Ein gewisser Adelmo Fornaciari aus Roncocesi, einem italienischen Ort zwischen Parma und Modena, gilt als Herzensbrecher. Das muss er schon in jungen Jahren gewesen sein. Wie sonst wäre seine Grundschullehrerin auf die Idee gekommen, ihm den Kosenamen Zucchero zu geben. Zumindest soll seine Musik schon entscheidenden Anteil daran gehabt haben, dass Herzen gebrochen worden sind. Dabei ist seine Musik gar nicht zuckersüß, sie erinnert eher an den Genuss, wenn der Schmerz nachlässt. Das ist seit "Senza Una Donna" so und alle, die bei Zuccheros legendärem Konzert 2004 auf dem Hohentwiel dabei waren, können das bestätigen: Genialer Musiker, genialer Sänger, genialer Herzensbrecher.

Zucchero hätte es fast geschafft, mich um das Glück meines Lebens zu bringen. 2004 bin ich durch gewisse Lebensumstände an zwei Freikarten für das Konzert auf dem Hohentwiel gekommen. Wen habe ich mitgenommen? – Nun ja, einen Kumpel, der die Leidenschaft für Italien und diesen Sänger teilt. Wen habe ich nicht mitgenommen? – Nun ja, eine junge Frau, die für Zucchero schwärmt. Was sagte Mann am Telefon, als er beseelt vom Berg herunten war: "Wenn du einmal die Chance hast, zu einem Konzert von Zucchero zu gehen, musst du unbedingt hin." Dieser Satz hatte das Potenzial, das Ende einer aussichtsreichen Begegnung zu sein. Kumpel statt Freundin zu einem Zucchero-Konzert mitnehmen, geht gar nicht, da ist das Heu unten. Und dann noch davon schwärmen. Eine Hochzeit, drei Kinder und zwölf Jahre später bietet das Leben die Chance, das Herz zu kitten. Kollege Martin Baur aus Überlingen hat sie mit einer Meldung eröffnet: "Zucchero kommt zum Salem Open Air." Zwei Karten für den 20. Juli sind bestellt, ohne Frau geht's dieses Mal nicht zum Konzert. So dumm kann selbst ein Mann zwei Mal gar nicht sein. Vielleicht habe ich Glück und meine Frau nimmt mich mit.

georg.becker@suedkurier.de