Eine Jagd ist ein schwieriges Geschäft. Diesen Eindruck bekommt man, wenn man sich mit Kurt Kirchmann, Kreisjägermeister im Landkreis Konstanz, über die Drückjagd am Sonntag unterhält.

Denn die Tiere sind clever, die Autofahrer undiszipliniert und auch an Tierschützer, die eine Jagd möglicherweise stören wollen, muss man denken – abgesehen von der Bürokratie, die einer Jagd vorausgeht. Kirchmann lebt in Mühlingen und war viele Jahre selbst Jagdpächter in der Gemeinde. Auch bei einigen Jagden war er schon selbst mit seinen Hunden als Treiber dabei.

Dabei war die Aktion bislang einmalig. Denn eine Drückjagd, die über Landkreisgrenzen hinweg reicht, hat es in dieser Form noch nie gegeben. Die Zahl der beteiligten Jäger schätzt Kirchmann auf etwa 200, hinzu kommen Treiber und Hunde. Gejagt wurde in einem Gebiet nördlich von Stockach, das sich von der Ortschaft Windegg in nördlicher Richtung bis in den Landkreis Tuttlingen erstreckte. Dafür war vor allem die Bundesstraße 14, die Stockach mit Tuttlingen verbindet, für mehrere Stunden gesperrt. Aber auch alle nur erdenklichen Nebenstrecken wurden akribisch mit Schildern und Straßensperrungen abgesichert. Dies diente letztlich der Sicherheit der Autofahrer, so Kirchmann.

Neue Druckjagdstände wie diese wurden in vielen Revieren aufgestellt, um einen sicheren Schuss abzugeben. Hierbei spielt der erhöhte Stand des Schützen eine wichtige Rolle. Wenn die Kugel ihr Ziel verfehlt, bleibt sie im Boden stecken, statt unkontrolliert weiterzufliegen.
Neue Druckjagdstände wie diese wurden in vielen Revieren aufgestellt, um einen sicheren Schuss abzugeben. Hierbei spielt der erhöhte Stand des Schützen eine wichtige Rolle. Wenn die Kugel ihr Ziel verfehlt, bleibt sie im Boden stecken, statt unkontrolliert weiterzufliegen. | Bild: Doris Eichkorn

Denn wenn durch die Jäger aufgescheuchte Wildtiere auf die Straße laufen, kann es zu Wildunfällen kommen – abgesehen von den Schüssen, die bei einer Jagd eben auch fallen. Trotzdem habe es uneinsichtige Autofahrer gegeben, die die Straßensperrung einfach umfahren und auch auf die Hinweise von Helfern nicht reagiert hätten. Mitunter gab es unschöne Diskussionen. „Dies können wir so nicht tolerieren und werden dies zur Anzeige bringen“, so der zuständige Leiter des Konstanzer Kreisforstamts, Bernhard Hake, der am Sonntag die Jagdleitung für die staatlichen Flächen hatte.

Wildschweine sind findig bei der Flucht

Bislang sei bei keiner Jagd, die er organisiert habe, etwas schiefgegangen, sagt Kurt Kirchmann. Doch ohne die Autofahrer wäre der Jagderfolg größer gewesen, so die Einschätzung des Kreisjägermeisters. Das Hauptziel der Drückjagd seien Wildschweine gewesen, sagt er: „Das ist eine der intelligentesten Tierarten überhaupt.“ Die Tiere hätten nämlich speziell auf Autos gewartet, die auf den Straßen eigentlich gar nicht hätten fahren dürfen, um in deren Schutz über die Straße zu flüchten.

Auf die Wildschweine hatten es die Jäger abgesehen, weil es Sorgen wegen der Afrikanischen Schweinepest gibt (siehe Text unten). Außerdem verursachen die Tiere regelmäßig Schäden an landwirtschaftlichen Nutzflächen. Der Bestand an Wildschweinen sei derzeit stark, weil über den Winter viel Futter im Wald zur Verfügung gestanden habe. „Alle Populationen sind durchgekommen“, sagt Kirchmann.

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So gingen denn die Jäger und Treiber am Sonntag ans Werk. Jedem Schützen werde dabei ein Stand und eine Schießrichtung zugewiesen, erzählt Kirchmann, um Gefahren zu vermeiden. Die Treiber mit ihren Hunden scheuchen dann die Wildtiere auf und treiben sie den Schützen vor die Flinten. Die Schützen müssen dabei höher sitzen, damit Kugeln, die ihr Ziel verfehlen, im Waldboden stecken bleiben und nicht unkontrolliert weiterfliegen.

Nach der Jagd: Neben den Wildschweinen waren auch Rehe im Visier der Jäger – wegen der Wildschäden im Wald.
Nach der Jagd: Neben den Wildschweinen waren auch Rehe im Visier der Jäger – wegen der Wildschäden im Wald. | Bild: Doris Eichkorn

37 Wildschweine habe man nun erlegt, eine Gefährdung des Bestandes gebe es dadurch nicht. Im Visier der Jäger waren aber auch Rehe. In diesem Fall habe das Kreisforstamt in Konstanz beantragt, diese ebenfalls zu bejagen, da die Tiere Schäden im Wald verursachen – der ohnehin schon mit dem Klimawandel zu kämpfen habe. Dafür habe das Ministerium für Ländlichen Raum (MLR) in Stuttgart die Genehmigung geben müssen, denn in diesem Maßstab sei die Jagd auf Rehe an einem Sonntag sonst nicht zulässig, erklärt Kirchmann. 28 Rehe wurden geschossen, und auch zehn Füchse. Bei den Füchsen gebe es große Ansteckungsgefahr durch Räude und Staupe, so Kirchmann, ein krankes Tier sei am Sonntag aber nicht dabei gewesen.

Und die Tierschützer? Man müsse immer mit Jagdstörern rechnen, sagt Kurt Kirchmann. Deswegen habe er den Termin für die Jagd auch nur kurzfristig bekanntgeben wollen. Am Sonntag sei nun kein Aktivist aufgetreten, der die Jäger stören wollte. Und auch den Einwand, dass eine solche Jagd inhuman sei, könne er nicht nachvollziehen, sagt der Kreisjägermeister. Einerseits würde man nur Hunde mit kurzen Läufen einsetzen, die die Schweine nicht zu lange hetzen. Andererseits gälten strenge Regeln. Muttertiere dürften beispielsweise nicht geschossen werden. Aus ähnlichen Erwägungen habe man auch die Jagd auf Rehe gleich angeschlossen. Denn durch die Treiber sei das Wild ohnehin schon in Bewegung, so Kirchmann. Wildbiologisch gesehen sei es da sinnvoll, mehrere Tierarten zu bejagen. Und schließlich hätten die Jäger bei Nachsuchen auch alle angeschossenen Tiere gefunden.

Die Schweinepest

Die afrikanische Schweinepest ist eine Tierseuche, die ursprünglich auf Afrika beschränkt war, so Informationen des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI), des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit. Seit einigen Jahren breitet sich die Krankheit aus, etwa nach Osteuropa und Belgien. Das FLI bewertet das Risiko einer Einschleppung durch kontaminierte Fleischerzeugnisse entlang der Fernstraßen als hoch. Die Sorge ist, so Kreisjägermeister Kurt Kirchmann, dass die Krankheit auch auf Hausschweine übertragen wird. Die Krankheit verläuft für die Tiere fast immer tödlich, so das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz. Auf den Menschen ist sie nicht übertragbar.