Abitur bestanden – und was kommt dann? Diese Frage haben drei ehemalige Schülerinnen des Nellenburg-Gymnasiums für sich auf besondere Weise beantwortet. Die letztjährigen Abiturientinnen Rhea Molkenthin, Janine Wallrabe und Mina Rein verbrachten die letzte Zeit weit weg von der Heimat. Rhea war für drei Monate in Uganda, ihre ehemaligen Mitschülerinnen waren in Ecuador und Peru.

Engagiertes Trio: Rhea Molkenthin, Janine Wallrabe und Mina Rein (v.l.). Bild: Ladwig
Engagiertes Trio: Rhea Molkenthin, Janine Wallrabe und Mina Rein (v.l.). Bild: Ladwig

Bei einem Informationsabend, an dem rund 35 Abiturienten, Oberstufenschüler und einige Erwachsene teilnahmen, sprachen die jungen Frauen über ihre Eindrücke und Erlebnisse bei ihren Freiwilligendiensten im Ausland und gaben Tipps zur Wahl einer Hilfsorganisation.

Rhea Molkenthin berichtete von der Planung ihres einjährigen Einsatzes im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) in Lateinamerika. Über das Förderprogramm „Weltwärts“ wird sie in ein paar Wochen nach Ecuador reisen und dort in einer Schule mit körperlich und geistig behinderten Kindern und Jugendlichen arbeiten. Mindestens drei Monate wird sie in einer Gastfamilie leben und Einblicke in die Kultur des Landes gewinnen, danach möchte sie eventuell in eine WG ziehen.

Mina Rein (l.) und Janine Wallrabe (von links) während ihrer Zeit in Ecuador, wo sie sich für ein Hilfsprojekt arbeiteten. Bild: privat
Mina Rein (l.) und Janine Wallrabe (von links) während ihrer Zeit in Ecuador, wo sie sich für ein Hilfsprojekt arbeiteten. Bild: privat

Ihr Anliegen ist klar: „Sich ein Jahr intensiv engagieren, Einblicke gewinnen und dazu Spanisch lernen“, zählt sie auf. Vor Ort wird sie von einer Mentorin betreut werden. Auch gemeinsame Unternehmungen mit anderen Freiwilligen und ein zweiwöchiges Zwischenseminar stehen während der FSJ-Zeit an.

Arbeit im Kinderheim

Bis sie die Stelle hatte, waren viele Aufgaben zu erledigen. Im Sommer letzten Jahres hatte sie sich beim Internationalen Bund mit einem Motivationsschreiben beworben und einen Fragebogen ausgefüllt. Es folgten ein Kennenlernseminar sowie weitere Bewerbungen und die Entscheidung für die Einsatzstelle.

Rhea Molkenthin während ihres Aufenthalts in Uganda. Foto: Jan Worzelberger.
Rhea Molkenthin während ihres Aufenthalts in Uganda. Foto: Jan Worzelberger.

Rhea Molkenthin beschrieb die aufwändige Vorbereitung: Dokumente wie polizeiliches Führungszeugnis und beglaubigte Übersetzungen sammeln, ein einwöchiges Praktikum und einen Erste-Hilfe-Kurs absolvieren, ein Visum beantragen und sich um die medizinische und rechtliche Vorsorge kümmern. Auch einen 100-stündigen Sprachkurs musste sie machen.

Zeit senkt Abi-Schnitt und gilt als Wartesemester

Durch ihren Einsatz entstünden Gesamtkosten von rund 11.000 Euro, die zu 75 Prozent von Weltwärts übernommen würden, erklärt Rhea Molkenthin. Der Rest müsse durch die Entsendeorganisation, sie selbst oder mit Hilfe von Spenden finanziert werden. Mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr könne man seinen Abitur-Durchschnitt für eine Bewerbung um einen Studienplatz um 0,2 Punkte verbessern, sagte sie. Außerdem werde die Zeit als Wartesemester angerechnet und der Kindergeldanspruch bleibe bestehen.

Das Sprachengewirr Ugandas

Sie erzählte auch von ihrem Einsatz in Uganda, wo sie über den deutschen Partnerverein der Organisation „Our Children and our Future“ mit drei anderen Freiwilligen in einem Kinderheim und in Schulen arbeitete. In Uganda gibt es 33 offizielle Landessprachen, eine der am meisten gesprochenen sei Luganda. „Ein paar Worte habe ich gelernt“, sagte sie, fügte aber hinzu, die Unterrichtssprache ab der vierten Klassen sei Englisch, dadurch habe es keine Verständigungsprobleme gegeben.

Rhea Molkenthin war zeitgleich mit drei anderen Freiwilligen in Uganda. Foto: Andrew Lugonjo
Rhea Molkenthin war zeitgleich mit drei anderen Freiwilligen in Uganda. Foto: Andrew Lugonjo

Janine und Mina betreuten in Ecuador nachmittags Kinder in einer öffentlichen Bibliothek. Die Aktivitäten durften sie selbst gestalten. Ihre Freizeit nutzten sie für Ausflüge und zur Organisation ihres Alltags. Die Kosten für Miete und Essen in Höhe von rund 300 Dollar pro Monat mussten sie selbst tragen.

Einsatz für kranke und behinderte Kinder

Sie hatten für ihren Einsatz im Internet recherchiert und direkt über die Internetseite der Organisation Fundación Arte del Mundo Kontakt aufgenommen. In Peru, wo sie anschließend waren, halfen Janine und Mina über die Villa La Paz Foundation im Projekt der Hogar San Francisco de Asis kranken oder behinderten Kindern bei den Mahlzeiten oder gestalteten deren Freizeit. Sie begleiteten die Kinder auch zu Krankenhausaufenthalten.

Janine Wallrabe und Mina Rein (von links) bei einem Ausflug in Ecuador. Bild: Privat
Janine Wallrabe und Mina Rein (von links) bei einem Ausflug in Ecuador. Bild: Privat

Für ihre Unterkunft entstanden hier keine Kosten, nur Flug und Freizeitgestaltung mussten sie bezahlen. Auch für ihren Peru-Einsatz hatten sie sich lediglich per Mail beworben. Informationen außerhalb der Homepage hätten sie über soziale Medien erhalten, sagten sie. Sie stellten Vor- und Nachteile von größeren und kleinen Organisationen vor, gaben Tipps zur Vorbereitung und zur Finanzierung.

Das Trio ermuntert zum Nachmachen

Alle drei jungen Frauen empfahlen Freiwilligendienste im Ausland: „Es ist ein einmaliges Erlebnis. Man lernt sich selbst besser kennen und überlegt sich, wie man sich in der Welt bewegen möchte“, sagt Rhea Rhea Molkenthin. „Es stärkt einen und ist toll, wenn man sagen kann, was für eine Wahnsinnserfahrung man gemacht hat.“ Die Zeit direkt nach dem Abitur sei bestens geeignet, um andere Kulturen und Länder kennenzulernen, sich beruflich zu orientieren und Anerkennung zu finden.