Kurz vor der Europawahl hatten die Schüler des Neigungskurses Gemeinschaftskunde am Nellenburg-Gymnasium viel zu tun. Sie waren die Organisatoren der Juniorwahl, zu der alle Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen acht bis zwölf eingeladen waren. Die Wahlbeteiligung war sehr hoch. Philipp Funke vom Team der Juniorwahl nennt einen Wert von etwa 85 Prozent. 406 der 474 Wahlberechtigten haben mitgestimmt. Das lag wohl auch am Prozedere. Jede Klasse wurde abgeholt und in den Wahlraum geleitet. Dort mussten die Wählerinnen und Wähler ihre Wahlberechtigung, den Schüler- oder Personalausweis, vorzeigen, bevor sie in zwei Wahlkabinen ihr Kreuz für die Europawahl machten und die Wahlzettel in die Urnen steckten.

Mittags zählten die Organisatoren die Stimmen aus. Herausgekommen ist das folgende Ergebnis: Fast 43 Prozent wählten die Grünen, auf Platz zwei liegt mit 11,5 Prozent die CDU, die FDP kommt mit 9,1 Prozent auf Platz drei, danach folgen SPD (8,6 Prozent), Die Partei (5,4 Prozent), die Tierschutzpartei (4,2 Prozent) sowie AfD und Linke (jeweils 2,5 Prozent). Alle 40 Parteien, die zur Europawahl antreten, waren wählbar. In der Schule werden die Ergebnisse am Montag, dem ersten Schultag nach der Juniorwahl, per Aushang bekannt gemacht, erzählt Philipp Funke. Und: „Die Ergebnisse melden wir dem Initiator der Juniorwahl.“ Im Vorfeld hatte er in seinem Kurs einen Vortrag über die Kompetenzen des EU-Parlaments gehalten. Sie hätten mit ihrer Lehrerin Barbara Neubrand auch Flugzettel, Plakate und Wahlprogramme verglichen, berichteten die Schüler.

Träger der Juniorwahl ist der gemeinnützige und überparteiliche Verein Kumulus aus Berlin, der im Jahr 1998 aus einer ehemaligen Schulklasse heraus gegründet wurde. 2760 Schulen nahmen an dieser Wahl teil. Damit zählt die Juniorwahl zu den größten Schulprojekten in Deutschland. Untersuchungen zeigen, dass das handlungsorientierte Konzept der Juniorwahl nachweislich das politische Interesse und die Partizipationsbereitschaft von Jugendlichen fördert.