Ein besonderer Auftritt und eine besondere Begegnung – die zurückliegenden Tage im Leben von Helmut Hubov verdienen diese Beschreibung. Denn Hubov, Dirigent der Stadtmusik und Leiter der Musikschule in Stockach, durfte für Papst Franziskus, zahlreiche Kleriker aus dem Vatikan und etwa 35 000 Pilger auf dem Petersplatz in Rom Musik machen und danach kurz mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche sprechen. Anlass war eine Reise der Stadtharmonie Winterthur-Töss, die Hubov ebenfalls leitet, nach Rom, die auf Einladung der Schweizer Garde des Papstes stattfand.

Vor den etwa 35 000 Besuchern aus aller Welt spielten die mehr als 50 Musiker, unter denen mit Benedikt Hubov und Günter Velten auch zwei Stockacher waren, Gospels, Hymnen und populäre Musik. Was gehörte zum Repertoire? Zum Beispiel habe man für den aus Argentinien stammenden Papst einen Tango gespielt, aber auch Musik von Carl Jenkins, erzählt Hubov. Das Publikum spendete begeisterten Applaus, beschreibt Velten seine Eindrücke. Zudem habe Radio Vatikan den ganzen Petersplatz mit der Musik beschallt und diese auch live übertragen. "Das gibt es nur selten", freut sich Hubov im Gespräch über die Auszeichnung, die das eigentlich bedeutet.

Die Einladung der Musiker kam durch persönliche Beziehungen zwischen dem Winterthurer Orchester und der Schweizer Garde zustande, erzählen Velten und Hubov: Einer der Winterthurer Musiker habe bis vor wenigen Jahren in der Schweizer Garde gedient. Lob für die Musik gab es am Ende von höchster Stelle: Nach der Generalaudienz habe Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses, diesen früheren Gardisten in die Präfektur holen lassen und ausgerichtet, dass der Auftritt dem Papst sehr gut gefallen habe, erinnert sich Günter Velten. Und Helmut Hubov fügt an, dass am Ende aus einem oder zwei geplanten Stücken fast eine ganze Stunde Musik geworden sei.

Doch damit nicht genug. Nach der Generalaudienz hat Papst Franziskus die Präsidentin der Winterthurer Stadtharmonie, Verena Fehr, und Hubov kurz empfangen. Dafür sei ein Security-Mitarbeiter nach der Audienz zu ihnen gekommen und habe sie zu dem kleinen Bereich für geladene Gästen gebracht. "Wir haben ihm eine CD von Carl Jenkins' Stabat Mater geschenkt und seine Mitarbeiter haben jedem von uns einen Rosenkranz überreicht", so erinnert sich Hubov an den weltlichen Teil der Begegnung. Und wie war es, dem Papst zu begegnen? "Er wirkte sehr natürlich und authentisch", sagt Hubov. Der ganze Auftritt sei ein Erlebnis gewesen, das einen emotional mitgenommen habe – nicht zuletzt waren Pilger aus der ganzen Welt dabei: "Es ist eine Energie und Spannung da, der man sich einfach nicht entziehen kann", so Hubov, dem die Faszination auch Tage später noch anzumerken ist. Nervös sei er, ganz der Profi, übrigens weder beim Auftritt noch beim Gespräch mit Papst Franziskus gewesen.

Auch Günter Velten, der in der Stadtmusik Kontrabass spielt und mit seinem Instrument mit dem Winterthurer Orchester mitgereist ist, ist die Faszination über das Erlebnis anzumerken. Er beschreibt ein wenig vom Drumherum dieses Auftritts. So sei bis kurz vor dem Abreisetermin nicht wirklich klar gewesen, ob die Musiker überhaupt auf dem Petersplatz auftreten können. Beeindruckt äußert er sich über Größe und Schönheit der Gebäude im Vatikan, über die Professionalität und Hingabe der Schweizer Garde und über den enormen Jubel auf dem Petersplatz beim Eintreffen des Papstes. Und an noch einen Punkt erinnert er sich: "So ein großes Publikum hatte ich noch nie."

Auftritt in Stockach: Die Stadtmusik Stockach und die Stadtharmonie Winterthur-Töss führen am Sonntag, 4. November, um 17 Uhr mit dem Chor Alpha-Cappella und einem Kinderchor vom Verein Superar Suisse Carl Orffs Carmina Burana auf