Herr Hubov, die Musikschule Stockach wird in diesem Jahr 40 Jahre alt, sie selbst sind seit 30 Jahren ihr Leiter. Was waren Ihre schönsten Momente in dieser Zeit?

Das möchte ich eigentlich gar nicht an einzelnen Ereignissen festmachen, auch wenn Konzertreisen wie nach Toronto im Jahr 1989 natürlich schön sind. Aber eigentlich ist meine schönste Erfahrung immer wieder, wenn man nach einiger Zeit frühere Schüler wieder trifft, die dann sagen: Mensch, das war eine tolle Zeit in der Musikschule und ich habe viel gelernt. Denn das ist ja unsere Aufgabe, die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen abzuholen und ihnen die Freude an der Musik zu vermitteln.

Und was waren traurige Momente?

Solche Erinnerungen habe ich nicht gespeichert. Langfristig kann man sagen: Es ist noch immer alles gut gegangen, auch auf Konzertreisen.

An Konzertreisen verzeichnet die Chronik der Musikschule einige für die früheren Jahre, in der letzten Zeit eher weniger. Woran liegt das?

Da kann man eigentlich nur sagen: So ändern sich die Zeiten. So viele Konzertreisen wie früher kann man einfach nicht mehr machen, das funktioniert so nicht mehr. Wahrscheinlich sind Reisen für die Musikschüler nicht mehr so attraktiv, weil sie mit ihren Eltern schon viele Urlaubsreisen unternehmen.

Wie ist das Jahr bisher gelaufen und welche Aktivitäten sind noch bis zum Ende des Jahres geplant?

Unser Konzert zum 40-Jährigen im April war das größte Ereignis und ein voller Erfolg. Und am folgenden Tag hatten wir einen Tag der offenen Tür, an dem viele Kinder mit ihren Eltern da waren, um die Instrumente auszuprobieren und ein bisschen in die Musikschule hineinzuschnuppern – was bei uns aber eigentlich ohnehin das ganze Jahr über geht. Ein Lehrerkonzert und ein Vorspielnachmittag kommen noch.

Sie leiten auch die Stockacher Stadtmusik, ein Orchester für symphonische Blasmusik. Ist die Musikschule eine erweiterte Ausbildungsabteilung für das große Orchester?

Nein, das ist sie natürlich nicht, auch wenn beide Einrichtungen gut zusammenarbeiten. Früher gab es mal einen Konkurrenzkampf zwischen Stadtmusik und Musikschule, jeder hat sich gegenseitig die Kinder und Jugendlichen streitig gemacht. Nach einer Weile ist die Stadtmusik dann wegen einer Zusammenarbeit auf mich zugekommen, ich habe ein Probedirigat gemacht und wurde der Leiter. Inzwischen gibt es keine eigene Jugendarbeit mehr bei der Stadtmusik. Und in dem Maß, in dem die Stadtmusik wuchs und ihr Niveau steigerte, wurde sie natürlich auch attraktiver für die Musikschüler, aus denen sich die Stadtmusik dann aufgebaut hat. Und seit Jahren tritt das Orchester mit Top-Solisten auf, zuletzt waren wir auf Konzertreise nach New York mit einem Auftritt in der Carnegie Hall – das ist natürlich ein Vorbild für viele Musiker, die da hin wollen. Wenn man so will, sind wir aber auch die Ausbildungsabteilung für Chöre oder andere Musikvereine, wo unsere Schüler auch dabei sind. Und unser Angebot an Instrumenten ist sehr breit, wir haben viele Klavier- und Gitarrenschüler und es gibt ein Streichensemble, auch wenn das Bläserische natürlich unser Aushängeschild ist, besonders über die drei Orchester der Musikschule.

Die Chronik der Musikschule verzeichnet neben dem Jugendblasorchester, das weiterhin auftritt und das Sie nach wie vor leiten, auch eine Jugend-Bigband. Was ist daraus geworden?

Die gibt es leider nicht mehr, was richtig schade ist. Das war eine tolle Truppe mit breit gefächertem Repertoire, Count Basie, Glenn Miller, Jazz, Funk Soul. Die Bigband hat auch Platten aufgenommen. Beim Schweizer Feiertag haben wir früher oft lange Auftritte mit dieser Gruppe gehabt. Und wir haben auch andere Konzerte gegeben, zum Beispiel im Tivoli in Kopenhagen. Als ich hier angefangen habe, habe ich die Jugend-Bigband selbst geleitet, was dann neben den anderen Orchestern und verschiedenen Gastdirigaten zu viel wurde. Es gab dann mehrere andere Dirigenten der Jugend-Bigband und irgendwann hat sie sich aufgelöst. Dazu muss man aber auch sagen, dass der Jazzbereich inzwischen im Vergleich zu früher eigentlich total eingeschlafen ist. Es gibt viel weniger Auftrittsmöglichkeiten und speziell bei Festen sind die Auflagen so hoch, dass die Veranstalter kein Risiko mehr eingehen wollen. Auch hier ändern sich die Zeiten.

Auch beim Jugendblasorchester hat sich einiges getan.

Das hieß früher Jugend-Trachtenorchester, die Musiker sind in Trachten und Uniformen aufgetreten. Das wollten wir nach einer Weile nicht mehr – ganz abgesehen davon, dass eine Musik-Uniform auch ziemlich teuer ist. Seit 1991 heißt diese Gruppe nun Jugendblasorchester.

Die Musikschule heißt ausdrücklich nicht Jugendmusikschule. Wie viele erwachsene Schüler gibt es denn bei Ihnen?

Ursprünglich hieß die Einrichtung mal Jugendmusikschule. Das haben wir dann abgeschafft, weil wir uns an alle Altersgruppen wenden wollten. Heute haben wir natürlich keine Massen von Senioren, die auf ihre alten Tage noch ein Musikinstrument lernen wollen. Aber es gibt durchaus die 60-jährigen Schüler.

Allerdings hört man immer wieder, dass man ein gewisses Niveau auf einem Instrument nur erreichen kann, wenn man damit schon in der Kindheit anfängt – am besten in der früheren Kindheit.

Wenn man früh anfängt, hat man natürlich einen größeren Vorsprung beim Üben, und davon hängt einiges ab. Aber auch wer erst im Erwachsenenalter anfängt, kann noch wirklich gut auf seinem Instrument werden. Und was Alter und Musik angeht: Viele Topmusiker sind durch die Musik bis ins hohe Alter fit geblieben.

Fragen: Stephan Freißmann

Person und Einrichtung

  • Zur Person: Helmut Hubov, 57, stammt aus Lugosch in Rumänien. In Rumänien hat er sich auch zum Trompeter ausbilden lassen. In den 1980er-Jahren kam er mit seinen Eltern nach Deutschland. In Singen habe ihm jemand den Tipp gegeben, dass der Stockacher Musikschulgründer Willi Müller einen Nachfolger suche, wie Hubov erzählt. Neben der Arbeit in Stockach habe er in Trossingen, Zürich und Lausanne Dirigieren und Komposition studiert. Außerdem leitet Hubov seit 1989 die Stadtmusik Stockach.
  • Zur Musikschule: Die Musikschule ist im früheren Sparkassengebäude in der Stockacher Oberstadt untergebracht. Leiter Helmut Hubov ist der einzige Festangestellte, die Lehrer arbeiten auf freiberuflicher Basis, wie er erklärt. Getragen werde die Musikschule von der Stadt, so Hubov, Unterstützung gebe es auch von der Bürgerstiftung. Hubov leitet drei Musikschul-Orchester für die verschiedenen Altersgruppen, nämlich das Gruppenspiel, das Schulorchester und das Jugendblasorchester. Außerdem gibt es ein Streichensemble. (eph)