Das Konzert kam sehr gut an: "Sehr schön. Wie facettenreich eine Gitarre klingen kann, habe ich so noch nie erlebt", sagte Josef Drexler, treuer Abonnent der Stockacher Meisterkonzert-Reihe das Gitarrenrezital im gut besuchten Bürgerhaus. Der Brasilianer Pedro Aguiar und der kurzfristig für die erkrankte Laura Lootens eingesprungene Leonhard Becker ernteten viel Applaus.

Schienen die Interpreten in ihren Soli jeweils untrennbar innig mit ihren Gitarren verschmolzen, so bewegten sie sich im Zusammenspiel bei gleicher Werkauffassung traumwandlerisch sicher, kraftvoll und doch poetisch. Ihre profund beherrschte Technik ermöglichte es ihnen, ihre musikalischen Visionen beglückend lebendig und spannend in die Tat umzusetzen. So zielte zum Beispiel ihr "Oriental" von Enrique Granados, ursprünglich für Klavier komponiert, mitten ins Herz der Zuhörer. Diese lauschten mit geschlossenen Augen und entspannt lächelnden Gesichtszügen der von den Meistern der klassischen Gitarre sehr gut gemachten Musik.

Heiter und äußerst liebenswert in Manier einer kleinen Orgelwalze perlten die Töne übermütig schnaderlhüpfend mit Mauro Giulianis "L'aventure d'amore op.116" den nun amüsiert schmunzelnden Zuhörern entgegen. "Ich fahr mit der Schneckenpost" war in der Melodie das altbekannte Kinderlied zu entdecken.

Einen Kosmos an Farben und Gefühlen zauberte Pedro Aguiar im Solo seiner Hommage an Heitor Villa-Lobos, neben einer Mazurka eine extrem facettenreiche Suite, in der europäische Tänze mit brasilianischer Musik verwoben sind. Aguiars Spiel hatte etwas urtümliches, autarkes, das extrem berührte. Ansprechend war dabei immer wieder sein Vermögen, die Tempi innerhalb seiner Rezitals zu verändern (Agogik). Dann wieder verströmte er wohltemperiert und beseelt sakrales Sentiment. Der beflügelnden Fantasie über ungarische Themen vom Wiener Johann Dubez folgte nach enthusiastischem Beifall als Zugabe "Agua e vinho" (Wasser und Wein) von Egberto Gismonti.