Jungkuh Erika ist nicht nur die schönste, sie ist auch die schnellste ihrer Art. Nach weniger als fünf Minuten beendete sie die 15. Kuhschiss-Lotterie des Narrenvereins Taubenriedgärtner mit einem Treffer auf Feld OE 14. Zahlreiche Besucher, nicht nur aus Seelfingen, sondern auch aus der Umgebung hatten das Geschehen auf dem Feld beobachtet.

Alle 2380 Lose für die Lotterie waren im Vorfeld verkauft worden. Die Narren hatten unter anderem auch ihre Bekannten und Arbeitskollegen vom Loskauf überzeugt. Manche Feriengäste seien extra zum Zeitpunkt der Lotterie angereist, berichtete Frank Thum, stellvertretender Vorsitzender der Traubenriedgärtner Seelfingen. Am Samstagmorgen ab acht Uhr waren für die Einrichtung des Spielfelds zwölf Leute im Einsatz. Sie hätten einen speziellen Wagen gebaut, mit dem gleichzeitig zwei Reihen Sägemehl ausgestreut werden können. Zunächst seien Schnüre für gerade Reihen gespannt worden. Die Felder seien bewusst willkürlich bezeichnet worden, also die Zahlen und Buchstaben nicht aufsteigend oder nach dem Alphabet. Das habe verhindern sollen, dass Loskäufer wussten, wo ihr Feld liegt.

Fleckviehzüchter Franz Käppeler hatte die rund 400 Meter lange Laufstrecke mit seiner Kuh mehrfach geübt. Bei seiner Ankunft stellte er sie als „schönste Kuh in Ilshofen, Siegerkuh aller Jungkühe“ vor. Heute werde meist auf Leistung und Funktionalität gezüchtet. Er sei sicher: „Das, was dem Tier selbst gut tut, braucht auch der Bauer“. Als Startplatz wurde das Feld E 27 ausgelost. Doch Erika hatte ihren eigenen Kopf. Erst erleichterte sich bereits vor dem Start, dann wollte sie nicht auf das vorgesehene Startfeld. „Wenn die Kuh nicht so will wie wir, lassen wir sie jetzt einfach rennen“, beschloss Narrenpräsidentin Martina Braun. Am Rand wurde spekuliert, wie oft eine Kuh am Tag „muss“. Franz Käppeler erklärte, wenn sie eine Weile gelegen habe und dann aufstehe, müsse sie meist gleich. Nun sei sie aber schon eine Weile in Bewegung. Er könne keine Prognose abgeben. Fast zeitgleich dazu – und keine fünf Minuten nach Beginn des Spiels – steuerte Erika das Feld OE 14 an und ließ ihren Fladen fallen. Damit war sie schneller als jede ihrer Vorgängerinnen. Das Reglement sieht sogar vor, den Hauptpreis auszulosen, wenn nach anderthalb Stunden nichts passiert sein sollte.

Anschließend wurden 59 weitere Preise verlost. Zu gewinnen gab es die unterschiedlichsten Dinge, zum Beispiel ein Salatbesteck, Bierfässer mit Dosenwurst, Klappboxen und Caps, Nützliches für das Auto, aber auch Gutscheine regionaler Geschäfte und vom örtlichen Gasthaus sowie ein Wochenende mit einem Auto. Ein Opa wollte gerne einen Spielzeugbagger für seinen kleinen Enkel gewinnen – er hatte Pech. Eine ältere Dame hatte die richtige Nummer, aber schon große Enkel. „Na dann müssen Sie eben auf die Urenkel warten“, scherzte Martina Braun. Susanne Otto aus Billafingen war zum ersten Mal dabei. Gewonnen hat sie nicht, aber der Abend bei der Partner-Narrengemeinde in Seelfingen habe ihr viel Spaß gemacht. Marion Haak, Sandra Stengele und Ingrid Miller vom Narrenverein Owingen hatten keine Lose gekauft. „Wir sind wegen des Festes hier. Man muss die Freundschaft ja ein wenig pflegen“, sagten sie. Nach der Verlosung hatte Martina Braun noch eine Überraschung. Fasnachtsstar Brauni aus Geisingen sei da und werde nun alle drei Lieder singen, mit denen er in den letzten Jahren beim Närrischen Ohrwurm im SWR-Fernsehen vertreten war. In diesem Jahr hat er den Wettbewerb sogar gewonnen. Kuhschiss-Lotterie und Fasnacht im Hochsommer – das gibt es eben nur in Seelfingen.

Die Gewinne

Mit den Einnahmen aus dem Losverkauf bezahlten die Traubenriedgärtner Seelfingen den Hauptgewinn (500 Euro) sowie einige der Preise. Viele Preise waren Spenden örtlicher Händler und Handwerksbetriebe. Nach Bekanntgabe des Siegerloses der Lotterie meldete sich niemand. Der Preis bleibt deshalb in den nächsten vier Wochen bei Narrenpräsidentin Martina Braun, wie andere, die noch nicht zugeordnet werden konnten. Sie wird die Nummern veröffentlichen. (wig)