Komm, lass uns Freunde sein – einen besseren Namen kann es für die Tanz-Arbeitsgemeinschaft von Karl-Heinz Paul, besser bekannt als Mausini, und seiner Partnerin, der Tänzerin und Bewegungskünstlerin Sabine Moser alias Binahmo, fast nicht geben. 17 Kinder der Grundschule Stockach, die aus elf Ländern kommen, nehmen daran teil. Jetzt durften die Eltern zuschauen – auch um untereinander in Kontakt zu kommen. Immerhin vier Mütter und ein Vater sind gekommen.

"Wir bieten den Kindern eine breite Palette theatralischer Elemente", sagte Karl-Heinz Paul und führte aus: "Kleine Theaterszenen, kleine Tanzszenen, Jonglage, Pantomime – wir überlegen uns vorher, was wir machen, aber wir nehmen auch Ideen der Kinder auf." Im Spiel lernten sich Kinder viel besser kennen, hätten keine Berührungsängste gegenüber den anderen und gingen ganz ohne Zwang miteinander um. Das sei auch bei Erwachsenen so, sagte Karl-Heinz Paul. "Wenn wir uns im Spiel begegnen, lachen wir zusammen und sehen uns ganz anders."

Sabine Moser startete im Kreis mit einigen Yoga-Übungen. Karl-Heinz Paul fragte die Namen ab und forderte die Kinder auf, sich mit einem Tiergeräusch zu melden. Erste Lacher folgten. Beim Aufwärmtanz baute er pantomimische Elemente ein. Die Kinder setzen sich zwischendurch immer wieder geordnet auf die Stühle. Sie bewiesen Mut, indem sie durch das Mikrofon laut und deutlich ihren Namen, ihr Alter und ihr Geburtsland nannten. Dann durften sie singen oder jonglieren. Ob es an den Zaungästen lag, dass keiner singen wollte? Verschiedene Tänze sollten die Beweglichkeit und Geschmeidigkeit fördern.

"Durch den Wechsel aus Bewegung und Innehalten bekommen die Kinder ein Gespür für ihren Körper", erklärte Karl-Heinz Paul. Alle machten mit, keiner gab sich schüchtern. Die Kinder halfen sich gegenseitig beim Anziehen der Tanzsäcke, in denen sie einige Minuten lang komplett verhüllt beliebige Figuren darstellten.

Schulleiter Frank Sauer berichtete, man habe ursprünglich mehr deutsche Kinder dazu nehmen wollen, doch Karl-Heinz Paul habe die Teilnehmerzahl auf 18 begrenzt und so habe die Schule beschlossen, möglichst vielen ausländischen Schülerinnen und Schülern die Chance zu geben, in dieser kleinsten Arbeitsgemeinschaft der Schule mitzuwirken.

Der Leiter der Grundschule zeigte sich beeindruckt von den sprachlichen Fortschritten der Kinder. "Die meisten kamen im Herbst ganz frisch und konnten überhaupt kein Deutsch. Wir suchten etwas, wo sie sich auch nicht-sprachlich einbringen konnten." So sei diese Idee zu diesem Projekt entstanden. Die Arbeitsgemeinschaft empfand er als eine tolle Erweiterung des Nachmittagsangebots. Im Rahmen der Ganztagsschule wird das Angebot sonst nur von den eigenen Lehrkräften gestemmt. "Die Stadt hilft uns sehr, indem sie die externen Anbieter finanziert", freute sich Frank Sauer und fuhr fort: "Es wäre wünschenswert, dass es auch im nächsten Jahr so weitergeht." Das Geld sei gut angelegt und zeige eine nachhaltige Wirkung. Er hoffe, dass sich über die Kinder auch deren Eltern kennenlernen und austauschen. Bei den Teilnehmern war er zuversichtlich: "Wer sich hier versteht, der versteht sich auch auf dem Schulhof, auch wenn es sonst keine Berührungspunkte gibt."

Das Konzept

Mit der Arbeitsgemeinschaft "Komm, lass uns Freunde sein" fördert die Grundschule Stockach die Integration von Flüchtlings- und Migrantenfamilien. Die AG läuft bereits seit Oktober 2016. Zeitweise waren bis zu 21 Flüchtlings- und Migrantenkinder sowie ein deutsches Kind dabei. Die Kinder gehen in Vorbereitungs- und Regelklassen. Die Stadt unterstützt diese AG. Janell Lia-Breitmayer, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Stockach, hatte dafür Kontakt mit Schulleiter Frank Sauer aufgenommen. Partnerschaften zu gleichaltrigen Kindern sollten entstehen. Mausini bietet auch Kindertheater und Fortbildungsangebote zur Gesundheitsförderung und Gewaltprävention sowie Medien zur Sprachförderung, Leseförderung und Bewegungsförderung an. (wig)