Vor ziemlich genau zwei Jahren ist das Karate-Zentrum Stockach mit neun Mitgliedern gestartet, seither hat sich die Zahl versechsfacht. An diesem Montag stehen rund 30 Kinder und Jugendliche in der Hägerweghalle in Stockach, allesamt weiß gekleidet und barfuß. Sie wollen die japanische Kampfkunst lernen, die Sport und Technik vereint. Dabei setzen die Trainer auf Kumite, eine neue Erscheinung des Karate – "das ist ein bisschen dynamischer und jünger", sagt Simon Mai. Der 19-Jährige ist einer der Trainer und Vereinsgründer.

Dabei beginnt ein Training meist ganz ruhig mit einem sogenannten Angruß. Die Kinder sitzen in einer langen Reihe, vor ihnen die acht Trainer dieses Abends. Die Augen sind geschlossen, die Hände auf die Beine gestützt. Nach einem kurzen Ruf kann es losgehen: Zehn Minuten Aufwärmen, dann Dehnübungen. Erst dann kommt, was viele mit Karate verbinden: Schritt- und Schlagfolgen. Rechtes Bein vor, linke Faust vor. Dazu schallt "Eye of the tiger" aus dem tragbaren CD-Player. "Kinder mögen körperliche Bewegung", sagt Vahini Chivakurunathan, die ihren Sohn Panusan beim Training beobachtet. "Karate wollte ich schon immer machen", berichtet der Achtjährige wenig später selbst. In der gleichen Halle trainiert auch die zehnjährige Mathilda Stahl mit ihrer Schwester. "Unsere Eltern wollten, dass wir uns in Selbstverteidigung üben", erzählt sie. Wie die meisten Mitglieder des Karate-Zentrums lernt sie Kampfsport neu. "Man kämpft nicht mehr, sondern trainiert zum Beispiel die Technik", erklärt Sven Mai. Er ist Simons Vater und praktiziert Karate seit mehr als 30 Jahren.

Seit September 2015 gibt es den Anfängerkurs, nach und nach soll es auch Wettkämpfe geben. "Wir werden sie jetzt langsam an Turniere hinführen." Die würden anfangs angepasst, so wird am Ball gekämpft, ein Parcours bestritten und eine Vierer-Kombination vorgeführt. "Im Frühjahr ist ein Mammutprogramm geplant", dann wollen die ersten Karate-Kämpfer einen Gürtel. "Es zieht bei den Kindern, dass wir so junge Trainer haben", sagt Sven Mai. Dennoch sei die Zukunft des Vereins gesichert: Viele studieren, bleiben aber in der näheren Umgebung.

Der Hauptaugenmerk liege immer auf der Freude am Sport. "Jedes Kind, das Sport macht, ist ein Gewinn", sagt Sven Mai. Ein Vorteil von Karate sei, dass es ein Einzelsport ist. Auslachen oder Mobbing gebe es nicht, weil es kein Team gibt, in das jemand nicht rein passen könnte. Das schließt ein Miteinander im Training aber nicht aus.

Das Zentrum

Das Karate-Zentrum Stockach trainiert Kinder bis 14 Jahren montags und mittwochs von 18 bis 19 Uhr in der Hägerweghalle. Erwachsene montags von 19 bis 20 Uhr und mittwochs von 17 bis 18 Uhr. In den Sommerferien findet kein Training statt. Der nächste Termin ist also am Montag, 12. September. Weitere Informationen im Internet unter www.karate-zentrum-stockach.de

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