Kunsthandwerk als Zeitvertreib

Langeweile gehörte zum Alltag der Soldaten während des Ersten Weltkriegs. Kurze grausame Kampfhandlungen wechselten sich mit langem Warten ab. Über Wochen hinweg taten die Soldaten Dienst im Schützengraben und mussten im Jahresverlauf Hitze, Regengüsse und Kälte ertragen. Hinzu kam die Belastung durch ungeliebte Schädlinge: Ratten waren allgegenwärtig. Sie liefen den Soldaten im Schlaf über den Kopf und knabberten am Brot im Schützengraben und den Leichen im Niemandsland. Auch Läuse waren eine große Plage.

Material stammte aus dem Krieg

Viel Sinnstiftendes gab es in diesem Elend nicht zu tun. Man konnte Briefe an die Lieben in der Heimat schreiben, Ratten jagen oder sich gegenseitig den Kopf lausen. Trost spendeten die Briefe der Angehörigen, die eintreffenden Essensrationen und herumstreunende Haustiere. Viele der Soldaten vertrieben sich die Langeweile durch das Herstellen von Grabenkunst. Aus Munitionsteilen wie Granaten, Geschosshülsen und Kartuschen wurden Armreifen, Anhänger, Aschenbecher, Kerzenständer oder Vasen hergestellt.

In der Ausstellung im Stadtmuseum sind zwei aus Patronenhülsen gefertigte Vasen zu sehen. Eine wurde von einem unbekannten Soldaten mit großer Mühe verziert und das Abbild einer Blume ins Metall gearbeitet. Aus einem runden Metalldeckel hat ein anderer Soldat präzise Stahlhelme und Werkzeuge herausgehämmert. Ein weicher Kalkstein mit dem Schriftzug „Reims 1917“ erinnert an die heftigen Angriffe der Franzosen auf die deutsche Frontlinie. Bild: Johannes Waldschütz
In der Ausstellung im Stadtmuseum sind zwei aus Patronenhülsen gefertigte Vasen zu sehen. Eine wurde von einem unbekannten Soldaten mit großer Mühe verziert und das Abbild einer Blume ins Metall gearbeitet. Aus einem runden Metalldeckel hat ein anderer Soldat präzise Stahlhelme und Werkzeuge herausgehämmert. Ein weicher Kalkstein mit dem Schriftzug „Reims 1917“ erinnert an die heftigen Angriffe der Franzosen auf die deutsche Frontlinie. | Bild: Johannes Waldschütz

In der Ausstellung im Stadtmuseum sind zwei aus Patronenhülsen gefertigte Vasen zu sehen. Eine wurde von einem unbekannten Soldaten mit großer Mühe verziert und das Abbild einer Blume ins Metall gearbeitet. Aus einem runden Metalldeckel hat ein anderer Soldat präzise Stahlhelme und Werkzeuge herausgehämmert. Ein weicher Kalkstein mit dem Schriftzug „Reims 1917“ erinnert an die heftigen Angriffe der Franzosen auf die deutsche Frontlinie.

Grabenkunst als geschichtliches Zeugnis

Nach dem Krieg brachten viele Soldaten diese Grabenkunst als Souvenir aus dem Krieg mit nach Hause. Aus dem Abfallmaterial des Krieges wurden Erinnerungsstücke, die es den Soldaten ermöglichten, ihre Erlebnisse greifbar zu machen und in manchen Fällen sogar zu verarbeiten. So wurden die Munitionsreste doch noch einem sinnvollen Zweck verwendet.

Die Serie: Im Sommer stellen SÜDKURIER und Stadtmuseum ein bis zwei Mal wöchentlich Dinge aus der aktuellen Ausstellung vor: „Erster Weltkrieg, Revolution und Neubeginn. Stockach im Umbruch 1917-1923“