Mehrere große Ausstellungen, drei Kunst/Antiquitäten/Nostalgie-Geschäfte mit fünf Standorten, eine Privatgalerie am Gustav-Hammer-Platz und die Barock-Oberstadt selbst: Was in Stockach bisher eher kleinen Raum eingenommen hat, ist vor allem in den vergangenen Wochen stark gewachsen – und zieht mehr Besucher und Kunden an. Dass es immer wieder Ausstellungen gibt, ist natürlich nichts Neues, doch die Kunstsammlung von Heinrich Wagner wollten Tausende sehen und sie brachte damit gleichzeitig mehr Frequenz in die Oberstadt. Und im derzeitigen Wandel der Geschäftswelt in der Hauptstraße hat die Oberstadt ein ganz neues Feld gewonnen: Hochwertige Antiquitäten und Kunstwerke aus den Jahren 1700 bis etwa 1900. Die einen nennen es Nische und fragen, ob sich das in Stockach halten kann – die anderen sind begeistert und sehen ein Alleinstellungsmerkmal, das Kunden anzieht.

Wird Stockach nun zunehmend eine Stadt der Kunst? "Vielleicht noch nicht, aber es ist bemerkenswert, dass sich in Stockach in dieser Hinsicht derzeit einiges tut", antwortet Johannes Waldschütz, Leiter des Stadtmuseums. "Vielleicht hat es diesen Sommer aber eine neue Qualität angenommen." Die Wagner-Ausstellung geht in diesen Tagen zuende und die Besucherzahl nähert sich der 4000. "Viele von ihnen sind auch durch die Stockacher Oberstadt geschlendert und haben vielleicht Thomas Warndorfs Bilder in der VHS gesehen. Andere sind vielleicht vor den Schaufenstern mit Antiquitäten stehen geblieben", sagt Waldschütz. Er freue sich, wenn das Stadtmuseum Einheimische, Leute aus dem Umkreis und Touristen in die Altstadt lockt und will "diesen erfreulichen Erfolg" in den kommenden Jahren fortsetzen.

Stadtmuseumsleiter Johannes Waldschütz und Chagalls Carmen-Lithografie aus der Wagner-Sammlung. <em>Archivbild: Freißmann</em>
Stadtmuseumsleiter Johannes Waldschütz und Chagalls Carmen-Lithografie aus der Wagner-Sammlung. Archivbild: Freißmann | Bild: Stephan Freißmann

Zum Beispiel mit der zweiten Auswahl aus der Wagner-Sammlung, die im Jahr 2019 zu sehen sein wird. "Vielleicht wird Stockach in den nächsten Jahren eine Kunststadt: Gute Voraussetzungen gäbe es jedenfalls und mich würde es freuen."

Zunächst starten noch in dieser Woche gleich zwei neue Ausstellungen in Stockach: Marina Di Bartolomeo stellt ab Freitag, 29. September, 19 Uhr, ihre Bilder in den Räumen der Stadtwerke aus und die Montagsmalgruppe um Roland Kamenzin zeigt ihre Werke ab Samstag, 30. September, 10 Uhr, im Badischen Hof.

Was Antiquitäten angeht, sagen Wolfgang Kunicki und Fritz Metterhauser, dass die Nachfrage da sei. Der Pfarrer und der Unternehmensberater sind die Köpfe hinter Kunsto Limited Antiques, dem neuen Geschäft, das in der Kaufhausstraße im ehemaligen Blumengeschäft eingezogen ist und nun auch noch eine Verkaufssausstellung in der Hauptstraße im ehemaligen Gemischwarenladen List (zuletzt Schuhgeschäft und Fahrschule) eingerichtet hat. Zuvor hatte außerdem im ehemaligen Marco in der Hauptstraße, der seit Jahren leer steht, die Fundgrube am Dillplatz eine Möbelausstellung eingerichtet.

"Es gäbe noch mehr interessante Geschäftszweige, die man in Stockach unterbringen könnte. Es braucht nur Mut", sagt Kunicki. In Hinblick auf das Spektrum in Stockach und Leerstände lobt er auch den Verein Handel, Handwerk und Gewerbe, der alles mit Initiativen und Ideen vorantreíbe. Außerdem sieht er als sehr positiv an, dass gestandene Geschäfte in schweren Zeiten den Mut nicht verloren haben. "Es ist sensationell, dass die Stadt wieder ins Blühen kommt." Jedes Geschäft, das nur einen Besucher mehr in die Stadt bringe, schaffe es, dass mehr Leben hineinkomme. Speziell zu den Antiquitäten ergänzt Kunicki, dass es eine Stadt auch attraktiver mache, wenn sie etwas Selteneres habe. "Jeder Kunde, der kommt, braucht auch noch etwas anderes", sagt Fritz Metterhauser.

Für Kunicki und Metterhauser sind die Antiquitäten und Kunstwerke eher eine Herzensangelegenheit als ein reines Geschäftsmodell. "Er hat einen Faible für Antiquitäten", sagt Fritz Metterhauser über seinen Geschäftspartner. Die beiden hatten die Chance, einen größeren Pool an historischen Möbeln zu kaufen, schlugen zu und entwickelten die Idee für den Handel. Als die beiden feststellten, dass in der Kaufhausstraße eigentlich zu wenig Platz ist, ergab sich in einem Gespräch mit Veronika List die Erweiterung am Ende der Hauptstraße. "Was wir haben, ist keine Massenware", erklären die beiden. Es seien gefragte Einzelstücke, die auch sehr gut zur Stockacher Oberstadt passten, da diese im Jahr 1704 nach einem Brand komplett im Stil des Barock neu errichtet worden war. Es gehe auch ein bisschen in Richtung Marktlücke, denn solche Antiquitätengeschäfte gebe es nicht so oft.

Es habe schon Lob von Kunden gegeben und das mache Mut, weiterzumachen. Anders als in modernen Möbelhäusern spielt auch die Beziehung zu den Objekten eine Rolle. "Manche kommen und schauen sich mehrfach etwas an. Irgendwann schlagen sie dann zu", erzählt Metterhauser. Im einen oder anderen Schrank mit vielen Schubladen und Türen verbirgt sich auch mal ein Geheimfach – ein versteckter Einsatz unter einer Schublade zum Beispiel oder eine Metallbox hinter einer verkürzten Schublade.

Neben den Möbeln hängen und stehen bei Kunsto auch Gemälde, zum Beispiel eine Rembrandt-Kopie aus dem 19. Jahrhundert. "Eine Frau kommt immer wieder und schaut sie sich an", erzählt Metterhauser. Und es gibt auch mehrere Bilder von traurigen Clowns, eine Werk-Art, die momentan sehr gefragt sei, sagen Kunicki und Metterhauser. Modernere Werke stehen sogar schon etwas länger nur ein Haus neben der Verkaufsausstellung von Kunsto Limited. In "Hautnah", der früheren Drogerie Trinkner, gibt es neben Dingen für die Schönheit und Gesundheit in einem Bereich des Ladenlokals auch Kunstwerke zu bestaunen und kaufen. Die Bilder seien von einem Verwandten, der auch eine Galerie in Heidelberg habe", erzählt die Inhaberin.

 

 

Stockachs erste Galerie

Zwischen 2002 und 2007 hatte Stockach auch die erste und damals einzige Kunstgalerie an der Ecke Salmannsweilerstraße/Kaufhausstraße – die Galerie "brUNO". Ihr Name war nicht nur der Vorname des Betreibers Bruno Löffler, sondern auch ein Wortspiel. Uno ist das italienische Wort für eins, also Stockachs erste Galerie, in der auch Kurse und literarische Lesungen stattfanden. Sie schloss kurz nach dem fünfjährigen Bestehen, weil Bruno Löffler unerwartet verstarb. (löf)