen Platz

Hans-Peter Zeh hat auch von anderen Tierfreunden Unterstützung bekommen, dennoch muss er neun seiner geliebten Tiere abgeben, um die anderen Tiere weiterhin versorgen zu können. Miriam Stump sagt: „Fünf der Rinder wurden vor einigen Wochen zum Gut Aiderbichl gebracht.

In Kürze wird sogar die Sendung „Hund Katze Maus“ auf dem Privatsender Vox darüber berichten.“

Die anderen vier Rinder sollten auf einen anderen Lebenshof kommen. Dieser habe Hans-Peter Zeh jedoch kurzfristig eine Absage erteilt. Weil die Geschichte des Gnadenhofbesitzers und seiner Tiere Karl-Hermann Rist vom Erlenhof und seinen Mitarbeiter Oliver Rascher so berührte, gaben sie sofort grünes Licht: Luna, Feilchen, mit F, denn Kühe bekommen stets den Anfangsbuchstaben ihrer Mutter, Walli und Sissi bekommen in Wahlwies ein neues Zuhause.

Die vier Rinder haben ebenfalls Paten, die die entstehenden Kosten übernehmen. So haben auch diese Tiere die Chance auf einen glücklichen Lebensabend als Kuh. Künftig wird die Tierfreundin Miriam Stump wohl mehr Karotten und Äpfel einpacken, um auch ihre neuen Lieblinge verwöhnen zu können.

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Über Nutztiere

Laut der international tätigen Tierschutzorganisation Vier Pfoten erwartet die als Nutztiere gehaltenen Rinder ein kurzes Leben. Die längste Nutzungsdauer mit nicht einmal sechs Jahren haben demnach Milchkühe. Noch geringer ist die Lebenserwartung von Zuchtbullen (etwa drei Jahre) und Mastrindern (knapp zwei Jahre). Ein Jungtier, das für Kalbfleisch geschlachtet wird, darf nicht einmal ein Jahr leben. Die Lebensdauer eines Mastkalbes beträgt nur acht Monate. (wig)