Polizei-Hauptkommissar Joachim Biller ist im Dauereinsatz. Aber im Unterschied zu seinem Berufsalltag ist er heute der Gejagte. Eine ganze Menge der über 1000 Besucher des Karrieretags hat sich am Vormittag bereits an seinem Stand informiert. "Mittlerweile könnte ich einen Happen Essen vertragen", meint Biller mit einem Augenzwinkern. Doch die Pflicht ruft – in diesem Fall der 16-jährige Julian. Der Zehntklässler will sich über das Anforderungsprofil für den gehobenen Vollzugsdienst informieren. "Eigentlich erfülle ich alle Voraussetzungen", findet er. Und da er bereits ein Praktikum bei der Polizei absolviert hat, kommen die Beiden schnell ins Gespräch.

Statt Verbrechern ist Hauptkommissar Joachim Biller heute potenziellem Polizei-Nachwuchs auf der Spur.
Statt Verbrechern ist Hauptkommissar Joachim Biller heute potenziellem Polizei-Nachwuchs auf der Spur. | Bild: Daniel Schottmüller

Besarta ist ähnlich motiviert. Nach dem Abitur möchte die Elftklässlerin gerne eine Ausbildung beginnen. "Am liebsten als Industriekauffrau", verrät sie. Nachdem die Schülerin des Radolfzeller Friedrich-Hecker-Gymnasiums heute im Berufsschulzentrum (BSZ) mit zahlreichen Ausstellern ins Gespräch gekommen ist, findet sie aber auch den Beruf der Speditionskauffrau interessant. "Ich werde mich für beides bewerben." Mit ihrer Freundin Ellinor geht Besarta jetzt in die Grundschul-Mensa. "Dort kann man sich zum Thema Auslandsjahr informieren."

Voll informiert: Besarta Haziraj und Ellinor Hejduk haben einen ganzen Stapel Infobroschüren gesammelt.
Voll informiert: Besarta Haziraj und Ellinor Hejduk haben einen ganzen Stapel Infobroschüren gesammelt. | Bild: Daniel Schottmüller

Schon seit acht Uhr steht Deborah Auer den Karrieretag-Besuchern am Stand von Siemens Rede und Antwort. Eine Beobachtung, die sie in dieser Zeit gemacht hat: "Viele fragen uns, warum der Karrieretag nicht im Herbst anstatt im Februar stattfindet." Dann hätte man die Möglichkeit, sich direkt danach zu bewerben. Auer kennt die Räumlichkeiten in Stockach bestens. "Als ich selbst Schülerin am Nellenburg-Gymnasium war, habe ich den Karrieretag auch schon besucht." Heute steht sie auf der anderen Seite. "Was sich seitdem geändert hat, ist, dass viele Schüler mit fertigen Fragebögen auf uns zukommen", berichtet sie.

Ebenfalls verändert hat sich die Größe der Veranstaltung. Etwa 100 Aussteller haben ihre Stände in der Schule, der Sporthalle und der benachbarten Mensa der Grundschule aufgebaut – das sind sogar noch mehr als im Jubiläumsjahr 2016. Osman-Nuri und Agon sind zwei von 55 Schülern des BSZ, an die sich die ausstellenden Firmen bei Fragen wenden können. Sie helfen aus, wenn Not am Mann ist. "Einige der Aussteller hatten zum Beispiel keine Steckleisten dabei", verrät Osman-Nuri. "Das haben wir gerade organisiert." Auch Organisator Andreas Maier ist zufrieden: "Alles läuft gut." Und da der Ablauf so reibungslos funktioniert habe, könnte er sich für den 27. Karrieretag vorstellen, sogar noch mehr Unternehmen zu rekrutieren.

Offizielle Stimmen

Zum Auftakt des Karrieretags sprach der Sozialdezernent des Landkreises, Axel Goßner, über den Stellenwert der Veranstaltung: "Stockach hat sich durch den Karrieretag zu einem echten Zentrum entwickelt." Der stellvertretende Schulleiter des Berufsschulzentrums, Michael Butsch, freute sich, dass man im Vergleich zu 2016 noch mehr Aussteller dazu gewinnen konnte. Das sei keine Selbstverständlichkeit: "Schließlich haben wir mit dem ehemaligen Schulleiter Karl Beirer unseren Cheforganisator verloren." Butsch zeigte sich dankbar, dass ein Freiwilligen-Team aus Lehrern und Schülern diese Lücke kompensiert habe. (das)