Computerspiele gehören für viele Jugendliche zum Alltag dazu. Im Rahmen eines Workshops in der Stadtbücherei Stockach können einige von ihnen nun mehr über die Entstehung der Spiele erfahren und selbst zum Designer werden.

Büchereileiterin Gabriele Gietz wurde auf den Workshops aufmerksam, den die Stiftung digitale Spielekultur anbietet, und setzte sich zusammen mit Frank Dei von der Stadtjugendpflege mit ihr in Verbindung. Die Stiftung finanziert nicht nur den Workshop, sondern stellt auch die Tablets, auf denen die Jugendlichen arbeiten. Sie führte zudem die Bücherei mit den Medienpädagogen Dejan Simonovic und Andre Wruszczak zusammen, die die jungen Teilnehmer während des Workshops anleiten.

Mit ihrem Spiel beweisen Robin Claus, Niklas Schäffer, Louis Claus und Adrian Schnell (von links) Humor. Ihr laktoseintoleranter Bösewicht kann nur mit Milch besiegt werden.
Mit ihrem Spiel beweisen Robin Claus, Niklas Schäffer, Louis Claus und Adrian Schnell (von links) Humor. Ihr laktoseintoleranter Bösewicht kann nur mit Milch besiegt werden. | Bild: Marinovic, Laura

In vier Tagen entwerfen die 17 Jugendlichen zwischen elf und 16 Jahren ihr eigenes Spiel. Zugrunde liegt das Design-Werkzeug "Bloxels", mit dem sie aus bunten Bausteinen eine Spielewelt und dazugehörige Spielcharaktere zusammensetzen können. Dazu gehört auch, die Bewegungen der Figuren zu animieren: Indem wie bei einem Daumenkino mehrere Bilder schnell hintereinander abgespielt werden, sieht es so aus, als würde der Spielcharakter beim Gehen oder Springen tatsächlich die Beine bewegen. "So können sie ein ganz simples, logisches Spiel bauen", erklärt Andre Wruszczak. Das Spiel muss zudem einer festgelegten Handlung folgen und eine Geschichte darstellen. Damit soll die Kreativität der Jugendlichen und die Kooperation innerhalb der Gruppen gefördert werden. Und kreativ sind die Teilnehmer allemal – und beweisen dabei auch Humor. So arbeitet der elfjährige Robin zusammen mit seinen Teammitgliedern Louis, Niklas und Adrian an einem Spiel, bei dem ein Abenteurer versucht, einem laktoseintoleranten Bösewicht einen Schatz abzujagen. Dieser kann nur durch einen Stoß in ein Becken voll Milch besiegt werden. "Es ist toll, dass man sein eigenes Spiel erstellen kann, wie man es möchte", freut sich Robin.

Das könnte Sie auch interessieren

Aber auch mit den kritischen Themen Spielsucht und Gewalt in Spielen wollen sich Wruszczak und Simonovic gemeinsam mit den Teilnehmern auseinandersetzen. Am ersten Tag des Workshops wurde somit nicht nur über die bevorstehende Aufgabe, sondern auch über den verantwortungsvollen Umgang mit Computerspielen gesprochen – mit Erfolg, wie Dejan Simonovic sagt: "Man merkt, dass eine kritische Reflektion gut angenommen wird."

Gabriele Gietz könnte sich gut vorstellen, den Workshop auch in Zukunft wieder anzubieten. Die Finanzierung und die Betreuung seien jedoch problematisch, denn Medienpädagogen seien selten.

Auch die Jugendlichen zeigen sich begeistert. "Das Kreative ist super. Es macht Spaß, das nicht alleine, sondern im Team zu machen", sagt der zehnjährige Yannick, der mit seiner Gruppe einen Astronauten entworfen hat, der seine Ausrüstung zurückerlangen muss.

Präsentation: Am Samstag, 9. März, stellen die Jugendlichen von 14 bis 16 Uhr ihre Spiele in der Bücherei zum Ausprobieren vor.