In das Hotel nimmt sie keine Koffer mit. Nein, die Wildbiene hat Pollen dabei. Denn in den kleinen Löchern eines Insektenhotels will sie nicht übernachten, sondern ihre Brut ablegen. Gespannt verfolgen die Kinder des Waldorfkindergartens in Wahlwies, was in den neuen Nistkästen in ihrem Garten vor sich geht. Sie haben sie schließlich selbst gebaut – und damit beim landesweiten Forschungs- und Ideenwettbewerb "Kleine Helden" teilgenommen und den ersten Preis gewonnen. In der Kategorie Insektenhotels hätten sie die Jury besonders mit den Wildbienen-Stäben beeindruckt, erzählt Daniel Schaarschmidt-Kiener, dessen Sohn Jontes den Waldorfkindergarten besucht. Er und seine Frau Susanne Kiener pflegen den Garten und bauten mit den Kindern die Nistkästen.

Die Wildbienen-Stäbe bestehen aus einem Holzblock, der auf einer Eisenstange steckt und in den Löcher für die Larven gebohrt sind, und aus einem kleinen Dach aus Baumrinde – die Nachkommen sollten schließlich nicht nass werden, sagt Schaarschmidt-Kiener. "Man kann sie überall aufbauen. Wir haben sie in die Blumenbeete gesteckt", erklärt er. So saßen die Bienen quasi direkt an der Nahrungsquelle und seien versorgt.

Einer der von den Kindern gebauten Wildbienenstäbe.
Einer der von den Kindern gebauten Wildbienenstäbe. | Bild: Paulina Parhammer

Entdecken wieso Bienen wichtig sind

Am meisten Spaß habe er beim Bohren der Löcher gehabt, sagt der fünfjährige Jontes. Wozu Löcher? "Da sind dann neue kleine Bienen drin", weiß er und deutet auf die Löcher im Holz. Ein Großteil davon ist schon bewohnt. Die Kinder können mitverfolgen, wie immer mehr Löcher besetzt werden und wie dann die Bienen schlüpfen.

Die Kinder "entdecken den Kreislauf des Lebens und begreifen, wieso Bienen so wichtig sind", sagt Susanne Kiener. Schließlich sorgten diese für die Bestäubung der Pflanzen und somit für Nahrung. Sie und Ehemann Daniel kümmern sich um den "Sinnesgarten", wie er im Wahlwieser Waldorfkindergarten heißt. Er sei so angelegt, dass die Kinder diesen Kreislauf der Natur spielerisch lernten. "Wir säen Samen aus, versorgen die Pflanzen und ernten sie dann. Aus unseren Kürbissen machen wir im Herbst dann eine Suppe. Und morgens holen sich die Kinder zum Frühstück beispielsweise Beeren", sagt Susanne Kiener.

Das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro wollen die Bienenförderer in Saatgut für neue Pflanzen und Material für neue Nisthilfen investieren. Außerdem planen sie für das kommende Frühjahr einen Tag im Zeichen der Wildbiene. Der Kindergarten, die Schule, das Kinderdorf und auch der Rest der Gemeinde werde dann eingeladen, sich die Insektenhotels anzusehen und mehr über sie und ihre Bewohner zu erfahren.


Der Wettbewerb

Der Waldorfkindergarten in Wahlwies hat schon an mehreren Projekten zur Nachhaltigkeit teilgenommen. Dieses Mal beim Ideenwettbewerb "Kleine Helden" des Umweltministeriums Baden-Württemberg. Mit dem Wettbewerb will die Landesregierung die Lust der Kinder fördern, auf spielerische Weise Neues zu entdecken und zu erforschen. Er fand zum dritten Mal statt, dieses Mal mit den Themen "Nachhaltig Gärtnern" und "Insektenhotel" und soll auf Ressourcenknappheit, Klimawandel und Verlust der Artenvielfalt aufmerksam machen. Die Projektidee des Wahlwieser Waldorfkindergartens waren Nisthilfen mit Gründach und Wildbienen-Stäbe. Diese bauten die Vorschulkinder und stellten sie im sogenannten Kindersinnesgarten auf. Außerdem entstand ein Hummelnistkasten. Der Wahlwieser Waldorfkindergarten will es sich zum Ziel machen, den Kindern die Möglichkeit zu geben, den Kreislauf des Lebens zu beobachten. In der Kategorie Insektenhotels erhielt die Kita den 1. Preis mit einem Preisgeld von 1000 Euro und einer Sieger-Trophäe. (pmp)